Kaymer in Tigers Schatten

Eurosport - Do 16.Jul. 22:56:00 2009

Die ausufernde "Tiger-Mania" vergangener Jahre um Superstar Woods hält sich bei der 138. British Open im schottischen Turnberry noch erstaunlich in Grenzen. Die Begeisterung um Martin Kaymer hingegen schlägt hohe Wellen. Der Deutsche gehört zu den Topfavoriten des Turniers.

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Die Wetten auf den ersten Major-Sieg von Deutschlands Stargolfer Martin Kaymer schießen an den Wettbörsen seit dem Doppel-Triumph des Shootingstars in Paris und Glasgow in schwindelerregende Höhen. Im langen Schatten des 5:2-Topfavoriten Woods wurde der 24 Jahre alte Weltranglisten- Elfte vor dem Abschlag am Donnerstag mit 40:1 auf gleicher Höhe vor Titelverteidiger Padraig Harrington geführt.

"Dieses Major und der Platz als der wohl schwierigste in Europa sind die größten Herausforderungen für mich überhaupt. Die absolut Besten der Welt sind hier. Aber ich fühle mich einfach super. Mein Spiel ist solide. Hoffentlich kann ich den Standard halten", meinte Kaymer, dessen Interview-Frequenz von Tag zu Tag steigt. "Alles hängt vom Wetter ab. Aber wenn es so bleibt, werde ich die ersten beiden Runden defensiv spielen und dann werden wir sehen, wo ich Samstag stehe und was passiert", meinte der 24-Jährige am Mittwoch. Der "mentale Part" bei einem Major sei für ihn das Wichtigste seiner Strategie und die Herausforderung "nicht beängstigend".

Kaymer soll abgeschirmt werden

Das schwedische Management (Sportyard AB) ist intensiv bemüht, den Überflieger aus Mettmann in dem 15 Minuten von Turnberry entfernt liegenden "Stammhaus" mit seinen Konkurrenten Henrik Stenson und Johan Edfors unterm Dach abzuschirmen. Und der viermalige Europa- Toursieger nimmt die ihm von den Medien zugedachte Rolle des Mitfavoriten nicht ohne Vorbehalt an. Seine schlechten Erfahrungen bei den Majors 2009 mit verpassten Cuts beim US Masters und US Open sieht der Hochbegabte als "Erfahrungen, aus denen ich nur lernen kann". Rang 80 beim Debüt 2008 in Royal Birkdale spricht Bände.

"Der Sieger wird der sein, der diesen Platz mit Schläue, einer Portion Gewitztheit und strategisch klugem Spiel bewältigt", sagte der 33 Jahre alte Tiger Woods nach den ersten Trainingsrunden auf dem Par-70-"Monster"-Kurs zwischen den Dünen rund 70 Meilen südlich von Glasgow. "Dünenkurse sind mit nichts zu vergleichen. Sie müssen mit Köpfchen gespielt werden", betont Woods, der 2000 sowie 2005 und 2006 die Trophäe "Claret Jug" eroberte. 2008 musste der Tiger nach seinem Sieg bei der US Open und dem 14. Major-Titel seiner Karriere wegen eines Kreuzbandrisses passen. Seitdem ist er ohne Grand Slam-Sieg, hat aber in dieser Saison schon drei US-Titel gewonnen.

Regen und Wind in "Ghost Village"

"Ghost Village" nennen die Einheimischen ihren "Kleinen Klecks" auf der schottischen Landkarte. Wenn der Wind bläst und der Regen horizontal über die Spielbahnen peitscht, wird der Ball unkontrollierbar. Selbst für einen Künstler wie Woods, der 2002 bei der Open in Muirfield mit einer 81er Runde sein Waterloo erlebte und nie eine Chance hatte.

Kaymer steht am Donnerstag (12.58 Uhr) mit seinem Idol Ernie Els (Südafrika) und dem US-Open-Sieger Lucas Glover am Abschlag. Sein Debüt gibt Amateur-Europameister Stephan Gross als zweiter Deutscher unter den 156 Startern bei dem mit 6,5 Millionen Euro dotierten Major. Der 22-jährige Arizona-Student hatte sich mit dem ersten EM- Titel eines Deutschen überhaupt qualifiziert und drehte am Dienstag eine Trainingsrunde mit Kumpel Kaymer. "Das ist ein Profit. Auch, weil ich endlich mal wieder Deutsch sprechen kann", sagte Kaymer. "Stephan hatte Ideen, die ich nicht sah. Das hilft."

dpa / Eurosport

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