Eurosport - Mo 17.Dez. 22:28:00 2007
Der Superstar ist angefressen. Franck Ribery wirkt ausgelaugt, müde und genervt. Die turbulente Vorweihnachtszeit mitsamt mäßiger Ergebnisse und öffentlicher Kritik von Keeper Oliver Kahn an seiner Person ist nicht spurlos an Frankreichs "Fußballer des Jahres" vorüber gegangen.
Mit verschränkten Armen saß der 24-Jährige im Presserondell an der Säbener Straße und blickte nur selten auf. Mittlerweile ist ihm klar, was es heißt, Angestellter des FC Bayern München zu sein. Aber der bodenständige Ribery wäre nicht er selbst, wenn er sich nicht auch in solch nervenaufreibenden Tagen Zeit für seine wohlüberlegten Antworten nehmen würde.
"Es ist eine schwierige Zeit momentan. Die Ergebnisse stimmen nicht, wir haben Probleme, Tore zu erzielen. Vielleicht liegt es einfach daran, dass wir müde sind", übersetzt die Dolmetscherin seine Worte. Riberys Deutsch beschränkt sich laut eigener Aussage weiterhin auf einfache Kommandos, die er auf dem Spielfeld verwendet wie "schnell, komm, aggressiv". Geht es um ernste Themen, spricht er ohnehin nur in seiner Landessprache. Denn genervt ist er vor allem von der steten "Panikmache" im Umfeld des Rekordmeisters.
"Ich kann es nicht verstehen. Klar, die Resultate waren nicht berauschend. Aber letzlich waren wir nicht schlecht. Wir haben einfach den Ball nicht reingemacht", macht er das Kernproblem aus und fügt an: "Auch als es super lief, habe ich immer davor gewarnt, dass auch schlechtere Zeiten kommen. Jetzt wird ein überzogener Druck aufgebaut."
Ribery weiß die Bundesliga nun einzuschätzen - und die Bundesliga ihn. Viele harte Fouls, wie er zu Beginn der Saison noch hatte einstecken müssen, haben nachgelassen. Dafür bekommt der Offensivwirbel kaum noch Raum: "Meist spiele ich gegen Zwei. Ich habe nur wenige Möglichkeiten, mich zu bewegen." Für ihn, der von Schnelligkeit und Dynamik lebt, bedeutet das eine Umstellung.
Flexibilität wird Hitzfelds größte Herausforderung
Gleichzeitig weist diese Tatsache auf ein weiteres Grundproblem der Bayern hin: Der "Herbstmeister" ist zu berechenbar. Für Coach Ottmar Hitzfeld, dessen Aufgabe es sein wird, mehr Flexibilität zu schaffen, wird das die große Herausforderung seiner Arbeit in der Wintervorbereitung. Gelingt ihm das nicht, ist eine vorzeitige Trennung nicht undenkbar. Sein Vertrag läuft ohnehin nur bis Sommer 2008, Gespräche mit Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge stehen im Januar an.
Davon will Ribery übrigens nichts wissen. "Hitzfeld steht natürlich unter Druck, aber wir auch. Wir sind ein Team und müssen jetzt solidarisch zusammenhalten, damit wir wieder erfolgreich sind und unsere ehrgeizigen Ziele erreichen", fordert er und scheut sich nicht, Selbtskritik zu üben. "Ich weiß, dass ich mehr kann als ich zuletzt gezeigt habe. Momentan bin ich einfach müde. Vielleicht liegt es auch an der Kälte." Bereut hat er seinen Wechsel nach München aber nicht. "Es waren insgesamt gute sechs Monate für mich." Leicht irritiert hat ihn jedoch die jüngst von Kahn geübte Kritik. "Es hat mich überrascht, dass er das über die Medien gesagt hat. Wenn ich mit jemandem ein Problem habe, gehe ich direkt auf ihn zu und versuche gleichzeitig, nicht sein Selbstbewusstsein zu zerstören. Aber ich habe Respekt vor Kahn. Er hat sich entschuldigt, damit ist die Sache für mich vergessen."
Ribery hofft auf einen "Neuanfang" 2008 mit neuem Schwung und Motivation. Nach dem UEFA-Cup-Spiel gegen Aris Saloniki sehnt er sich einfach nur noch nach Urlaub.
Von der Säbener Straße berichtet Daniel Rathjen / Eurosport