Ausgekugelt: Die Saisonbilanz

Eurosport - Di 18.Mrz. 19:42:00 2008

Während in den vergangenen Jahren die Österreicher die großen "Kugel-Hamster" waren, blieben der erfolgsverwöhnten ÖSV-Garde diesmal nur zwei kleine Kugeln. Und so hatten neben den großen Gewinnern aus den USA auch noch andere Nationen die Chance, sich in Szene zu setzen.

ALPINE SKIING 2007-2008 Bormio Manfred Mölgg Moelgg Denise Karbon - 0

"Ich denke es ist gut für den Weltcup, wenn mehr Nationen mitmischen. Das macht die ganze Sache spannender", sagte mit Elisabeth Görgl ausgerechnet ein Mitglied des ÖSV-Teams, das den Weltcup in den vergangenen Jahren fast nach Belieben dominiert hat - was nicht unbedingt zu einem breiteren Interesse der Sportart außerhalb Österreichs geführt hat. In diesem Winter lief vieles anders. Zwar holten die ÖSV-Athleten mit 24 Erfolgen einmal mehr die meisten Saisonsiege, doch fehlte der Topstar im Team, vor allem weil Nicole Hosp und Benjamin Raich nicht an ihre Form des Vorwinters anknüpfen konnten. Nur zwei kleine Kristallkugeln für Marlies Schild im Slalom und Hannes Reichelt im Super-G sprangen am Ende heraus. "Ich glaube nicht, dass wir schlechter sind. Die anderen sind einfach ein bisschen besser", stellte Görgl, die das letzte Saisonrennen für sich entschied, treffend fest.

Forza!

Ein bisschen besser waren in diesem Winter die Italiener - und das ausgerechnet in der Saison, in der der Verband unter massiven Finanznöten zu leiden hatte. Denise Karbon mutierte zu Beginn des Winters zur Riesenslalom-Seriensiegerin und am Ende zur Kugel-Gewinnerin. Manfred Mölgg trug sich nach sechs Podestplätzen gegen Ende der Saison erstmals in die Siegerlisten ein und schnappte Jean-Baptiste Grange noch im letzten Moment den Gesamtsieg im Slalom weg. "Es bedeutet mir sehr viel, diese Kugel für mein Land gewonnen zu haben", meinte der Südtiroler. Werner Heel (Abfahrt von Kvitfjell) und Chiara Costazza (Slalom von Lienz) feierten ihre Sieg-Premieren.

Dass die grün-weiß-rote Erfolgsstory auch im nächsten Jahr weiter gehen kann, dafür garantieren nicht nur die Siegläufer dieses Winters. Mit Nadia Fanchini, Manuela Mölgg, Nicole Gius und Cristian Deville haben die Azzurri weitere Siegkandidaten in ihren Reihen, während Peter Fill und Giorgio Rocca auf dem besten Weg zurück an die Spitze sind.

Jung und Alt an der Front

Den Schweizern erging es in diesem Winter ähnlich wie den Österreichern - viele verschiedene Sieger (sieben an der Zahl), letztlich aber doch nur eine Kristallkugel. Aber auch den Schweizern steht eine rosige Zukunft bevor. Marc Berthod und Daniel Albrecht konnten zum Teil ihre Leistungen des Vorjahres wiederholen, den beiden Allround-Youngsters fehlte aber über die komplette Dauer der Saison noch die Konstanz. Mit Fabienne Suter und Marc Gini hatten die Eidgenossen zwei Sensationssieger in ihren Reihen, während mit der erst 16-jährigen Lara Gut (3. bei der Abfahrt in St. Moritz) ein echtes Wunderkind im Weltcup vorstellig wurde. Am Ende war es aber dann doch "Oldie" Didier Cuche, der für die Schweizer Kugel (Abfahrt) sorgte. Auf eine Saison mit zehn Erfolgen dürfen die Eidgenossen nach vielen dürren Jahren jedenfalls mit zwei lachenden Augen zurück blicken.

Alles super

Dass Deutschland in dieser Kugel-Bilanz erwähnt wird, liegt einzig und allein an Maria Riesch. Zwei Rennsiege, zwei Gesamtsiege (Super-G und Super-Kombination) - optimaler hätte die Ausbeute für die Partenkirchenerin nicht sein können. "Dieser Erfolg von Maria hat einen hohen Stellenwert für den ganzen alpinen Skisport in Deutschland", hob Alpin-Direktor Wolfgang Maier den "Riesch-Faktor" hervor. "Es gab in den letzten Jahren viel Kritik, aber das zeigt, dass wir im alpinen Spitzensport ganz vorne mit dabei sind", so Maier weiter. "Es macht mich sehr stolz, in die Fußstapfen von Hilde Gerg zu treten", meinte Riesch. Gerg war vor sechs Jahren die letzte deutsche Kristallkugel-Gewinnerin (Super-G).

Zehn Podestplätze verbuchte der deutsche Ski-Verband in diesem Winter - verantwortlich dafür lediglich zwei Athleten: Riesch und Felix Neureuther. Die beiden Partenkirchener sind die Parade-Athleten im schwarz-rot-goldenen Ski-Team. Die einzigen Hoffnungsträger sind sie aber nicht. Kathrin Hölzl zählt zur Weltspitze im Riesenslalom. Ein zahlenmäßig starkes und blutjunges Frauen-Slalom-Team ist regelmäßig in die Punkte gefahren. Und mit den Junioren-Weltmeistern Viktoria Rebensburg und Andreas Sander schicken sich zwei an, in die Fußstapfen von Riesch und Neureuther zu treten. Das darf aber auch noch dauern. Die beiden Vorzeige-Athleten sind immerhin auch erst 23.

Für jetzt hat es sich aber erst mal ausgekugelt. Und nicht nur Riesch ist froh, "dass die Saison vorbei ist".

Birgit Riezinger / Eurosport