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Sprinterin Ekpo-Umoh braucht dringend eine Nanny

Mi 16 Jul, 11:12 Uhr


Frankfurt/Main (dpa) - Als Florence Ekpo-Umoh diese Woche zur Olympia-Vorbereitung ins Trainingslager nach Kienbaum aufbrach, musste die 400-Meter-Läuferin beim Abschied zwei heulende Kinder trösten und sich selbst die Tränen aus den Augen wischen.

Holly (3) und Jotham (fast 2) werden ihr Mutter in den nächsten Wochen nicht oft sehen. Diesmal kümmert sich eine Bekannte um die beiden. Doch für die Zeit in Peking heißt es: Kindermädchen gesucht! «Jemand muss für mich auf sie aufpassen, ich weiß aber noch nicht, wer. Ich werde zum Jugendamt gehen, vielleicht können die mir helfen», sagt die Hartz-IV-Empfängerin und frühere Dopingsünderin aus Kassel, die sich mit einem unglaublichen Kraftakt zurück in die Spitzenklasse der Leichtathletik gekämpft hat, der Deutschen Presse-Agentur dpa.

«Sie ist in einer extrem schwierigen finanziellen Situation», bestätigt ihr Trainer Eberhard König. «Flo» bekomme eine kleine Zuwendung von ihrem Verein Erfurter LAC und inzwischen wieder Spikes und Sportkleidung vom Ausrüster des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Erst im nächsten Jahr darf sie wieder mit Sporthilfe-Geldern rechnen, da sie in keinem Kader ist.

Ekpo-Umohs Verlobter arbeitet in England. So ist die Sprinterin allein erziehende Mutter. «Wir versuchen, eine Aufenthaltsgenehmigung für ihre Mutter zu bekommen», sagt König. Die könnte der Olympia-Teilnehmerin bei der Betreuung von Holly und Jotham helfen. Aber König und sein Schützling haben längst erfahren: «Die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam.» Und Ekpo-Umoh ist bei aller Begeisterung über ihren Platz in der deutschen 4 x 400-Meter-Staffel für die Sommerspiele mitunter verzweifelt: «Ich kann die Kinder ja nicht mitnehmen.»

Die Geschichte der Florence Ekpo-Umoh sucht ihresgleichen im deutschen Sport: 1995 setzt sie sich bei einer Reise der nigerianischen Nationalmannschaft in Stuttgart ab, 2000 wird sie Deutsche. 2001 holt sie mit der 4 x 400-Meter-Staffel um Grit Breuer bei der WM in Edmonton Silber, ein Jahr später bei der EM in München Gold. 2003 wird sie bei einer Wettkampf-Kontrolle in Südafrika mit dem verbotenen anabolen Steroid Stanozolol erwischt - zwei Jahre Sperre. Sie scheitert mit ihrem Einspruch, dass die Kontrolle nicht rechtmäßig verlaufen sei. Ekpo-Umoh stürzt nicht nur vom Treppchen: Sie jobbt unter anderem in einem Supermarkt. Dann bringt sie zwei Kinder zur Welt.

Anfang 2007 durchforstet die Liste der DLV-Trainer und stößt auf den Erfurter König. «Ich habe ihn angerufen und gesagt, ich will wieder laufen.» Als sie sich eine Woche später treffen, spricht Ekpo- Umoh schon von den Olympischen Spielen. «Dabei», sagt die 30-Jährige heute und prustet vor Lachen, «habe ich damals 86 Kilo gewogen.» Fast 20 Kilo mehr als bei ihrer ersten Olympia-Teilnahme 2000. Sie rannte fortan nicht um, aber für ein neues Leben - manchmal morgens um fünf, wenn die Kinder noch schliefen.

Bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften vor zehn Tagen in Nürnberg fiel Ekpo-Umoh nach dem Zieleinlauf ihrem angereisten Verlobten um den Hals und machte einen Luftsprung nach dem anderen: «Ich hab's geschafft! Ich bin bei Olympia dabei!» Die Silbermedaille nach ihrem zweiten Platz über 400 Meter hängte sie Holly um. Jotham sah mit großen Augen zu seiner kraftstrotzenden Mutter auf.

Wenn sie jemanden findet, der auf die beiden süßen Sprösslinge während der Sommerspiele aufpasst, kann sie ihrem nächsten Ziel entgegen rennen. Es ist eher ein kühner Traum. «Eigentlich», sagt Ekpo-Umoh. «Möchte ich meinen Kindern eine Medaille mitbringen.» König blickt schon weit in die Zukunft. «Was sie geleistet hat, kann man gar nicht hoch genug einschätzen», sagt er. «Ich möchte aber auch Sorge dafür tragen, dass sie nach dem Leistungssport eine Perspektive hat. Auch darüber wollen wir in Kienbaum sprechen.»

 

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