Eurosport - So 18.Mai. 13:46:00 2008
Erreichte Ziele, geplatzte Träume, dramatische Abstürze - eurosport.yahoo.de stellt den 18 Klubs das Saisonzeugnis aus und gibt erste Ausblicke auf die Spielzeit 2008/2009. Teil drei beleuchtet die Plätze 13 bis 18.
Borussia Dortmund - Trauerspiel in der Liga, trotzdem in Europa
Nicht wenige hatten die Borussia nach viel versprechenden Verstärkungen vor der Saison als positive Überraschungsmannschaft für das obere Drittel auf dem Zettel. Doch der BVB genügte nicht einmal den Ansprüchen für einen einstelligen Tabellenplatz, vor allem die dutzende Male umformierte Defensive mutierte zur Schießbude der Liga (62 Gegentore, kein Klub kassierte mehr). Nur dank der Teilnahme am Pokal-Endspiel dürfen die Dortmunder im UEFA-Cup mitmischen. Ob das allerdings auch noch Trainer Thomas Doll darf, ist alles andere als sicher. Lichtblick: Mit dem Brasilianer Felipe Santana (Figueirense) wurde bereits ein Mann für die Abwehr verpflichtet, der im Gegensatz zum vorhandenen Defensivpersonal auch schnell sein soll.
Energie Cottbus - Der "Fight Club" hält die Flagge des Ostens hoch
Nach dem 23. Spieltag war Energie saftlos Tabellenletzter, haderte mit einigen fragwürdigen Schiedsrichterentscheidungen und war für fast alle der erste designierte Absteiger. Der folgende Sieg gegen Bayern München war die Initialzündung für 19 Punkte aus elf Spielen. Neben Kämpfern wie Kapitän Timo Rost, Daniel Ziebig oder Mariusz Kukielka sorgten Stanislav Angelov und Ervin Skela auch für spielerische Elemente. Skela war zudem der Mann für die wichtigen Tore im Abstiegskampf. Der zunächst kritisch beäugte Trainer Bojan Prasnikar brachte wieder die richtige Mischung aus eiserner Disziplin und Spaß nach Cottbus. Folgerichtig wurde der Vertrag des Slowenen bis 2010 verlängert. Trotzdem bleibt der Abstiegskampf Alltag in der Lausitz.
Arminia Bielefeld - Rückkehr der Sachlichkeit
Als die Arminia nach dem 5. Spieltag plötzlich hinter den Bayern Zweiter war, ließ sich der selbstherrliche Trainer Ernst Middendorp zu einer weltfremden Kampfansage hinreißen: "Wir wollen möglichst lange Bayern-Jäger bleiben." Noch vor Ende der Vorrunde war Bielefeld 15. und "Jahrhunderttrainer" (Fan-Wahl) Middendorp Geschichte. Mit Michael Frontzeck kehrte Nüchternheit und Realitätssinn auf die "Alm" zurück. Der Trainer schreckte auch vor unpopulären Maßnahmen (keine Verträge mehr für die Routiniers Mathias Hain und Petr Gabriel) nicht zurück. Von den letzten zwölf Spielen wurden nur zwei verloren - das war die Basis für den Klassenverbleib, auch wenn nach dem Pannen-Eigentor des Jahres durch Keeper Rowen Fernandez am 33. Spieltag das Schicksal schon gegen die Ostwestfalen zu sprechen schien.
1. FC Nürnberg - Negativ-Rekorde haben Tradition
Vom Pokalsieger über den UEFA-Cup in die Zweite Liga - die Achterbahnfahrt zwischen Himmel und Hölle auf kürzestem Wege schafft nur der "Club". 1969 stiegen die Franken als amtierender Meister ab, knapp 40 Jahre später rutscht der FCN wieder nach einem Titelgewinn in die Zweitklassigkeit. Mit dem siebten Abstieg schrieben die Franken einmal mehr traurige Geschichte. Die schleichende Talfahrt wurde lange Zeit mit dem Verweis auf das vermeintlich so große Potenzial der Mannschaft schöngeredet und Trainer-Ikone Hans Meyer unwürdig in den Ruhestand entlassen. Nachfolger Thomas von Heesen konnte die Formtiefs der Leistungsträger Javier Pinola, Marek Mintal, Ivan Saenko oder Torgarant Robert Vittek (lange verletzt) nicht beenden. Dazu war der Chancentod Stammspieler in Nürnberg - keine andere Mannschaft ging so fahrlässig mit ihren Möglichkeiten um und gewann so wenige Spiele (sieben). Wieder einmal steht der "Club" vor einem Neuanfang in Liga zwei. Wehen Wiesbaden statt Benfica Lissabon...
Hansa Rostock - Die Kogge nicht erstligatauglich
Fünf Niederlagen in den ersten fünf Saisonspielen - der Fingerzeig für einen insgesamt nicht erstligatauglichen Kader, der mit dem kleinsten Etat (25 Millionen Euro) ins Abenteuer Bundesliga angetretenen Rostocker. Trotzdem hatten die Ostsee-Anrainer am 23. Spieltag plötzlich fünf Punkte Vorsprung vor den Nichtabstiegsplätzen. Mit nur 30 Toren offenbarte Hansa ligaweit die größte Abschlussschwäche, der als große Führungspersönlichkeit eingeplante Stefan Beinlich musste verletzungsbedingt vorzeitig seine Kickstiefel an den Nagel hängen. Der Wiederaufstieg ist kein Selbstgänger: Talente wie Marc Stein (Berlin) und Tim Sebastian (Karlsruhe) verlassen den Verein, ohne einen schlagkräftigen Sturm sieht Rostocks Zukunft mittelfristig zweitklassig aus.
MSV Duisburg - "Zebras" zu Hause Kanonenfutter
Ähnlich wie bei Hansa Rostock glaubten die meisten Experten an den direkten Wiederabstieg des MSV und sollten Recht behalten. Zu selten gelang es Duisburg, Bundesliga-Niveau über 90 Minuten zu zeigen. Gegentore in den Schlussminuten (wie gegen Dortmund, Stuttgart und in Bochum) kosteten wertvolle Zähler. Da halfen auch die Auswärtscoups bei den Großen (Siege in Bremen und Hamburg, Punkt in München) nichts. Doch der Genickbruch war die eklatante Heimschwäche von Rudi Bommers Mannen: Ganze zwölf Punkte in 17 Spielen - mit großem Abstand die schlechteste Ausbeute aller 18 Klubs. Wenigstens setzt man an der Wedau auf Kontinuität - wie Rostocks Frank Pagelsdorf darf wohl auch Rudi Bommer weitermachen.
Hinweis:
Ihr Klub war nicht dabei? Die weiteren Saisonzeugnisse finden als Links unterhalb des Bildes.
Alexander Beisse / Eurosport