Perfekt gelaufen

Eurosport - Di 18.Mrz. 07:44:00 2008

Die abgelaufene Saison war für die deutschen Skijägerinnen eine Saison der Superlative. Und am Ende krönte sich mit Magdalena Neuner ausgerechnet eine zur Gesamtweltcup-Siegerin, die eine Teildisziplin der Kombinations-Sportart nicht gerade zum Besten beherrscht.

BIATHLON 2007-2008 Oslo-Holmenkollen Magdalena Neuner - 0

"Sie hat ein Stück Sportgeschichte geschrieben", schäumte Neuners Manager Stephan Peplies vor Freude über. Übertrieben ist das aber nicht. "Ich bin erst zweieinhalb Jahre im Weltcup und habe schon die wichtigste Trophäe gewonnen", stellte Neuner fest, die sich mit 21 Jahren zur jüngsten Gesamtweltcup-Siegerin der Geschichte gekrönt hat. In diesen zweieinhalb Jahren hat Neuner nebenher noch sechs WM-Titel und nun neben der großen Kugel auch noch zwei kleine (Massenstart und Sprint) eingeheimst.

"Es macht einfach am meisten Spaß, die beiden konträren Disziplinen Laufen und Schießen zueinanderbringen", hat Neuner einmal gesagt. Nun zugegeben - so richtig gut zueinander bringt die Bayerin die beiden Disziplinen eigentlich nicht. Ihr Motto ist wohl eher: In der Loipe so schnell wie möglich zu laufen, um die Schießfehler, die sich unweigerlich einschleichen, zu kompensieren. In diesem Winter hat das perfekt geklappt.

Perfekte Saisonbilanz

Perfekt geklappt hat es aber nicht nur bei Neuner. 19 von 31 Saisonrennen, vier von fünf Kristallkugeln und vier von fünf WM-Goldmedaillen haben die deutschen Biathletinnen gewonnen. Viel besser hätte der Winter wahrlich nicht laufen können.

Eine kam im Grunde immer durch. Den besten Saisonstart erwischte Martina Glagow, die für zwei Auftaktsiege sorgte. Die Bayerin gewann auch die Disziplin-Wertung für die beste Einzelläuferin. In der Mitte der Saison waren es Neuner und Kati Wilhelm, die den deutschen Skiverband jubeln ließen. Andrea Henkel war bei der WM in Östersund in Top-Form, holte da, wie Neuner, drei Goldmedaillen und brachte es wie ihre Nachfolgerin als Gesamtweltcup-Siegerin auf vier Solo-Saisonsiege.

Gegen Ende des Winters trug sich mit Kathrin Hitzer ein neuer Name in die Siegerlisten ein. Die 21-Jährige holte in Khanty-Mansiysk zwei Erfolge innerhalb von zwei Tagen. Und den Schlusspunkt setzte noch einmal Wilhelm, die nach zwischenzeitlichem Formtief, zu einem souveränen Sieg beim Weltcup-Finale in Oslo lief. Dass bei dieser mannschaftlichen Stärke alle fünf Staffeln des Winters an Deutschland gingen, versteht sich beinahe von selbst.

Männer backen kleinere Brötchen

Während bei den deutschen Damen alles wie geschmiert lief, mussten die Männer kleinere Brötchen backen. In einer Zwischensaison nach den Rücktritten von Sven Fischer und Ricco Groß lag es an Olympiasieger Michael Greis, die DSV-Riege als Teamleader anzuführen und an der absoluten Weltspitze zu halten. Das gelang - wenngleich mit Abstrichen. Greis selbst war es, der sich als einziger DSV-Skijäger in die Siegerlisten eintrug. Der Nesselwanger hatte aber, auch wegen gesundheitlicher Probleme, immer wieder mit Formschwankungen zu kämpfen. Am Ende belegte der 31-Jährige im Gesamtweltcup Rang vier. Andreas Birnbacher wurde Zehnter. Bundestrainer Frank Ullrich fand aber dennoch Positives: "Es ging unerwartet gut. Darauf kann man aufbauen."

Eine schlechte Nachricht für die deutschen Skijäger kam hingegen am Ende der Saison aus Norwegen. Großmeister Ole Einar Björndalen, 34 Jahre alt, der in diesem Winter der "Herr der Kugeln" (eine große, vier kleine Kugeln) war, will bis Olympia 2014 weitermachen...

Birgit Riezinger / Eurosport