Johannesburg (dpa) - Rund 600 Tage vor dem Anpfiff zur ersten Fußball-Weltmeisterschaft in Afrika wird es allmählich Ernst. Die WM- Stadien am Kap nehmen sichtbar Gestalt an und strafen all jene Lügen, die die WM-Gastgeber 2010 aus Südafrika der Inkompetenz verdächtigt haben.
Erfolgsmeldungen gibt es auch zu den problematischen Themen Sicherheit und Transport. «Die Konzepte sind zufriedenstellend», meinte FIFA-Berater Horst R. Schmidt im Deutschen Bundestag mit Blick auf die Infrastruktur, nachdem er zuvor die Bemühungen der Gastgeber zum Thema Sicherheit gewürdigt hatte: «Die Plätze, auf die es ankommt - rund um die Stadien und Hotels - werden sicher sein.»
Von Deutschland aus wird der WM-Kurs daher intensiver als bisher abgesteckt. Nationalelf-Manager Oliver Bierhoff wird sich ab dem 20. Oktober vor Ort bereits nach geeigneten Quartieren für das DFB-Auswahlteam umschauen. Hoch im Kurs dürften Hotel-Anwesen wie das «Pezula» an der touristisch attraktiven Garden Route in Knysna oder das «Zimbali» bei Durban stehen - großzügig angelegt, gut gesichert und mit jeder Menge Freizeitmöglichkeiten. Eine Rolle spielen auch die Klimabedingungen: Im südafrikanischen Winter zur Zeit der WM in Durban eher subtropisch, in Kapstadt dagegen eher kalt, stürmisch und regnerisch.
Auch in anderen Bereichen dreht Deutschland mit Blick auf die WM auf. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat gerade Michael Nees ans Kap geschickt, um die Unparteiischen dort WM-fit zu machen. Am Donnerstag eröffnete in Pretoria ein deutsches Initiativ-Zentrum, das Organisatoren, Sponsoren, Privatpersonen und Firmen mit interessierten WM-Ansprechpartnern aus Südafrika zusammenbringt.
Ein erster Erfolg war dabei die Vermittlung des geistigen Vaters des Sicherheitskonzepts der WM 2006 in Deutschland, Jürgen Mathies. Der deutsche Polizeidirektor wurde nach eigenen Angaben von den Kollegen am Kap mit offenen Armen empfangen. «Wir bieten hier in aller Offenheit alles an, was wir wissen - mehr geht aber nicht», meinte er mit Blick auf die Besonderheiten des Kap-Staates, der mit seinem starken Gefälle zwischen Arm und Reich eine hohe Zahl an Gewaltverbrechen in der Kriminalstatistik aufweist.
Kopfzerbrechen bereiten den Organisatoren jedoch die Unterkünfte. Nicht, dass Südafrika keine ausreichende Kapazität hätte. Das Land verfügt über eine Vielzahl an erstklassigen Hotels, Pensionen, Luxus-Lodges und Safari-Camps in allen Preis- und Leistungsklassen. Der Sturz der Landeswährung im Gefolge der globalen Finanzkrise verspricht WM-Fans zudem extrem günstige Preise bei hohem Standard.
Doch das Problem liegt eher darin, dass viele Besitzer ihre Unterkünfte nach eigenen Angaben nicht der FIFA zu deren Konditionen zur Verfügung stellen wollen. Die vom Fußball-Weltverband geforderten 50 000 Hotelbetten sind daher längst noch nicht gesichert. «Bei der Unterbringung der Gäste ist ein wenig Fantasie gefragt», gab Schmidt zu, der sich eher für organisierte Reisen denn Individual-Tourismus ausspricht. Doch mit eben dieser Fantasie sind in der Tat auch Lösungen drin, die völlig neue Möglichkeiten eröffnen.
Wer sich etwa ein Spiel im WM-Standort Nelspruit - nahe dem Krüger-Nationalpark - anschauen will, kann sogar eine Unterkunft in der nahe gelegenen mosambikanischen Hauptstadt Maputo in Erwägung ziehen. Die Anfahrt über die autobahnähnliche Nationalstraße ist ebenso wie der Grenzübergang kaum mit großem Aufwand verbunden.




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