Eurosport - Sa 18.Jul. 15:47:00 2009
Hannover 96 hat sich im Mittelfeld der Liga eingerichtet. In der kommenden Saison scheint allerdings ein Absturz realistischer als ein plötzlicher Sprung nach oben. Auf dem Transfermarkt verhielten sich die Roten unauffällig, von Aufbruchstimmung keine Spur. eurosport.yahoo.de macht den Teamcheck.
Ausgangslage: Trainer Dieter Hecking und seine Mannschaft haben einiges gut zu machen nach der vergangenen Saison. Zwar landete Hannover auf einem ungefährdeten elften Tabellenrang, strapazierte aber die Nerven der Anhänger mit unansehnlichem 08/15-Fußball, katastrophalen Auswärtsauftritten und einer Flut von Gegentoren (69). Die Fans rebellierten offen gegen Heckings Ein-Stürmer-System, forderten eine Umstellung auf 4-4-2. Zur kommenden Spielzeit ändert der ungeliebte Coach seine Taktik in der Tat, wird mit zwei Angreifern beginnen. Erhebliche Preiserhöhungen bei den Tickets belasten die ohnehin angespannte Atmosphäre zusätzlich.
Wer kam, wer ging: Präsident Martin Kind hat einen Sparkurs vorgegeben, 96 hielt sich somit auf dem Transfermarkt merklich zurück. Wurden im letzten Jahr noch Millionen für Jan Schlaudraff, Mario Eggimann oder Leon Andreasen ausgegeben, zahlten die Niedersachsen 2009 einzig für Linksverteidiger Constant Djakpa eine Ausleihgebühr von 400.000 Euro an Bayer Leverkusen. Ablösefrei kam vom gleichen Klub der tunesische Innenverteidiger Karim Haggui. Zum Nulltarif wechselte auch Valdet Rama (Mittelfeld/Ingolstadt) nach Hannover. Die Talente Sofien Chahed und Manuel Schmiedebach rückten von den eigenen Amateuren in den Profikader.
Ihre Karriere beendet haben Michael Tarnat und Valerien Ismael. Frank Fahrenhorst ging wie Chavdar Yankov zum MSV Duisburg, Bastian Schulz zog es zum 1. FC Kaiserslautern. Gaetan Krebs wechselte nach Karlsruhe. Unter Umständen wird 96 noch einen Rechtsverteidiger verpflichten eine Aufgabe für Sportdirektor Jörg Schmadtke, seinerseits ein Neuzugang in Hannover. Mit Hecking arbeitete er bereits in Aachen zusammen. Spannend wird zu beobachten sein, wie sich der frühere Torwart mit Machtmensch Kind arrangiert. Glücklich wurde auf Schmadtkes Posten bei den Roten schließlich noch niemand.
Stärken und Schwächen: Das Gerüst des Kaders ist unverändert, die Mannschaft ist eingespielt. Haggui dürfte der zuvor geradezu orientierungslosen Defensive Halt verleihen. Bei den Offensivkräften Mikael Forssell und Schlaudraff besteht noch gehöriges Steigerungspotenzial. Sie dürften, sofern fit, häufiger treffen als im Vorjahr (sieben bzw. fünf Saisontreffer). Für Überraschungsmomente gut sind die Kreativspieler Arnold Bruggink und Jiri Stajner. Über allen steht in Hannover jedoch der Keeper und Kapitän: Spitzenkönner Robert Enke ist der Top-Star, auch außerhalb des Rasens die Identifikationsfigur des gesamten Klubs.
Womit wir schon bei den Schwächen wären: außer Enke steht kein herausragender Akteur im Kader. Gerät die Mannschaft in Rückstand, ergibt sie sich häufig ihrem Schicksal. Abzuwarten bleibt, wie das neue 4-4-2-System umgesetzt wird. Der Mangel an Führungspersönlichkeiten und sportlichen Überfliegern kann 96 in die Bredouille bringen. Um die Chemie zwischen Trainer und Mannschaft ist es nicht allzu gut bestellt. Hannover muss zudem hoffen, von einer gespenstischen Verletztenserie wie im Vorjahr verschont zu bleiben. In der Vorbereitung pausier(t)en unter anderem Schlaudraff (muskuläre Probleme) und Andreasen (Leiste).
eurosport.yahoo.de-Prognose: Aus den Testspielen lässt sich nicht viel ableiten. Gegen Köln gab es ein 0:0, zuvor gewann 96 hoch gegen Amateure. In der Bundesliga dürfte sich die Hecking-Elf eher in unteren Tabellenregionen wiederfinden. Kaum ein Spieler hat zuletzt eine positive Entwicklung genommen, die Stimmung ist gedämpft. Ein missratener Start dürfte den Job des Trainers gefährden. Die Roten sind auf dem Papier stärker besetzt als mancher Konkurrent, agieren dafür aber lethargischer und kampfschwächer. 96, die Definition von Durchschnitt, könnte in den Abstiegsstrudel hineinrutschen.
Das sagt der Experte Valérien Ismael gegenüber eurosport.yahoo.de:
"Die nächste Saison wird für Hannover besser als die letzte. Dafür gibt es zwei Gründe, der erste: Wir stehen vor einem WM-Jahr und die Nationalspieler Robert Enke, Karim Haggui, Mario Eggimann und Michael Forssell werden sich anbieten wollen. Der zweite Grund: Im Sommer 2010 laufen einige Verträge aus, da müssen sich viele neu anbieten. Es gibt also individuelle Interessenslagen, von denen Hannover profitieren wird. Ich glaube nicht, dass 96 etwas mit dem Abstieg zu tun haben wird. Dennoch muss man kleine Brötchen backen. Platz 10 ist durchaus realistisch, ein einstelliger Platz im Bereich des Möglichen."
Die bisherige Eurosport-Tabelle für die Saison 2009/2010:
16. Hannover 96
17. VfL Bochum
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