Eurosport - Mo 17.Sep. 16:14:00 2007
Nicht Stuttgart, Bremen oder der HSV sind in der Bundesliga Bayern-Jägern Nummer eins, sondern Bielefeld und Frankfurt. eurosport.yahoo.de nennt die Gründe für den Höhenflug.
Nur einen Punkt Rückstand in der Tabelle auf die Bayern - kein Grund, um übermütig zu werden, aber doch, um seine Saisonziele zu korrigieren.
"Wir sind sicher kein Bayern-Jäger. Aber es hat schon andere Mannschaften gegeben, die wie aus dem Nichts plötzlich im Europapokal gespielt haben", sagte Geschäftsführer Reinhard Saftig nach dem überlegenen 4:2 (1:0)-Erfolg der Arminia über Hansa Rostock.
Ganz angekommen scheint das unverhoffte Glück in den Köpfen der Spieler noch nicht. "Das erste, was ich gemacht habe, war auf die letzten Drei der Tabelle zu schauen, um zu sehen, wie groß unser Vorsprung ist", erklärte der zweifache Torschütze Christian Eigler - eine Zurückhaltung, die sein Trainer Ernst Middendorp sicher zu schätzen weiß. "Wir müssen nicht übermütig werden. Aber es muss auch nicht immer nur Platz 15 sein", beschrieb der Coach die Ansprüche der Arminen, die in der Vorsaison nur um einen Sieg am internationalen Wettbewerb vorbeigerutscht waren. "Da haben uns gerade mal drei Punkte gefehlt, dann hätten wir uns statt Hamburg für den UI-Cup qualifiziert."
Nostalgie in der Führungsetage
"Wir wollen natürlich versuchen, uns möglichst weit oben festzubeißen, aber wir lassen alles auf uns zukommen", blieb Ioannis Masmanidis angesichts der derzeitigen Tabellenposition gelassen. In der Führungsetage der Bielefelder verfällt man beim Blick auf das Klassement in Nostalgie und träumt von einer Platzierung unter den ersten Zehn. "Wir wollen einen einstelligen Tabellenplatz. Das haben wir in den 80er Jahren zweimal geschafft, und wir wären alle glücklich, wenn das wieder mal klappen würde", hofft Präsident Hans-Hermann Schwick darauf, an alte Zeiten anknüpfen zu können.
Der Rekord-Auf- und Absteiger der Liga verdankt seinen aktuellen Höhenflug seinem glanzvoll harmonierenden Angriff, denn der erfolgreichste Sturm der Liga neben Miroslav Klose/Luca Toni heißt Christian Eigler/Artur Wichniarek. Das Duo erzielte bereits sieben Treffer, legte noch dazu drei weitere auf. Doch Erfolgsgarant Eigler zeigt sich zurückhaltend. "Wir brauchen noch 30 Punkte. Wenn wir die haben, können wir weiter sehen", so Eigler, der in der Zweiten Liga mit Greuther Fürth dreimal denkbar knapp den Aufstieg ins Oberhaus verpasste.
Höhenflug der Eintracht
Nach dem dritten Heimerfolg der Saison in Folge schwärmte Eintracht-Coach Friedhelm Funkel von einem "Sieg der Leidenschaft". Entscheidend für den derzeitigen Erfolg ist die gesteigerte Ausgeglichenheit des Kaders und eine neugewonnene Heimstärke.
Vor dem 2:1 (1:0) gegen den Hamburger SV veränderte Funkel sein Team gegenüber der Startaufstellung von Bremen gleich auf drei Positionen. Doch alle Neulinge schlugen ein, die Mannschaft präsentierte sich eingespielt und selbstsicher. "Selbst nach einem Gegentor brechen wir nicht gleich zusammen, sondern glauben an uns", sagte der zweifache Torschütze Alexander Meier.
Heimstärke als Erfolgsfaktor
In der vergangenen Spielzeit sammelte die Eintracht im eigenen Stadion ganze 20 Punkte. Nur Absteiger Alemannia Aachen war vor heimischer Kulisse schlechter. Mit der neuen Heimstärke belohnen sich nicht nur die Profis und der Trainer selber für die kontinuierliche Aufbauarbeit der vergangenen Jahre - eine Entwicklung, die es bei der launigen Eintracht selten gab. Auch die zahlreichen Fans - die Hessen lagen in der vergangenen Saison an fünfter Stelle der Zuschauergunst - werden derzeit für ihre Treue und die damit verbundenen zahlreichen Leiden der Vergangenheit entlohnt.
Für die Frankfurter wird sich in den kommenden vier Spieltagen gegen Bochum (A), Karlsruhe (H), Cottbus (A) und Leverkusen (H) zeigen, ob Euphorie und Leidenschaft in dieser Saison gepaart sind mit Kontinuität und Erfolg. Sollten die Hessen dann immer noch den großen Bayern im Nacken sitzen, wird man sich auch in München ernsthaft mit der Überraschungself vom Main auseinandersetzen.
Fabian Kunze/Tom Marohn / Eurosport