Hockenheim (dpa) - Lewis Hamilton gibt beim Mercedes-Heimspiel das Tempo vor, doch Ferrari will den Dauerrivalen auf dem Hockenheimring mit verbesserter Strategie ausbremsen.
«Wir haben aus unseren Fehlern gelernt. Wir können bei allen Bedingungen gewinnen», sagte Scuderia-Pilot Kimi Räikkönen vor dem Großen Preis von Deutschland forsch. Beim ersten Kräftemessen am Freitag mussten sich der Formel-1-Weltmeister und sein Teamkollege Felipe Massa allerdings hinter McLaren-Mercedes-Star Hamilton einreihen, der das Training dominierte. Bester Deutscher war Williams-Fahrer Nico Rosberg, um den sich nach jüngsten Enttäuschungen Wechselgerüchte ranken.
Auch mit Rekordweltmeister Michael Schumacher als Ratgeber am Kommandostand konnten die Ferrari zum Auftakt des deutschen Grand-Prix-Wochenendes dem starken Hamilton nicht Paroli bieten. Der Brite, der punktgleich mit Massa und Räikkönen (alle 48) die Fahrer-WM anführt, fuhr in 1:15,025 Minuten die beste Zeit des Tages und hatte dabei deutliche sieben Zehntelsekunden Vorsprung auf seine Titelrivalen. «Wir liegen mit den Reifen und der Abstimmung richtig. Für Samstag sieht es gut aus», sagte Hamilton
«Es war wie aus dem Bilderbuch. Die Bestzeit von Lewis war ein schöner Auftakt für unseren Heim-Grand-Prix», jubelte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. «Dazu waren wir schnell und konstant. Jetzt wollen wir im Qualifying und im Rennen unbedingt an diese Form anknüpfen», sagte Haug. Die gute Vorstellung der Silbernen rundete der Finne Heikki Kovalainen mit den Rängen zwei und vier ab.
Ferrari indes sieht sich auf Augenhöhe mit dem WM-Konkurrenten. «Es wird kein Spaziergang, aber wir können es mit ihnen aufnehmen», sagte Massa. Die Roten drängen in Hockenheim nach dem blamablen Regen-Reinfall von Silverstone auf Wiedergutmachung. Nach verpatzter Reifenwahl hatten die Roten vor knapp zwei Wochen ohnmächtig bei Hamiltons Triumph zuschauen müssen. «Sollte es in Hockenheim auch regnen, werden wir die negativen Dinge abstellen. Das wird ein komplett anderes Rennen», erklärte Massa.
Mit einem Erfolg im zehnten von 18 Saisonläufen am Sonntag will die Ferrari-Fahrgemeinschaft punktemäßig wieder etwas auf Distanz zum aktuellen Spitzenreiter Hamilton gehen. «Wir können noch einiges verbessern», befand Räikkönen.
Das deutsche Quartett konnte beim Auftakt des Heim-Wochenendes noch kein Ausrufezeichen setzen. Der künftige Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel (Heppenheim) belegte im Juniorteam Toro Rosso die Plätze sieben und elf. Timo Glock (Wersau) wurde im Toyota 13. und 16.; Force-India-Pilot Adrian Sutil (Gräfelfing) 18. und 19.
Nick Heidfeld, derzeit als Fünfter bester Deutscher in der Weltmeisterschaft, kam im BMW-Sauber nicht über die Plätze acht und neun hinaus. Dennoch präsentierte sich der Gladbacher gut gelaunt. «Es fängt jetzt an, richtig Spaß zu machen», meinte der 31-Jährige, der sich nach seinem zweiten Rang im Regen-Chaos von Silverstone im Aufwind wähnt. «Wir haben ein Auto, das unter allen Bedingungen funktioniert», sagte Heidfeld mit Blick auf die durchwachsenen Wetterprognosen für Sonntag.
Angeführt wurde die schwarz-rot-goldene Flotte jeweils von Rosberg, der auf Rang sechs am Vormittag den siebten Platz in der zweiten Übungseinheit folgen ließ. ««Das Auto liegt gut auf der Strecke. Ich sehe beste Chancen für uns», sagte der 23-Jährige. 40 Autominuten von seinem Geburtsort Wiesbaden entfernt geht Rosberg mit spürbarer Vorfreude in sein Heimrennen, nachdem zuletzt vor allem die Enttäuschung über den Abwärtstrend des Williams-Teams und die Gedankenspiele um seine Zukunft im PS-Zirkus seine Gefühlslage bestimmten.
Nur noch genervt reagiert Rosberg, der zuletzt viermal ohne WM-Punkte blieb, auf Spekulationen um eine Ausstiegsklausel und einen Wechsel zu McLaren-Mercedes. Vor der Saison war er heißer Kandidat für die Nachfolge des zweimaligen Weltmeisters Fernando Alonso bei den Silberpfeilen, doch Teamchef Frank Williams ließ ihn nicht gehen und verlängerte seinen Vertrag zu verbesserten Bezügen bis 2009.
Inzwischen ist das Interesse von McLaren-Mercedes an Rosberg zumindest offiziell erkaltet. «Es gibt keine Vertragsverhandlungen», sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug in Hockenheim. Vielmehr plant der britisch-deutsche Rennstall eine weitere Saison mit dem Duo Hamilton und Kovalainen. «Davon ist auszugehen», sagte Haug.




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