Eurosport - Sa 17.Mai. 09:19:00 2008
Nicolas Kiefer hat sein erstes Halbfinale auf Sand verpasst. Der Hannoveraner unterlag beim Masters in Hamburg im Viertelfinale nach 3:13 Stunden mit 3:6, 7:5, 5:7 gegen den Italiener Andreas Seppi und verpasste dadurch auch das erhoffte Duell gegen Titelverteidiger Roger Federer.
Mit Kiefer schied der letzte deutsche Tennisprofi am Rothenbaum aus. In einer Achterbahnfahrt der Gefühle wurde der Publikumsliebling von den 11 800 Zuschauern zwar wieder unermüdlich und lautstark angefeuert, doch auch das konnte ihm keine Flügel verleihen. Nach einer Aufholjagd schien das Pendel am Ende des zweiten Satzes zugunsten Kiefers auszuschlagen, doch im Schlussspurt versagten dem zum Matchgewinn servierenden Hannoveraner die Nerven und Seppi hatte mit 6:3, 5:7, 7:5 das glücklichere Ende für sich.
"Beides war heute möglich. Bälle die in den letzten Tagen drin waren, sind heute draußen gelandet. Natürlich bin ich enttäuscht. Aber ich kann mir keine Vorwürfe machen, denn ich habe alles riskiert", sagte Kiefer nach Quälerei ohne Happy End. Als Trostpflaster konnte der Davis-Cup-Spieler 46 000 Euro Preisgeld einstecken und die Gewissheit, kommende Woche vorbei an Philipp Kohlschreiber in der Weltrangliste wieder bester deutscher Tennisprofi zu sein.
Haas bleibt unerreicht
Der verletzte Thomas Haas bleibt allerdings der letzte Deutsche, der am Rothenbaum ein Halbfinale erreicht hat. Das war 1997 und ging für den gebürtigen Hamburger gegen den Spanier Felix Mantilla verloren. Letzter deutscher Sieger in der Hansestadt war 1993 Michael Stich. Der Südtiroler Seppi ("Dass das Publikum gegen mich war, hat mich nicht gestört") trifft an in der Vorschlussrunde auf Titelverteidiger Roger Federer aus der Schweiz, der den Spanier Fernando Verdasco mit 6:3, 6:3 ausschaltete.
"Alle Welt glaubt, dass es ein leichtes Spiel wird. Aber ich glaube das nicht", hatte sich Kiefer vor dem ersten Vergleich mit dem in der Weltrangliste zwei Plätze schlechter eingestuften Seppi eingetrichtert. Wie richtig dies war, zeigten die ersten Ballwechsel, in denen es der Niedersachse seinem Gegenüber aber auch leicht machte. Schwache Aufschläge wechselten mit ungenauen Schlägen.
Schrecksekunde nach Sturz
An Kampfgeist mangelte es dem Weltranglisten-41 zwar nicht, aber das Spiel wenden konnte er allein dadurch nicht. Im an Spannung kaum zu überbietenden dritten Durchgang stockte den Zuschauern der Atem, als Kiefer auf die rechte Hand stürzte. Erinnerungen wurden wach an die Verletzung von den French Open, die ihn ein Jahr außer Gefecht gesetzt hatte. Aber eine Schmerztablette reichte.
"Ich habe versucht, schnell und aggressiv zu spielen. Aber das war gegen Fernando nicht immer so einfach", sagte Federer, der nach seinem fünften Titel am Rothenbaum greift. Der im ATP-Computer 28 Plätze schlechter notierte Verdasco mühte sich redlich und biss auf die Zähne, als er sich Mitte des zweiten Satzes den Fuß vertrat. "Das war natürlich Pech für ihn", sagte der 26-jährige Federer.
dpa / Eurosport