Liberec - Liberec blamiert sich bei WM-Test

Eurosport - Mo 18.Feb. 11:37:00 2008

Wettkampfstätten als Baustellen, chaotische Organisation und wenig Schnee: Ein Jahr vor den nordischen Ski- Weltmeisterschaften im tschechischen Liberec haben sich die Organisatoren bei den Weltcups der Springer, Langläufer und Kombinierer blamiert.

NORDIC COMBINED SKII 2007-2008 Val di Fiemme Ronny Ackermann - 0

Der Austausch fast des gesamten Organisationskomitees im Sommer hat ein Chaos verursacht, das den Verantwortlichen im Weltverband FIS Sorgen macht. "Es war gut, dass die Wettbewerbe stattgefunden haben. Für die Organisatoren war es wichtig zu sehen, was alles nicht läuft", sagte Langlauf-Renndirektor Jürg Capol und sprach damit für alle Beteiligten.

Das Langlaufstadion Vesec und das Sprungstadion am Fuße des Jested bieten zwar eine optimale Infrastruktur mit kurzen Wegen aus dem Stadtzentrum der 100.000 Einwohner-Stadt Liberec (Reichenberg), doch beide sind noch längst nicht fertig. So klagten die Springer vor allem über einen zu kurzen Schanzenauslauf. Die Normalschanze, auf der sowohl Springer als auch Kombinierer um WM-Medaillen kämpfen, konnte bislang überhaupt noch nicht getestet werden.

Teil der Tribüne wurde nicht installiert

Ein Teil der Zuschauertribünen wurde nicht installiert, weil der Hang abgerutscht ist. Außerdem ist die Anlage windanfällig. "Mir sind freistehende Schanzen lieber, da weiß man wenigstens, wo der Wind lang pfeift. Bei dieser eigentlich geschützten Anlage hier kann sich der Wind aber verfangen und wird somit unberechenbar", erklärte Kombinations-Renndirektor Ulrich Wehling und forderte, Möglichkeiten auszuloten, Windfangnetze aufzubauen. "Und ein Ausweichprogramm sollte in der Schublade liegen, falls wie beim Weltcup aufgrund des Wetters Springen abgesagt werden müssen."

Die Langläufer schimpften über schmutzigen Schnee, der ihnen die Ski ruinierte. Dieser war kurzfristig - dem Vernehmen nach verbotenerweise aus einem Naturschutzgebiet - angefahren worden. An den kalten Tagen im Dezember hatte man versäumt, Kunstschnee zu produzieren. Die geplanten Strecken werden zwar als anspruchsvoll beschrieben, doch konnte sie bislang keiner sehen noch testen. "Wir müssen unbedingt noch mal hierher vor der WM, vielleicht bei der Tour de Ski. Nur so können sich noch Dinge einspielen, die dringend notwendig sind", sagte Capol.

Personal fängt bei Null an

Das Personal fängt bei Null an. Nach der politisch inszenierten Absetzung der Führung des Organisationskomitees (OK) und der Inthronisierung von Olympiasiegerin Katerina Neumannova als OK- Präsidentin verließen aus Protest fast alle Mitarbeiter den Stab. Die jetzigen Verantwortlichen wiesen bei den WM-Tests Unkenntnis selbst in elementaren Dingen nach. Neumannova hat in der tschechischen Öffentlichkeit fast jeden Kredit verspielt.

Auch Besucher und Fans, besonders aus dem Ausland, sollten ihre Erwartungen herunterschrauben. Denn für Unterkünfte wurden schon bei den Weltcups exorbitant hohe und völlig überzogene Preise verlangt. Zudem dürften die überschaubaren gastronomischen Lokalitäten für den Ansturm nicht gewappnet sein.

dpa / Eurosport