Eurosport - Di 18.Mrz. 08:14:00 2008
Die US-Amerikaner waren die großen Gewinner des abgelaufenen Weltcup-Winters. Beide große Kugeln dazu noch drei kleine gingen an die, spätestens jetzt auch, Ski-Weltmacht. Und Lindsey Vonn, Bode Miller und Co. haben noch lange nicht genug...
Die Oscar-Verleihung ist in der Regel eine us-amerikanische Domäne, bei der die heimischen Hollywood-Größen zu ihren Ehren kommen. In diesem Jahr war das nicht so. Alle Preise für die besten Darsteller gingen an Europäer.
Dafür haben die USA nun in einer europäischen Domäne zurückgeschlagen. Die Preise für die besten Hauptdarsteller im alpinen Ski-Weltcup gingen an US-Amerikaner. Auch wenn davon im Land der unbegrenzten Möglichkeiten vermutlich kaum jemand Notiz nimmt...
Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen gewannen mit Bode Miller und Lindsey Vonn US-Amerikaner die Gesamtweltcup-Wertungen. Zuletzt gelang dieser Coup vor 25 Jahren, als sich Phil Mahre und Tamara McKinney zu den besten Skifahrern eines Winters krönten. Miller fand es "cool, dass zwei Amerikaner den Europäern die Gesamtweltcup-Siege weggeschnappt haben", merkte aber im gleichen Atemzug an: "Ich glaube nicht, dass das in den USA große Wellen schlägt."
Ganz genau genommen ist ja nur eine der beiden großen Kugeln an das US-Skiteam gegangen, die andere gehört dem "Bode Team America". Der exzentrische Miller hatte sich zu Beginn des Winters vom US-Team gelöst, und tingelte auf Solopfaden mit seinem Wohnmobil und einem erlesenen Kreis an Angestellten durch den Weltcup-Zirkus. Nach mäßigen Erfolgen zu Beginn reichte es schließlich dank sechs Saisonsiegen, einem schwächelnden Benjamin Raich und einem verletzten Titelverteidiger Aksel Lund Svindal zur Kristallkugel - die zweite nach 2005. Hinzu kam noch der Sieg in der Kombinations-Gesamtwertung.
"Es macht mir Spaß, meinen eigenen Weg zu gehen, neue Dinge auszuprobieren und damit Erfolg zu haben", sagte Miller. Ob seine Wege weiterhin das Bergab-Fahren verschneiter Hänge beeinhalten, steht allerdings noch in den Sternen. "Im Moment weiß ich noch nicht allzu viel über meine Zukunft, im Frühling werde ich weitersehen." So der vierfache Weltmeister weitermacht, muss er nach einem neuen Mitarbeiterstab Ausschau halten. Einige seiner Trainer inklusive Headcoach John McBride stehen dem 30-Jährigen künftig nicht mehr zu Verfügung. "Wir werden sehen, was nächstes Jahr passiert", verschwendet Miller noch keine Gedanken an seine Zukunft.
Vonn im Glück
Gar nicht fassen konnte Lindsey Vonn ihr Glück nach dem Gesamtsieg. "Der Gewinn des Gesamtweltcups war das größte Ziel in meinem Leben. Ich bin so froh, dass ich das geschafft habe", meinte die 23-Jährige, die die meisten ihrer 1403 Punkte - nämlich 755 - in der Abfahrt holte, wofür ihr auch die kleine Kugel überreicht wurde.
Ted Ligety war in diesem Winter der dritte Stern am hell leuchtenden US-Skihimmel. Der 23-Jährige holte sich mit zwei Siegen zu Saisonende die kleine Kristallkugel für den Besten im Riesenslalom. "Das ist mehr als ein Traum, der wahr wird", freute sich Ligety und zollte seinen Teamkollegen Respekt: "Bode und Lindsey sind so eine klasse Saison gefahren und ich durfte mich im Schatten freuen."
Qualität statt Quantität
In diesem Winter war das Motto des US-Teams: Qualität statt Quantität. Lediglich vier Athleten sorgten für 15 Siege - neben Vonn, Miller und Ligety feierte Marco Sullivan seine Siegpremiere.
Und wenn sich im kommenden Winter auch Allrounderin Julia Mancuso, die nicht an ihre Vorjahreserfolge anschließen konnte, wieder in die Siegerlisten einträgt, dann könnte die amerikanische Erfolgsstory unweigerlich eine Fortsetzung finden. Und Lindsey Vonns Kampfansage klingt unter diesem Gesichtspunkt fast wie eine Drohung von der anderen Seite des Atlantiks. "It's not going to stop."
Birgit Riezinger / Eurosport