Bundesliga - Gomez: "Der Einzelne ist nicht wichtig"
Mi 18.Jan. 19:07:00 2012
Nationalstürmer Mario Gomez blickt im Interview auf die Rückrunde. Mit dem FC Bayern München will er 2012 am besten alle Titel gewinnen. Zudem äußert sich der Schwabe zum Wechsel von Marco Reus, zu Trainer Jupp Heynckes und seinem Stellenwert im Team.
Welchen Stellenwert hat die Vorbereitung für den weiteren Saisonverlauf?
Gomez: Die Vorbereitung ist immer eine Bestandsaufnahme. Sie ist nur gut, wenn man das erste Pflichtspiel auch gewinnt. Die Bedingungen in Katar waren sehr gut. Es gab keine Verletzten. Wir konnten sehr gut trainieren und es blieb genug Zeit zum Regenerieren. Ich denke wir sind gut auf die Rückrunde vorbereitet, aber entscheidend wird sein, was auf dem Platz passiert. Nicht nur am Freitag, sondern in der ganzen Rückrunde.
Ist M'gladbach für Sie ein ernst zu nehmender Meisterschaftskonkurrent?
Gomez: Gladbach wird aus meiner Sicht bis zum Ende der Saison oben dabei sein. Aber ich glaube nicht, dass sie um die Meisterschaft mitspielen werden.
Was erwartet den FC Bayern in Gladbach?
Gomez: Sie sind stark und haben mit Lucien Favre einen guten Trainer, der sie sicherlich gut auf uns einstellen wird. Aber wir müssen uns nicht so sehr mit dem Gegner beschäftigen, sondern müssen uns darauf konzentrieren, dass wir unser Spiel durchbringen. Wenn uns das über 90 Minuten gelingt, werden wir ein gutes Ergebnis mit nach Hause nehmen.
Das Hinspiel in München haben Sie mit 0:1 verloren, wie tief sitzt dieser Stachel?
Gomez: Drehen können wir das nicht mehr. Es spielt keine Rolle, was bei einzelnen Spielen in der Hinrunde passiert ist, oberste Priorität hat eine erfolgreiche Rückrunde. Wir wollen möglichst wenige Punkte abgeben und schon am Freitag in Gladbach eine Serie starten.
Kann Ihnen Marco Reus dabei in die Quere kommen?
Gomez: Er spielt eine sehr gute Saison und wir kennen seine große Qualität. Unsere Abwehr hatte es in dieser Saison bereits öfters mit solchen Spielern zu tun und sie hat ihre Sache immer gut gemacht. Wir haben zwar Respekt vor Marco, aber keine Angst.
War Reus' Entscheidung gegen Bayern und für Dortmund ein Thema innerhalb der Mannschaft?
Gomez: Nein, das wurde nur in den Medien diskutiert. Es wird immer Spieler geben, die sich anders entscheiden. Nicht jeder Spieler kann zum FC Bayern wechseln, sonst hätten wir in ein paar Jahren ja einen Kader mit 150 Mann.
Sie sind im Angriff unumstrittener Stammspieler, war Ihr Selbstvertrauen in den zweieinhalb Jahren in München jemals so groß wie jetzt?
Gomez: Ich war immer selbstbewusst, wenn ich spielen und meine Leistung zeigen durfte. Das ist jetzt nicht anders. Wir haben in dieser Saison eine gute Mannschaft, mit der wir erfolgreich sein können. Der Einzelne ist da nicht wichtig. Am Ende des Tages bringt es nichts, wenn ich viele Tore schieße, aber keine Titel gewinne. Das Ziel ist, durch meine Tore dazu beizutragen, dass wir Meister und Pokalsieger werden und uns den Traum vom Champions League-Sieg erfüllen können.
Wie wichtig ist Ihnen das Vertrauen des Trainers?
Gomez: Vertrauen bedeutet für mich nicht, dass ein Trainer mir jeden Tag sagt, dass er von mir überzeugt ist, sondern dass er mich spielen lässt. Dann hängt es von mir ab. Man kann einen Trainer haben, der viel von einem hält, wenn man aber auf dem Platz keine Leistung bringt, lässt man ihm keine andere Wahl, als jemand anderen zu bringen. Vertrauen muss man rechtfertigen.
Einige Spieler sind mit ihren Reservistenrollen unzufrieden und kokettierten öffentlich mit einem Wechsel. Wie geht Jupp Heynckes damit um?
Gomez: Dass Spieler, die nicht eingesetzt werden, unglücklich sind, ist ganz normal. Ich glaube es ist eine ganz große Qualität von Jupp Heynckes, diese Spieler mit ins Boot zu nehmen. Er redet ihnen ihre Situation nicht schön, sondern gibt ihnen Einsatzminuten. In der Hinrunde wurde viel gewechselt und rotiert, jeder will spielen und der Trainer kriegt es ganz gut hin, da alle Spieler mitzunehmen.
Mit dem FC Basel erwartet Sie im Achtelfinale der Champions League ein Gegner, bei dem viele sofort an Losglück gedacht haben. Wie schwer wird das Duell mit dem Schweizer Meister?
Gomez: Auf dem Papier ist Basel vielleicht nicht so stark, trotzdem muss man die erst einmal gewinnen. Wir sind uns unserer Favoritenrolle bewusst und wollen die nächste Runde erreichen. Bei der Qualität unserer Mannschaft ist das Pflicht. Aber Basel ist keine Laufkundschaft, sie haben in der Gruppenphase Manchester United rausgeworfen.
Sie sind Tabellenführer, stehen im Viertelfinale des DFB-Pokals und der K.O-Phase der Champions League. Was kann der FC Bayern trotzdem noch besser machen?
Gomez: Von den Ergebnissen her war die Hinrunde sehr gut. Die Art und Weise wie wir sie erzielt haben aber nicht immer überzeugend. Unser Spiel ist geprägt von Dominanz, und die hatten wir in einigen Spielen, in denen wir am Ende zittern mussten, verloren. Das kann und darf nicht sein. Wir müssen imstande sein, eine Führung zu halten eher noch ein oder zwei Tore nachlegen. Das haben wir oft nicht geschafft, und so wurde es unnötig eng. Eine Spitzenmannschaft wie wir muss in solchen Situationen konstanter spielen und diese Qualität abrufen.
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