Bundesliga - Abschied mit Blumen & Tränen des Glücks

Eurosport - Sa 17.Mai. 20:07:00 2008

Emotionaler hätte ein Saisonabschluss beim FC Bayern kaum ablaufen können. Dabei war vor dem letzten Spiel der Münchner gegen Hertha BSC sportlich bereits alles entschieden. Und dennoch mussten am 17. Mai 2008 in der Allianz Arena sogar gestandene Trainer und Manager mit ihren Gefühlen kämpfen.

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Selten gerieten 90 Minuten eines Bundesliga-Spiels des FC Bayern so zur Nebensache wie am letzten Spieltag der Saison 2007/2008. Der Deutsche Meister hatte die Hertha aus Berlin in der heimischen Allianz Arena souverän mit 4:1 in die Schranken gewiesen, und doch war dies nur eine Randnotiz an einem Nachmittag, der emotionaler nicht hätte ablaufen können.

Mit Oliver Kahn und Ottmar Hitzfeld nahmen in der Allianz Arena zwei Akteure ihren Hut, die knapp eine Dekade lang die Geschicke des deutschen Rekordmeisters entscheidend mitgeprägt haben. "Es stirbt ein Stück FC-Bayern-Geschichte", sagte Franz Beckenbauer über den Abschied von Hitzfeld.

"Tränen des Glücks"

Der Meister-Trainer konnte sich vor dem Anpfiff seiner Gefühle nicht mehr erwehren, als er vom Präsidium um Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge mit Blumen verabschiedet und von den 69.000 Zuschauern mit stehenden Ovationen gefeiert wurde. "Das waren Tränen des Glücks", erklärte der zukünftige Schweizer Nationalcoach und Manager Hoeneß, ebenfalls den Tränen nah, war sich sicher: "Ottmar weiß, dass ein wahnsinnig wichtiger Lebensabschnitt als Vereinstrainer zu Ende geht."

Nicht minder gefühlsbetont war der Abschied von Oliver Kahn. Nach 557 Bundesligaspielen stand der dreimalige Welttorhüter, Vize-Weltmeister von 2002, Champions-League-Sieger von 2001 und achtmalige deutsche Meister ein letztes Mal im Tor der Münchner. Nach seiner Auswechslung in der 89. Minute und dem Sonderapplaus von Publikum, Teamkameraden und Gegenspielern rang der "Titan" mit der Fassung: "20 Jahre Profifußball - das ist Wahnsinn. Es war einfach alles drin. Ich fühle im Moment nur eins: Dankbarkeit."

Zum Abschluss noch ein Rekord

Dabei war der Torhüter entscheidend beteiligt an einem weiteren Rekord in der mit Superlativen gespickten FC-Bayern-Historie. Mit nur 21 Gegentoren in einer Spielzeit unterbot die Abwehr um Kahn den alten Rekord von Werder Bremen um ein Tor. Dem großen Jubeltag der Bayern konnte auch Stürmer Luca Toni seinen Stempel aufdrücken. Der Italiener markierte seine Saisontore 22, 23 und 24, sicherte sich damit souverän die Torjäger-Kanone in der Bundesliga und rechtfertigte zum wiederholten Mal die elf Millionen Euro, die der FC Bayern vor der Saison an den AC Florenz überwies.

Der Weltmeister spielt in den Personalplanungen der Münchner für die nächsten Jahre eine ebenso wichtige Rolle wie Dribbelkünstler Franck Ribery, der gegen Berlin das 3:0 erzielte und sich als Ideengeber und Vorbereiter einmal mehr als kaum ersetzbar präsentierte. Mit den beiden Superstars will der FCB nach einem Jahr Durststrecke im UEFA-Cup in der nächsten Saison wieder in der europäischen Königsklasse nach den Sternen greifen.

Ende einer Ära

Aber wo eine neue Ära beginnen soll, muss eine alte aufhören. So waren es nicht nur Kahn und Hitzfeld, die beim deutschen Rekordmeister ihren Hut nahmen. Auch Co-Trainer Michael Henke, die Torwarttrainer Sepp Maier und Bernd Dreher, Konditionscoach Zvonko Komes sowie Stürmer Jan Schlaudraff wurden vor dem Spiel unter tosendem Beifall verabschiedet.

In seinem letzten Profispiel war es dem ehemaligen Weltschiedsrichter Dr. Markus Merk vorbehalten, Kahn in den vorläufigen Ruhestand und Hitzfeld in die Schweiz zu verabschieden. Und so tat er es auch, um 17:20 Uhr, pünktlich nach 90 Minuten.

Manuel Schwarz / Eurosport