Bundesliga - Wie im Wilden Westen

Eurosport - Di 18.Sep. 08:28:00 2007

FOOTBALL 2007-2008 Bundesliga Dortmund-Bremen Almeida - 0

Brennpunkt Frankfurt: Albert Streit greift Timothee Atouba, der sich mit dem Ellenbogen wehrt, in die Weichteile. Beide kommen ungestraft davon, da weder Schiedsrichter Manuel Gräfe noch seine Assistenten etwas von dem Vorfall mitbekommen hatten.

Zurück in den Signal Iduna Park: Der Bremer Stürmer Hugo Almeida nimmt Anlauf und grätscht Jakub Blaszcykowski von hinten brutal um. Der Portugiese sieht für dieses eher dunkelrote Vergehen nur die Gelbe Karte. Blaszcykowski schlägt zurück, tritt Dusko Tosic mit gestrecktem Bein in den rechten Oberschenkel und kassiert ebenfalls nur Gelb. Auch Diego brennen die Sicherungen durch. Der Werder-Spielmacher schlägt bei einem versuchten Faustschlag an Tinga ein Luftloch und kommt mit einer Verwarnung davon.

Der für den rotgefährdeten Diego eingewechselte Leon Andreasen schlägt gegen Marc-André Kruska nach - Referee Sippel zeigt Rot. Naldo, der bereits zum Bundesliga-Auftakt beim rüden Einsteigen gegen Miroslav Klose mit einem blauen Auge davon kam, tritt den am Boden liegenden Blaszcykowski in die Rippen, und erneut bleibt die unfaire Aktion des Brasilianers den Schiedsrichtern verborgen.

Fandel fordert Konsequenzen

Herbert Fandel, der das Champions-League-Finale 2007 leitete, spricht im "kicker" Klartext: "Wir müssen hammerhart durchgreifen, wenn eine Attacke klar gegen die Gesundheit des Gegenspielers geht. Um dieser Unsitte Herr zu werden, hilft nur die Rote Karte." Schiedrichter-Boss Volker Roth will seinen "Schwarzen Männern" beim nächsten Lehrgang der Referees am 9. Oktober den "Schutz der Gesundheit eines jeden Spielers" als oberste Prämisse nahe legen.

Fandel appelliert indes an die Einsicht von Spielern, Trainern und Klubs: "Bei hinterhältigen, brutalen Dingen müssen die Verantwortlichen eingreifen. Und die Spieler selbst müssen sich überlegen, wie sie mit der Gesundheit von Berufskollegen umgehen." Edle Gedanken, die sich aufgrund des harten Konkurrenzkampfes in der finanzstarken Sportart Fußball wohl kaum umsetzen lassen.

Der "Fall Naldo" ist bereits wieder zu den Akten gelegt. Schiedsrichter Sippel erklärte gegenüber Hilpert, er habe "gesehen, dass Naldo mit dem rechten Fuß auf den Körper von Blasczykowski gekommen" sei. Allerdings habe er dies "als einen normalen Schritt und Bewegungsablauf bewertet." Auch sein Assistent habe ihm kein Vergehen angezeigt. Damit liegt nach Angaben des DFB eine "negative Tatsachenentscheidung" des Schiedsrichters vor, die eine Ahndung durch den Kontrollausschuss nicht zulässt.

Videobeweis unabdinglich

Ein Fehler im System? Nach der Einführung des vierten Offiziellen (Ersatzschiedsrichter) ist als nächste Stufe der sofortige Videobeweis zur Aufklärung der jeweiligen Situation unabdinglich. Sowohl im American Football als auch im Eishockey hat sich die Aufklärung strittiger Situationen mit Hilfe von TV-Bildern bewährt.

Derzeit nehmen in der Bundesliga nur die acht Augen des Schiedsrichter-Teams das Geschehen unter die Lupe, während das Fernsehen einem Millionenpublikum nahezu alle Vergehen in Sekundenschnelle aus verschiedenen Blickwinkeln präsentiert. Dasselbe Bild auf den Anzeigetafeln in den Stadien oder zumindest auf dem Bildschirm des Ersatzschiedsrichters würde die Hemmschwelle der Profis deutlich anheben und den Wild-West-Manieren Einhalt gebieten.

Thomas Janz / Eurosport

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