Eurosport - So 18.Mai. 13:55:00 2008
Nach dem Pokalsieg 2007 folgt der Abstieg 2008. Der 1. FC Nürnberg muss trotz einer prominent bestückten Mannschaft in das Fußball-Unterhaus absteigen. Das Ziel dort: der direkte Wiederaufstieg. Mit welcher Mannschaft dies gelingen soll, entscheidet sich in den kommenden Wochen.
Um 17.17 Uhr am 17. Mai besiegelte Schiedsrichter Herbert Fandel den Abstieg des 1. FC Nürnberg. Nach der bitteren 0:2 (0:1)-Heimniederlage gegen Schalke 04 war die letzte Chance vertan, doch noch mit einem packenden Finish die Liga zu erhalten. Und das obwohl der VfB Stuttgart die notwendige Schützenhilfe leistete. Das 2:2-Unentschieden der Schwaben gegen den ärgsten Widersacher im Abstiegskampf, Arminia Bielefeld, wäre genug gewesen, wenn die Nürnberger ihr 34. Saisonspiel gewonnen hätten.
Aber der Konjunktiv zählt nicht im Fußball und so herrschte im Easycredit-Stadion bei den 47.000 Zuschauern Entsetzen, als der bis zuletzt nicht für möglich gehaltene Abstieg doch eintrat. Thomas von Hessen, der nach dem 19. Spieltag für Hans Meyer die Mannschaft übernommen hatte, stand mit in die Hüften gestemmten Händen am Spielfeldrand und blickte leer gen Boden.
Spieler am Boden zerstört
"Wir haben uns viel vorgenommen und sind gut in das Spiel gekommen. Dann sind wir durch eine Standardsituation kalt erwischt worden", analysierte er nach dem Spiel, "In der zweiten Halbzeit haben wir alles versucht, aber es war wie verhext." Besonders ärgerte ihn die Leistung seiner Angreifer, die trotz eines Schussverhältnisses von 24 zu 9 für Nürnberg keinen Treffer erzielten, "aber am Ende kommt es auf die Qualität der Stürmer an."
Seine Spieler lagen zu diesem Zeitpunkt noch auf dem Platz und konnten die Tränen nicht mehr unterdrücken. Javier Pinola zog sich das Hemd über den Kopf, damit niemand seine Enttäuschung sehen konnte. Auch der Trost des Gegners in Person von Jermaine Jones brachte den Argentinier nicht wieder auf die Beine.
Mit von Heesen in die 2. Liga
FCN-Manager Martin Bader steckte die Enttäuschung hingegen überraschend schnell weg und dachte bereits wenige Minuten nach dem Schlusspfiff an die kommenden Aufgaben: "Gerade ist es brutal. Aber wir haben im Hinterstübchen immer mal die Situation durchgeplant, aber bis zum Ende gehofft, es noch umzudrehen. In den nächsten Tagen müssen wir nun versuchen, an die Planungen für die 2.Liga zu gehen."
Dafür werden die Verantwortlichen nun mit den Spielern, die alle bis auf Tomas Galasek auch einen Vertrag für die 2. Liga haben, reden und prüfen, "wer ist gewillt, mit uns in die 2. Liga zu gehen."
Sicher mit von der Partie ist offenbar Trainer von Heesen, der direkt nach dem Ende der Begegnung seine Bereitschaft für eine Saison im Unterhaus bekräftigte: "Ich habe bewusst einen Vertrag auch für die 2. Liga unterschrieben und dazu stehe ich. Grundsätzlich habe ich eine Topmotivation, die Dinge wieder gerade zu rücken. Aber es kommt auch auf den Club und das Umfeld an." Und das Umfeld signalisierte in Person von Bader ebenfalls den Willen, mit dem Coach in die nächste Saison zu gehen. "Wir brauchen einen, der den Verein kennt", so der Manager. Man habe bei der Trainersuche nach der Entlassung von Hans Meyer bewusst einen Trainer geholt, der auch einen Vertrag für die 2. Liga unterschreibt.
"Vorbild Borussia Mönchengladbach"
Wie die Mannschaft dort aussehen wird, ist die schwere Entscheidung, die die beiden nun treffen müssen. Einige Spieler wird es mit Sicherheit zu anderen Klubs ziehen. Gerüchte gibt es bereits seit mehreren Wochen. Zvjezdan Misimovic wird beispielsweise mit dem VfL Wolfsburg in Verbindung gebracht und der Name von Pinola fiel im Zusammenhang mit dem Hamburger SV. Trotzdem werden die Franken eine schlagkräftige Truppe aufbieten, denn das Ziel ist laut Bader der direkte Wiederaufstieg nach dem "Vorbild Borussia Mönchengladbach". Mit Blick auf alle die, die in den kommenden Tagen den Untergang des "Clubs" prophezeien werden, sagte der Manager augenzwinkendernd: "Ich kann alle beruhigen. Der 1. FC Nürnberg wird sich nicht auflösen."
Christian Steiler / Eurosport