Australian Open - Sagt mal, wo kommt ihr denn her?

Eurosport - Do 17.Jan. 15:17:00 2008

Mail aus Melbourne - Petra Philippsen ist für eurosport.yahoo.de als Kolumnistin "Down Under" und berichtet regelmäßig von den Australian Open. Skurril, kurios und informativ - der etwas andere Blick auf das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres.

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G'day mates!

Irgendwie ist es doch beruhigend. Am anderen Ende der Welt ist alles beim Alten geblieben - sehen wir mal vom schlumpfblauen Belag ab - das Wetter in Melbourne ist immer noch so unberechenbar wie die Launen von Britney Spears und jedem (und ich meine JEDEM) Satz eines Einheimischen wird die nach spätestens zwei Tagen wahnsinnig machende Floskel "no worries" angehängt. Wir erinnern uns, adäquat zum bayrischen "Passt schon". Der gesamte Melbourne Park könnte in Flammen stehen und es würde nur heißen: "No worries, uns doch egal, lasst uns lieber fröhlich sein!" Auch eine Lebenseinstellung.

Das Essen auf der Anlage hat den neuen Farbanstrich leider nicht mit abbekommen, alles ist immer noch weiß, weich und wabbelig. Selbst die Pommes. Alles blass und geschmacksneutral, dafür aber mit maximalen Kalorien. Da wundern wir uns nicht, dass die Kleidergröße XL in Melbourne reißenden Absatz findet. Obwohl, die meisten quetschen sich eh noch in Größe M. Na klar, no worries eben. Schmerzfrei sind sie geblieben und bauchfrei kann ja schließlich jeder tragen. Auch Ottfried Fischer. Herzlichen Dank.

Peinlichkeitsfaktor hoch zehn

Aber eines muss man ihnen lassen, die gute Laune haben die Melbourner wirklich gepachtet. Mit buntesten Verkleidungen und Bemalungen schwärmen sie über die Anlage und feiern sich selbst und das gute Wetter. Immer locker und fröhlich, hier wird jeder willkommen geheißen und sofort gefragt: "Sagt mal, wo kommt ihr denn her?" Also doch ein bisschen Schlumpfhausen. Aber manche muss man auch leider gar nicht fragen, wo sie herkommen, wenn es auf den Außentribünen schallt: "Gebt mir ein R! Gebt mir ein E! Gebt mir ein...? Schalalala...", dann sind mal wieder keine Fragen offen. Außer vielleicht: Wie buchstabiert man eigentlich Vollpfosten? Wenn zum x-ten Mal "Humba humba tätäräää", gegrölt wird, treibt es Landsleuten dann doch die Schamesröte ins Gesicht und man möchte ihnen wünschen, dass ihr geistiger Zustand nur dem übermäßigen Genuss alkoholischer Getränke geschuldet ist. Scheint aber ein frommer Wunsch.

Zum Match von Nicolas Kiefer verirrte sich gleich eine ganze Horde Sinnbefreiter. Peinlichkeitsfaktor hoch zehn und irgendwann hörte der - nennen wir es mal Spaß - mit Beleidigungen des Gegners auf. Die Handbewegung des Schiedsrichters erinnerte dabei an Julius Cäsar im alten Rom: Daumen runter, und tschüss! Unter dem tosenden Jubel der Zuschauer wurde der ärgste Störenfried samt Heineken raus begleitet. Trug ein Trikot von Fortuna Köln. Kein Wunder, dass der Mann sich in Alkohol flüchtet.

"Nole, wir wollen ein Kind von dir"

Aber auch die griechischen Schlachtenbummler fielen beim Match zwischen Konstantinos Economides und dem Chilenen Fernando Gonzalez unangenehm auf. Allerdings auf andere Art: Denn plötzlich gab es eine wüste Rangelei im Fanblock und als sich einer der Anhänger lautstark weigerte, von zwei Polizisten abgeführt zu werden, rückten die Ordnungshüter mit reichlich Verstärkung und Pfefferspray an. Immer schön rein in die Econimides-Fans. Dass kennt man doch eigentlich nur aus türkischen Fußballstadien. Das Match musste für fast zehn Minuten unterbrochen werden. Spieler geschockt, Fans entrüstet, Veranstalter verteidigt sich. Und das im sonst so beschaulichen Melbourne Park.

Da lobte sich Novak Djokovic doch seine eigenen Fans. Der neue Publikumsliebling freute sich, als er nach dem Match eine Gruppe kreischender Vorstadtschönheiten auf der Tribüne ausmachte: "Ich sehe bei jedem Turnier immer nur T-Shirts mit der Aufschrift: 'Roger ich liebe dich!' 'Andy heirate mich!' Jetzt sehe ich endlich mal T-Shirts mit meinem Spitznamen!" Die "Nole, wir wollen ein Kind von dir"-Fraktion begnügte sich allerdings für den Anfang mit einer weiteren Parodie des Serben auf seine Freundin (wie auch immer man diesen Begriff deuten möge) Maria Scharapowa. Aus dieser Nummer kam Djokovic nicht mehr heraus. Er wehrte sich zwar mit Händen und Füßen dagegen, aber keine Chance. Er musste es noch einmal vorführen. Fans sind eben doch nicht so leicht zufrieden zu stellen...

Bis bald aus Down Under,

Petra Philippsen

Aus Melbourne berichtet Petra Philippsen / Eurosport