Wolfsburg (dpa) - Für die Fans war es ein Freudenfest, für den Trainer kein Grund zu übertriebener Euphorie. «Wir sind noch nicht dort, wo wir hinwollen. So lange das nicht der Fall ist, bin ich nicht bereit, mir auf die Schulter klopfen zu lassen», sagte VfL-Trainer Felix Magath.
Noch während der Wolfsburger Anhang der Norddeutschen zusammen mit den Profis ausgelassen den 4:2 (2:1)-Sieg bei Borussia Dortmund und den zweiten UEFA-Cup-Einzug nach 1999 feierte, nahm der Erfolgscoach andere Ziele ins Visier: «Ich bin angetreten, um diesen Verein in die Spitze zu führen. Einen Teil des Weges haben wir zurückgelegt, der schwierigere Teil liegt aber noch vor uns.»
Selbst die beste Bundesliga-Platzierung (5.) der Vereinsgeschichte veranlasste Magath nicht zu großen Gefühlsregungen. Dennoch bereitete ihm das Happy End im Vierkampf um die UEFA-Cup-Plätze sichtbar Freude. Der Patzer von Bayer Leverkusen im Heimspiel gegen Werder Bremen (0:1) ebnete den Weg zum ersten und finalen Saison-Vorstoß in die Europacup-Ränge. Die Punktlandung war Lohn für eine famose Rückrunde. Dank der Treffer von Sascha Riether (4.), Marcelinho (6.), Marcel Schäfer (62.) und Grafite (76.) konnte Wolfsburg die Gunst der Stunde nutzen. «Mein Geburtstag, ein Tor und nun auch noch im UEFA-Cup - für mich war es ein perfekter Tag», schwärmte Marcelinho.
Das Geburtstagskind aus Brasilien war der einzige Profi aus der Startelf, der bereits in der vorigen Saison für Wolfsburg zum Einsatz kam. Seither hat sich Magath dank der üppigen Hilfe des Vereinssponsors eine völlig neue Mannschaft zusammengestellt. Doch damit mag sich die der Manager und Trainer nicht zufriedengeben. «Wir sind noch nicht in der Bundesligaspitze. Dazu ist es notwendig, dass im Verein noch mehr gegeben wird, als das bisher der Fall war», sagte er voller Hoffnung auf weitere namhafte Neuzugänge wie Weltmeister Cristian Zaccardo (US Palermo) und eine noch größere Unterstützung der Fans.
Trotz des Traumstarts in die Partie mit einer 2:0-Führung nach nur sechs Minuten geriet der Erfolg zwischenzeitlich noch in Gefahr. Nur die Nervenschwäche des zweifachen BVB-Torschützen Alexander Frei (25./68.), der beim Elfmeter (42.) an seinem Schweizer Landsmann Diego Benaglio scheiterte, verhinderte den zwischenzeitlichen Ausgleich der kampfstarken, aber erneut abwehrschwachen Borussia. «Ich hatte kaum Platz genommen, da lagen wir schon 0:2 hinten», klagte Michael Zorc.
Der BVB-Sportdirektor ist einer derjenigen, der in Kürze über die Zukunft von Trainer Thomas Doll mitentscheiden muss. Auch das Spiel gegen Wolfsburg konnte die Position des umstrittenen Fußball-Lehrers nicht stärken. Allein die Fakten verheißen wenig Gutes: Kein Bundesligaclub kassierte in dieser Saison mehr Gegentore (62). Auf dem 13. Tabellenplatz schloss der BVB eine Saison zuletzt 1987/88 ab. Das spricht nicht für eine harmonische Bestandsaufnahme, die laut Doll für den 19. Mai anberaumt ist. Ein deutliches Bekenntnis zum Trainer kam Zorc nach der Partie nicht über die Lippen: «Wir werden die Saison analysieren - und zwar ergebnisoffen.»


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