Eurosport - Fr 16.Nov. 12:05:00 2007
Eurosport-Experte Kalle Riedle erklärt in seiner aktuellen Kolumne, warum Sie die Spiele gegen Zypern und Wales auf keinen Fall verpassen dürfen und wer im Sturm neben Miroslav Klose spielen sollte.
Hallo Fußball-Freunde,
mal ehrlich: Wenn vor zehn oder mehr Jahren bei der Nationalmannschaft in einem Freundschaftsspiel der Gegner Zypern oder Wales hieß, dann hat man als Fan vor Aufregung nicht wirklich schlaflose Nächte gehabt, sich innerlich schon mit einem schwachen bis mäßigen Auftritt abgefunden und sich die Partie unter Umständen erst gar nicht angeschaut.
Zum Ende des Jahres 2007 heißen die Gegner wieder Zypern und Wales, laufen zwar unter dem Etikett "EM-Quali", aber weil das DFB-Team schon qualifiziert ist, sind es ja mehr oder weniger "Freundschaftsspiele".
Aber ich warne davor, sich diese Spiele entgehen zu lassen. Ich gehe davon aus, dass gute Unterhaltung garantiert ist. Mittlerweile sind selbst Testspiele in Deutschland so zu einem Event geworden, dass es sich eine deutsche Mannschaft gar nicht mehr leisten kann, nur ein Pflichtprogramm abzuspulen.
Dazu wollen sich die Jungs von Jogi Löw zum einen für die schwache Leistung gegen Tschechien rehabilitieren, und zum anderen haben wir bei der Nationalmannschaft so viele Burschen dabei, die so richtig heiß sind, sich zu präsentieren.
Junge Spieler wollen Plattform nutzen
Spieler wie Lukas Podolski oder der jetzt leider verletzte Bastian Schweinsteiger haben beim DFB-Team eine Plattform, die sie sonst bei den Bayern so nicht haben. Durch die diversen Verletzungen haben Spieler aus der zweiten Reihe die Chance, sich noch einmal nachhaltig für die EM zu empfehlen. Das gilt gerade für das Mittelfeld, wo außer Thomas Hitzlsperger und Tim Borowski derzeit keine "gesetzten" Spieler für den EM-Kader dabei sind.
Für Jogi Löw stellt sich natürlich die Frage, ob er diese Spiele jetzt noch mal zum Experimentieren nutzen will oder ob die geplante Stammelf sich möglichst früh einspielen soll. Für die jetzigen beiden Partien hat das Verletzungspech mit neun Ausfällen Jogi die Entscheidung abgenommen - er muss ja zwangsläufig weiter experimentieren.
Automatismen fördern
Grundsätzlich bin ich aber der Meinung, dass der Bundestrainer möglichst oft die Stamm-Elf spielen lassen sollte, die er für die EM im Kopf hat. Weitere Experimente sind aus meiner Sicht nicht notwendig. Es sei denn, in den nächsten Wochen und Monaten drängt sich in der Bundesliga noch ein Youngster auf, den man noch gar nicht auf dem Zettel hatte.
Als Ex-Stürmer schaue ich natürlich am Samstag gegen Zypern (20:15 Uhr im Live-Ticker) wieder besonders auf den Angriff und stelle mir natürlich auch die Frage, wer neben Miro Klose stürmen sollte. Ich sage: im Moment ist es völlig egal, wer spielt. Und das meine ich gar nicht despektierlich, sondern als Lob. Wir haben im Sturm in der Breite eine gute Qualität, was Kuranyi, Gomez und Podolski, oder auch ein Oliver Neuville schon mehrfach bewiesen haben. Da brauchen wir uns keine Sorgen machen - im Gegenteil: Da hat Löw fast die Qual der Wahl.
Jogi spielt ja mit der Idee, am Samstag sowohl Gomez als auch "Poldi" in die Startelf zu nehmen. Eine interessante Variante. Durch die Ausfälle von Ballack, Schneider und Schweinsteiger fehlt im Mittelfeld ein treibende Offensiv-Kraft. Die könnte "Poldi" übernehmen, der seine Stärken ohnehin besser ausspielen kann, wenn er aus der Tiefe kommt. Ich bin gespannt!
Viel Spaß beim Surfen auf eurosport.yahoo.de!
Euer Kalle Riedle
P.S.: Für Fragen und Anregungen an Kalle Riedle schicken Sie eine E-Mail an: fussball(at)eurosport.com
Kalle Riedle / Eurosport