Bundesliga - Daems: "Träumen verbietet sich"
In der vergangenen Saison verhinderte Borussia Mönchengladbach in der Relegation gerade so den Abstieg, nun stehen die "Fohlen" nach fünf Spieltagen auf Rang drei. Kapitän Filip Daems (32) erklärt im Exklusiv-Interview mit eurosport.yahoo.de den Aufschwung nach der Last-Minute-Rettung im Vorjahr.
Das Interview führte Tobias Laure
In der vergangenen Saison hat die Borussia die Klasse gerade noch so über die Relegation gehalten. Nun liegt Gladbach nach fünf Spieltagen auf Platz drei. Was ist denn da passiert?
Filip Daems: Ich finde, dass sich bei uns relativ wenig geändert hat. Es ist uns aber gelungen, den Schwung und die Leistung aus dem Relegations-Erfolg mitzunehmen in die neue Saison.
Mit Marc-André ter Stegen setzt Trainer Lucien Favre seit Ende der vergangenen Saison auf einen ganz jungen Schlussmann. Wie sehen Sie das?
Daems: Ich hatte Marc ja schon lange vorher im Training erlebt, und da war schnell zu sehen, dass er über große Qualität verfügt. Schon bei seinem ersten Spiel, damals zu Hause gegen den 1. FC Köln, war ihm keine Nervosität anzumerken. Marc ist eine tolle Persönlichkeit im Tor, und das hat dann für die nötige Ruhe in der Abwehr und im ganzen Team gesorgt. Wir haben alle zusammen eine starke Leistung gebracht und damit letztlich die Rettung geschafft.
Der interne Konkurrenzkampf im Gladbacher Kader scheint zugenommen zu haben. Ein Grund für die tollen Ergebnisse der jüngsten Vergangenheit?
Daems: Na ja, wir hatten auch schon in der vorangegangenen Saison diese Konkurrenz, denn unser Kader war und ist mit 25 bis 27 Spielern gut besetzt. Das sorgt für gesunde Konkurrenz und ist sehr wichtig - zumal die Saison noch lang ist und jeder früher oder später die Chance erhalten wird, sich zu beweisen.
Neu in dieser Saison sind die ausführlichen Spieler-Statistiken in den Medien. Daraus geht hervor, dass Sie zum Beispiel in der vergangenen Partie gegen Kaiserslautern die meisten Sprints hingelegt haben. Nutzt der Trainer diese Quellen und interessiert Sie das?
Daems: Aus meiner Sicht sind diese Daten und Zahlen in erster Linie für die Trainer interessant. Das ist schon hilfreich, wenn man weiß, wie viel Laufarbeit die Spieler leisten oder wie viele Fehlpässe es gibt. Aber wie stark das Lucien Favre bei uns gewichtet, weiß ich gar nicht so genau.
Fühlen Sie sich durch diese Statistiken unter Druck gesetzt?
Daems: Nein, überhaupt nicht. Es ist doch klar, dass man auf dem Platz immer das Beste gibt. Da mache ich mir doch keine Gedanken, was ich tun muss, um gute Statistik-Werte zu bekommen.
Am Samstag treffen Sie auswärts auf den HSV. Die Hamburger haben zusammen mit Freiburg bislang die meisten Gegentore kassiert. Wird die Borussia aufgrund dessen mehr attackieren?
Daems: Nein, wir werden unser Spiel so aufziehen, wie wir das auch sonst tun. Ich erwarte eine sehr schwere Partie, denn der HSV steht in der Tabelle weit unter seinen Möglichkeiten. Das ist und bleibt eine exzellent besetzte Mannschaft, auch wenn der Start nicht gut war. Dazu kommt, dass sie unbedingt den ersten Heimsieg wollen. Da werden wir alle Hände voll zu tun haben, gegenzuhalten. Wir hoffen aber schon, etwas mitnehmen zu können.
Ein Elfmeter für Gladbach wäre nicht schlecht, oder? Sie persönlich haben da ja bei neun Versuchen eine 100-Prozent-Quote in der Bundesliga.
Daems (lacht): Stimmt, bis jetzt ist der Ball immer drin gewesen. Von daher sage ich zu einem Elfmeter nicht nein. Nur, am Ende ist es völlig egal, wie wir die Tore machen und wer sie schießt.
Filip Daems hat also kein Elfmeter-Geheimnis?
Daems: Nein, mir geht da auch nichts Bestimmtes durch den Kopf oder so. Es geht einfach darum, ruhig zu bleiben und konzentriert abzuschließen.
Sie sind als Kapitän eine der zentralen Figuren im Team.
Daems: Ja, ich habe dieses Amt seit einigen Jahren bei der Borussia, und das macht mich stolz. Aber wir haben eine ganze Reihe an Spielern, die die Erfahrung mitbringen, das Team zu führen. Da wir insgesamt einen jungen Kader haben, ist das auch gut so.
Welchen Kapitäns-Typ verkörpern Sie denn? Oder anders gefragt: Werden Sie in der Kabine laut?
Daems: Nein. Ich bin definitiv der ruhige Typ und versuche, durch meine Spielweise und mein Verhalten auf dem Platz das rüberzubringen, was von einem Kapitän erwartet wird und was der Mannschaft hilft.
Lassen Sie uns ein wenig in die Zukunft schauen. Werden Sie auch wieder für die belgische Nationalelf auflaufen?
Daems: Das ist kein Thema mehr für mich. In der vergangenen Saison habe ich klar gemacht, dass ich nicht mehr für Belgien spielen werde. Daran wird sich auch nichts ändern.
Dann verraten Sie uns doch, welche Ziele Sie mit der Borussia, ihr Vertrag läuft ja noch bis 2013, verfolgen?
Daems: Es ist ganz normal, dass du als Fußballer das Höchste erreichen willst. Im Moment haben wir hier in Gladbach auch ein sehr gutes Team, aber das Träumen verbietet sich von selbst. Denn wir haben nicht vergessen, wie schwer die abgelaufene Saison für uns war. Deshalb geht es in dieser Spielzeit vor allem darum, mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. Und dann hoffen wir mal, dass wir im Pokal möglichst lange dabei bleiben.
TV-Tipp:
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