Eurosport - Do 16.Jul. 22:55:00 2009
Die US-Golflegende Tom Watson hat zum Auftakt der 138. British Open der Konkurrenz wie den hochgewetteten Martin Kaymer und Superstar Tiger Woods eine Lehrstunde erteilt.
Bis zuletzt lag der knapp 60-Jährige und mit Abstand älteste Spieler auf dem Par-70-Kurs im schottischen Turnberry nach 65 Schlägen mit Ben Curtis (USA) vorn, bis der Spanier Miguel Angel Jiménez (64) mit der besten Major-Auftaktrunde seiner Karriere allein die Führung übernahm.
Nach einem Birdie am letzten Loch landete der 24 Jahre alte Kaymer mit 69 Schlägen wie Titelverteidiger Padraig Harrington (69/Irland) im ersten Drittel unter 156 Startern. Woods (71) hielt den Schaden noch in Grenzen. Der 54-jährige Vorjahresdritte Greg Norman (77/Australien) geriet außer Sichtweite. Amateur-Europa-Meister Stephan Gross (St.Leon-Rot) spielte bei seinem Major-Debüt eine 74.
Cleverness und Siegermentalität
"Das hatte etwas Spirituelles. Gestern habe ich noch mit Barbara Nicklaus eine SMS ausgetauscht. Sie wünschte mir das Beste, und der Platz hatte ohne Wind keine Chance gegen mich", kommentierte Watson seinen Überraschungs-Coup nach der fehler- und bogey-freien Runde, die den Profi aus Kentucky an seinen ersten Sieg 1977 an der Irischen See gegen den Major-Rekordsieger Jack Nicklaus erinnerte.
"Man hat schon gemerkt, das ich in der fünften Woche nacheinander etwas müde und unkonzentriert war. Der Score ist ok, aber ich hatte drei Birdiechance mehr", meinte der 24 Jahre alte Rheinländer vier Tage nach 2. Europatour-Sieg innerhalb einer Woche. Beim 3. Major des Jahres will er "mehr als den Cut" schaffen, den er beim US- Masters und der US-Open noch verpasste. "Bei dem Wetter war mehr drin, weil ich meine geplante Defensivtaktik mit aggresivem Spiel aufgeben konnte." Gleichauf mit seinem Vorbild und Ex-Open-Sieger Ernie Els (69) im Flight hat der Aufsteiger aus Mettmann die Spitze "mit dem alten Knaben Watson" nicht aus den Augen verloren.
Der 33-jährige Weltranglisten-Erste Woods tat sich nach 71 Schlägen zum Auftakt des 3. Grand Slams der Saison unerwartet schwer und ließ seinen Emotionen freien Lauf. Weniger Gentleman-like hatte der Tiger die vielen Fehlschläge "verflucht". Warf den Schläger oder spuckte vor Wut auf die Spielbahn, wenn die Abschläge "streuten". Nach achtmonatiger Verletzungspause nach seinem US-Open-Sieg 2008 mit einem Kreuzbandriss im Knie feierte er an der Westküste ein sehr bescheidenes Major-Comeback. "Ich habe zu viele Fehler gemacht und hoffe, sie morgen zu korrigieren", ließ er vor der TV-Kamera hören.
Aber Tausende standen bei Watson wie damals am 18. Grün auf und applaudierten ihrem Idol wie beim unvergessenen "Duell in the Sun" mit dem "Golden Bear". "Es ist die Erfahrung, die auf solchen Links-Plätzen die größte Rolle spielt, um die richtigen Schläge zu machen. Dünenkurse gibt es nur wenige auf der Welt, da können die nicht konkurrieren, die sie nur selten spielen", betonte Watson, der allein 5 British Open gewinnen konnte. Mit dem erst 16 Jahre alten britischen Amateur- Champion Matteo Manassero (71/Italien) und dem Weltranglisten-Fünften Sergio Garcia (70/Spanien) im Flight, hatte er die passende Begleitung, um den Unterschied zwischen Routine, Cleverness und Siegermentalität im hohen Alter zu verdeutlichen.
"Ich weiß nicht, was morgen kommt. Druck? Der Schalter kann auch umgelegt werden. Was ist schon morgen, wenn der Wind heult" fragte Watson, der zuletzt 2003 in Turnberry die Senior Open Championship gewonnen hatte. "Der Platz inspiriert mich, keine Frage. Es ist wie ein Mosaik aus einzelnen Erfahrungswerten, die ich umsetzen kann. Ich spiele gut genug, um hier wieder zu gewinnen. Mein Putten ist schlechter als 1977, aber einige Bälle werden schon reinfallen.
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