Eurosport - Do 03.Sep. 12:46:00 2009
Ballast im Kopf, Blei in den Beinen: Mühevoll versucht sich Claudia Pechstein trotz Sperre und immer noch ungeklärter Zukunft für die Olympia-Saison in Schwung zu bringen. Doch ihr Trainingsniveau macht ihr momentan noch sehr zu schaffen. Und auch mit dem Teamkollegen ist die Situation angespannt.
"Mein derzeitiges Trainingsniveau ist mir momentan selbst ein Rätsel. Immerhin habe ich anders als in den über 20 Jahren zuvor nicht ein Testrennen bestreiten dürfen", meinte die fünfmalige Eisschnelllauf- Olympiasiegerin und fiebert voller Ungeduld dem Urteil des Internationalen Sportgerichtshofes (CAS) entgegen, das noch in dieser Woche bekannt werden könnte. Bei einem Freispruch könnte die Berlinerin am Wochenende sogar beim Weltcup in ihrer Heimat starten.
"Habe ein reines Gewissen"
"Das Thema belastet mich in jeder Trainings-Einheit. Egal, ob auf dem Rad, auf Inlinern oder Schlittschuhen: Nie habe ich den Kopf frei, in keiner einzigen Runde. Immer denke ich daran, was mir die ISU angetan hat", schilderte die 37-Jährige ihre Emotionen. "Es ist ein Wahnsinn, dass ich vom Weltverband auf eine Stufe mit Dopingsündern gestellt werde. Aber ich habe ein reines Gewissen."
Nach ihrer Suspendierung wegen erhöhter Retikulozyten, den Vorgängern roter Blutkörperchen, und dem anfänglichen Trainingsverbot musste Pechstein ihre Trainings-Umfänge reduzieren. "Die Kilometer habe ich gar nicht mehr notiert, und so gibt es natürlich auch bei mir einige Fragezeichen. Wichtig ist jetzt nur, dass ich überhaupt wieder laufen kann", bekräftigte die 37- Jährige die Hoffnung auf den Freispruch durch den CAS.
Pechstein als "Olympia-Joker"?
Der Berliner Weltcup ist für sie im Moment noch zweitrangiges Thema. "Erst muss das Urteil kommen. Dann hoffe ich, wieder gelöster um die Bahn zu kurven und meinen ganzen Frust aufs Eis zu bringen", sagte die sechsmalige Weltmeisterin. Die Trainer trauen Pechstein mit ihrer Routine trotz der anstrengenden Wochen auf jeden Fall einiges zu. "Ich denke, Claudia könnte unser Olympia-Joker werden. Vielleicht haut sie schon in Berlin ein Ding raus. Mich würde es freuen", meinte Bundestainer Markus Eicher, der wie die gesamte deutsche Teamführung unverhohlen von einer Aufhebung der Sperre ausgeht.
Ihr Verhältnis zu den Team-Gefährten bezeichnete Pechstein als differenziert. "Die meisten kennen mich seit Jahren und vertrauen mir. In den letzten Wochen, in denen immer mehr Details meines Falles bekanntwurden, haben sie sich auch wieder näher an mich herangetraut", schilderte Pechstein und verwies auf die Befindlichkeiten nach der Sperre am 1. Juli. "Inzwischen haben mir fast alle Glück für den Ausgang des Verfahrens gewünscht. Das hat mich riesig gefreut." Allerdings räumte sie ein, dass sie zunächst selbst ein wenig in sich gekehrt war. "Das war nicht die Claudia, die alle kannten", gab sie mit etwas Abstand zu.
Probleme mit Friesinger-Potsma bleiben
Doch mit allen hat sie noch nicht reinen Tisch gemacht. "Von den Männern benimmt sich Jörg Dallmann immer noch merkwürdig, und mit Anni gibt es die bekannten Probleme. Selbst wenn ich sie morgens grüße, bekomme ich keine Antwort", erzählte Pechstein. "Immer sagt sie, sie habe nur Fragen und keine Antworten. Doch ich werde das Gefühl nicht los, dass sie überhaupt nicht ernsthaft an den Zusammenhängen interessiert ist", meinte sie über ihre nach der Sperre neu aufgeflammten Spannungen mit Anni Friesinger-Postma.
Sollte Pechstein tatsächlich freigesprochen werden, könnten sich durch die Rivalitäten beider Top-Stars Gräben auftun für den olympischen Team-Wettbewerb. In Bestbesetzung gehören die Deutschen zu den Gold-Kandidaten. Für Daniela Anschütz-Thoms gäbe es hingegen kein Problem, wieder mit Pechstein in einem Team zu laufen. Die Erfurterin macht sich "nur Sorgen", ob die Berlinerin im Falle des Freispruchs wieder in Form kommt. "In Top-Form müssten wir aber alle drei sein, um da was zu reißen. Und da gibt es ja bei uns allen noch Fragezeichen", erwiderte Pechstein.
Kommentare 12 - 31 of 31
Der Eislauf Verband unterstützt Frau Pechstein mit 100.000,- € um sich zu verteidigen, und der Radsport hängt seine besten sofort an den Galgen.....
Trotzdem geht die Show immer weiter....
In einem anderen Land (Österreich, Italien, Spanien) würde man für einen Dopingsünder kein Geld ausgeben, sondern vielleicht sogar eine Gefängnisstrafe verhängen. Aber Deutschland liebt ihre selbsternannten Sporthelden zu sehr. Dopingsünder werden bemitleidet, Selbstmörder verehrt! Moralisch sehr verwerflich... - helft bitte den Kindern in Afrika!!!
Sie hat nie den Kopf frei????? - kann ja nur das schlechte Gewissen sein das da nagt - ein reines Gewissen bringt Gelassenheit mit sich - das ist aber offensichtlich abwesend ...warum wohl :-)))))
Kurze Frage noch... - wer ist den dieser Thomas? Der spielt sich ja mächtig auf, ist das der persönliche Fanclub von Frau Pechstein?
@tommydasneunte
Danke für die liebe Warnung - ich werde mich in acht nehmen!
Diese unerklärte Neubildung roter Blutkörperchen stellt sich auch nach extremen Durchfall ein, vielleicht war`s das? Irgendwas muß es ja sein, denn Doping schließen wir ja hier alle aus, prost.
@ Liebenswerte Traumfrau Vorsicht, hier wimmelt es vor peinlichen Verehrern, hier muß ein Nest sein.
Oh, arme Frau Pechstein, sie ist doch so unschuldig und hat noch niemals gelogen in ihrem Leben! Könnt ihr nicht auch noch einen Heiligenschein auf ihr Bild machen?
Als wenn der Erfolg von den "Testrennen" abhängen würde ...Pechstein sollte besser schweigen.
Auf der einen Seite "Indizien", die auf Blutdoping hinweisen "könnten", auf der anderen Seite eine Top-Athletin, die ihre "Unschuld" beweisen will (muss? Beweislastumkehr?!) und das mit Unterstützung ihres Arbeitgebers schultert.
Dafür zunächst erst einmal meine uneingeschränkte Hochachtung!!!
Wer sich jemals mit statistischen Auswertungsmethoden befasst hat (ich bin Kybernetiker), weiß, dass Daten manipulierbar sind. Insbesondere die Bewertung von Datenreihen ist regelkonform (!) um 180 Grad "kippbar". Da verwundert es, dass eine der meist kontrollierten Athletinnen zunächst auf einen längeren, dann auf einen kürzeren Zeitraum hin angeklagt wurde, weil wohl die "Interpretation" der Datenreihen sonst zu auffällig gewesen wäre. Ganz nebenbei: die "Häufung" der "auffälligen" Werte um die Wettkampfsaison hängt statistisch d i r e k t mit der Häufung der Tests in eben dieser Zeit zusammen. Ich hoffen auf einen fairen Richterspruch. Zur Not auf einen salomonischen...
@Timmy U: Also - alles was Recht ist - wenn Dir der Unterschied zwischen einem Mord von ca. 400 Augenzeugen und einer "Vorverurteilung" einer Sportlerin nicht klar ist, dann ist Dir leider nicht mehr zu helfen....
@bertali002: und wieder mal nur Gemeinplätze, keine Argumente, keine Fakten, keine Belege - nur "Jeden Zuschauer ekelt langsam vor diesen "Darbietungen". Jeden ??????? Also - ich gehöre schon mal nicht dazu - also kannste "jeden" schon mal vergessen. Und ohne die Wanderprediger kann man den Rechtsstaat hier vergessen, dann sind wir wieder bei Anarchie.......
Timmy für von dir genannten Fall gibt es aber ZEUGEN (ein glaubwürdiger Zeuge gilt im deutschen Rechtssystem als "Beweismittel"),nicht nur INDIZIEN ... der Indizienprozess ist zwar erlaubt unterliegt aber strengen Vorraussetzungen.Mein Beispiel zielte auch eher auf den Fall ab ... Im garten von Herr X wird die Leiche von Frau Y gefunden Herr X hat zufällig ein handelsübliches Fleischermesser an dem keine Spuren zu finden sind,und Frau Y wurde zufällig mit einem handelsüblichen Fleischermesser erstochen (gibt davon wohl ca. 30 Millionen in Deutschland). Ist Herr X jetzt zwingend der Mörder? Würde jeder sagen Nein.
Mit Frau Pechstein wird aber genau das betrieben,es gibt keine eindeutigen Beweise für ihre Schuld sondern nur sehr vage Indizien die die Möglichkeit NAHELEGEN,dass sie gedopt hat.
Natürlich bin ich dafür Dopingsünder zu verurteilen aber,dann bitteschön auch nach rechtsstaatlichen Massstäben.Genauso wie die Beweislastumkehr die das Sportrecht kennt in Deutschland unter dieser Anwendung gegen die Grundrechte verstossen und damit so ein Urteil in Deutschland null und nichtig machen.Dann doch lieber noch ein paar Monate warten Beweise sammeln und dann verurteilen.
oha, nenn mir doch bitte mal den genauen Prozentsatz an Retikulozytenerhöhung in ihrem Blut. Was ist denn "extrem"? (ich hab echt keine Ahnung, was in dem Befund stand ...) und 2) kannst du mir sicher auch die "alle vorherigen ähnlichen Erlebnisse" nennen, oder? ich wär mit 5-10 schon zufrieden (auch wenn deine Worte andeuten, dass du viel mehr kennst)
:-)
Oder noch leichter, sind ja seit kurzem auch einfachere User hier. Wenn ich in meine Küche trete, die Teewurst vom Tisch vermisse, das Hundchen Teewurst um`s Mäulchen geschmiert hat würde ich doch nie den Hund als Täter vermuten, wo kämen wir da hin. Erst mal Unschuld ! Wenn bei einer kerngesunden Person, sonst triebe sie keinen Sport, eine extreme Erhöhung der Retikulozyten stattfindet, dann sagen uns alle ( ! ) vorherigen, ähnlichen "Erlebnisse", Doping. Das ist glasklar, solche krankheiten gibt es nicht und wenn, wäre sie nicht auf dem Eis. Alles ( ! ) Lüge !
Wie gesagt Herr X hat ein Messer im Dresdener Gerichtssaal in der Hand also KANN er der Mörder von Frau Y ( Ägypterin ) sein, also IST er der Mörder ? Ja, viele Fragen von uns kleinen Spinnern ... einige wollen da ja 16 Messerstiche gesehen haben, alles Vermutungen. Nur dummmes Zeug. Natürlich ist er unschuldig. Für mich bleibt erst mal die Unschuldsvermutung. Ich sage mal, im Zweifel für den Russlanddeutschen, wir sind doch schließlich ein Rechtsstaat. Oder der 17 jährige in den USA mit seinen x Leichen im Garten, alles Unschuldslämmer, von irgend welchen Dummbatzen vorverurteilt. Mein Gott ist Saufen geil.
Hier dünken sich einige Wanderprediger auf der Seite des Rechts in dem sie Betrüger ( Rein garnicht auf vorliegenden Artikel bezogen, nur so allgemein ) verteidigen die den Sport dazu gemacht haben was er heut ist, ein Sumpf voll stinkender Gülle. ( Ausnahmen bestätigen lediglich die Regel ) In keiner Sportart herrscht noch Glaubhaftigkeit. Jeden Zuschauer ekelt langsam vor diesen "Darbietungen". Da ist es einigen Spinnern in diesem Forum nicht zu banal bei einem "Schimmstar" Phelps zu glauben, die Körperformen kämen vom Joghurt. Ich hoffe ( ! ) nur, alle bekommen einmal die gerechte Strafe für Qual des eigenen Körpers ( Alles noch nie Langzeit getestet ! )
@The Zonk
hier sind nur so Doping Pauschal Proleten unterwegs, die vom Leistungssport nicht die geringste Ahnung haben. Bislang waren diese nur beim Radsport unterwegs und da sich dort im Moment wenig tut, wird der Senf nun hier abgeladen.
Wenn man nur etwas logisch denkt muss man zu dem Schluss kommen, das die Pechstein keine 250.000 Euro in die Hand nimmt wenn sie nicht vollkommen clean wäre....kicher, jauchz, gröl, hüstel, protz . . . .
Toller Umkehr! Nicht Pechstein ist die Schuldige-- die WADA!
was will die alte eigentlich noch?
Auch hier nochmal hoffentlich keine Verurteilung sonst ist das Urteil eh (zmd. in Deutschland) nichtig weil verfassungswidrig.
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