Dakar 2009 - Deutscher navigiert VW zum Dakar-Sieg

Eurosport - So 18.Jan. 12:51:00 2009

Blindes Verstehen und Vertrauen, über viele Tage, über mehr als zwei Wochen - da muss die Chemie stimmen. Giniel de Villiers und Dirk von Zitzewitz sind mehr als nur Fahrer und Beifahrer, sie sind seit Jahren echte Freunde. Der Dakar-Sieg 2009 schweißt die beiden jetzt auf Lebzeiten zusammen.

Rally Raid 2009 Dakar VW De Villiers Von Zitzewitz - 0

Und der 36-jährige Giniel de Villiers aus Stellenbosch in Südafrika hat mit dem vier Jahre älteren Dirk von Zitzewitz aus dem norddeutschen Karlshof im Race Touareg mit 280 PS starkem TDI-Dieselantrieb dabei gleich mehrfach Geschichte geschrieben.

De Villiers/von Zitzewitz haben Volkswagen den ersten Sieg eines Diesel-angetriebenen Autos in der 30-jährigen Geschichte der legendären Dakar beschert, und sie sind der Gewinner der Premiere dieser einzigartigen Marathon-Rallye auf dem südamerikanischen Kontinent. Nebenbei ist Giniel de Villiers der erste Afrikaner, der den einst in Afrika ausgetragenen Wüsten-Klassiker gewinnt.

"Man braucht als Beifahrer viel Vertrauen in das Können seines Piloten, um sich ganz und gar auf die Navigation konzentrieren zu können, ohne dabei immer auf das Gelände sehen zu können", so Dirk von Zitzewitz. "Bei den vielen unerwarteten Schlägen im Auto muss man den Körper permanent unter Spannung halten - kann dabei aber sehr leicht verkrampfen, wenn der Glaube an das Können des Piloten nicht voll da ist. Aber genau das zeichnet uns beide aus: Dass wir die Leistung des anderen respektieren und sehr schätzen." Das Ergebnis: eine ruhige, zielgerichtete Kommunikation während der bis zu acht Stunden langen Strapazen auf den Fahrten über Schotter, Geröll, Dünen und Kamelgras.

"Wenn etwas schief läuft, schreien wir uns nicht etwa gegenseitig an, sondern suchen sofort, aber ruhig nach dem Ausweg aus der Situation", so Giniel de Villiers. "Das ist nicht selbstverständlich. Und so ist auch unser Umgang außerhalb des Cockpits. Wir können miteinander unglaublich viel Spaß haben. Wir verstehen uns einfach großartig. Das ist bei zwei so intensiven Wochen wie bei der Dakar Gold wert, wenn man jeden Tag viele Stunden gemeinsam im Auto verbringt."

Geistesblitz sorgt für Vorentscheidung

Wie ungewöhnlich Lösungsansätze von de Villiers/von Zitzewitz sein können und welchen Erfolg sie haben, zeigte die zwölfte Tagesetappe der Rallye Dakar 2009: Als sie in ein fast unüberwindbares Geröllfeld gerieten, sprang Dirk von Zitzewitz kurzerhand aus dem Auto und wies Giniel de Villiers den Weg. "Das habe ich in dieser Form noch nie erlebt. Ich musste noch nie aussteigen, um den Weg zu finden", schmunzelt der Norddeutsche. "Das hat uns im Endeffekt - trotz der langsamen Fahrt - viel Zeit gespart."

Auf der gleichen Etappe bescherte ein navigatorischer Geistesblitz dem südafrikanisch-deutschem Gespann auf den letzten fünf Prüfungskilometern den entscheidenden Vorsprung vor ihren zu diesem Zeitpunkt führenden Volkswagen Teamkollegen Mark Miller/Ralph Pitchford (USA/ZA). "Wir hatten die Rallye schon zuvor angeführt und waren dann auf Platz drei zurückgefallen", erinnert sich Giniel de Villiers, den sie "Ginny" nennen, während Dirk von Zitzewitz im Team auch auf den Rufnamen "Schnietzel" hört.

"Dann kam die zwölfte Etappe. Ein unfassbar harter Tag für uns. Aber dann hat Dirk etwa fünf Kilometer vor dem Ziel sehr viel Zeit für uns gut gemacht, als er am schnellsten den Weg aus der Prüfung gefunden hat, während andere noch suchten." Einen Kontrollpunkt zuvor lagen sie noch rund zwei Minuten hinter Miller/Pitchford, im Ziel waren sie dann über 16 Minuten vorn - die Vorentscheidung.

De Villiers/von Zitzewitz erzielten vier der 13 möglichen Etappensiege und lagen nach über 9.000 Kilometern 8:59 Minuten vor ihren Teamkollegen Miller/Pitchford. So feierte Volkswagen, schon 1980 Dakar-Sieger mit Kottulinsky/Löffelmann im Iltis, nicht nur den historischen ersten Diesel-Triumph, sondern gleich einen Doppelsieg - mit insgesamt zehn Tageserfolgen. "Natürlich sind wir stolz, dass wir Volkswagen diesen Erfolg bescheren konnten", sagt das Gewinner-Duo unisono. "Und wir sind dankbar, in einem so starken Team mit einem so zuverlässigen und schnellen Auto fahren zu können. Alles war einfach nur perfekt."

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