Bundesliga - Wer ist dieser Rutten eigentlich?

Eurosport - Mi 16.Apr. 08:10:00 2008

Pünktlichkeit und Ehrlichkeit sind die obersten Prinzipien des Fredericus Jacobus "Fred" Rutten. Der 45-jährige Niederländer ist der heißeste Kandidat auf den Trainerposten bei Schalke 04 in der kommenden Saison. eurosport.yahoo.de sagt, mit wem es die Bundesliga voraussichtlich zu tun bekommt.

FOOTBALL 2007-2008 Bundesliga Rutten - 0

Auf Schalke hat er bereits einige Fürsprecher. Youri Mulder, der heute (20:00 Uhr im Live-Ticker) bei den "Knappen" - gemeinsam mit Mike Büskens - gegen Energie Cottbus das erste Mal auf der Trainerbank sitzt, schwärmt jedenfalls schon von seinem ehemaligen Partner bei Twente Enschede. "Er ist ein sehr guter Trainer. Er wäre eine gute Wahl", sagt Mulder, der zuletzt Enschedes Stürmer trainiert hat. Laut niederländischen Medienberichten könnte Rutten schon sehr bald auf der Schalker Bank sitzen. Das "Algemeen Dagblad" schreibt, der 45-Jährige soll bereits mit S04 über einen Wechsel verhandeln.

Die Anzeichen verdichten sich also, dass Rutten in der kommenden Saison das Zepter in Gelsenkirchen schwingt. Er gilt als Disziplinfanatiker und wurde beispielsweise auch beim Hamburger SV von Huub Stevens selbst als dessen Nachfolger ins Gespräch gebracht. Rutten spricht fließend deutsch und könnte sogar in Enschede wohnen bleiben. Bis nach Gelsenkirchen wären es lediglich 104 Kilometer.

Als Trainer und Manager in Personalunion wäre ein Abgang Ruttens für Twente allerdings schwer zu verkraften. Möglich ist er allemal: Rutten besitzt eine Ausstiegsklausel (500.000 Euro) im Vertrag. Und insgeheim rechnen die Verantwortlichen wohl damit, dass seine Ära nun beendet ist. Sie suchen bereits nach einem "Erben" - im Gespräch ist eine Beförderung des ehemaligen Schalke-Profis Rene Eijkelkamp vom Assistenz- zum Cheftrainer.

Dass Rutten sich nach einem "Tapetenwechsel" sehnt, scheint ebenfalls verständlich. In nahezu beispielloser Vereinstreue begeht er 2008 sein 25. Jahr in Diensten des FC Twente Enschede. Als 15-Jähriger war er einst zu Twente gekommen, von 1979 bis 1992 absolvierte der Abwehrspieler seine 307 Profi-Spiele ausschließlich für diesen Club, ehe ihn eine Hüftverletzung, an der der zweifache Vater noch heute leidet, am Wechsel zu Ajax Amsterdam hinderte. Sie zwang den damals 28-jährigen Nationalspieler auch zum Karriere-Ende.

Ab 1993 war Rutten Jugendkoordinator. Mit Erfolg: Die Schule Enschedes erfreut sich in den Niederlanden eines glänzenden Images. Als Hans Meyer 1996 das Traineramt der Erstligamannschaft übernahm, wurde Rutten sein Assistent. Chef wurde er nach Meyers Abgang drei Jahre später. Enschede dümpelte zu der Zeit im Mittelfeld der Tabelle herum.

Mit "Schaaf"-Offensivfußball zum Erfolg

Doch Rutten etablierte modernen Offensivfußball, ähnlich wie Thomas Schaaf bei Werder Bremen. Trotz etlicher Gegentreffer war Enschede zu Hause eine Macht. Der Coach entfachte somit eine Euphorie, in deren Hochphase 2001 der Gewinn des niederländischen Pokalwettbewerbs im Mittelpunkt stand. Das blieb logischerweise den "Großen" nicht verborgen.

Der PSV Eindhoven zeigte sich beeindruckt und machte Rutten 2002 zum Jugendchef. Zugleich wurde er Assistent von Trainerlegende Guus Hiddink. "Unter Hiddink habe ich viel gelernt", hat Rutten schon oft zugegeben. In dieser Phase nahm er auch Abstand vom bedingungslosen Offensivfußball und setzte von nun an auf "kontrollieren und erst danach attackieren". Als Hiddink 2006 ging, schlug er Rutten als Nachfolger vor, doch der PSV-Vorstand lehnte den Mann aus Gelderland ab: "Zu wenig Ausstrahlung", hieß es. Twente nahm ihn daraufhin mit Kusshand zurück und befindet sich aktuell auf Champions-League-Kurs.

Jetzt klopft also Schalke an und scheint ihm vertrauen zu wollen. Kritik müssen sie sich in Gelsenkirchen aber wohl trotzdem gefallen lassen. "Internationales Standing", wie es Präsident Josef Schnusenberg vom neuen Coach gefordert hat, besitzt Rutten noch nicht. Und ob er überhaupt Interesse hat, steht ebenfalls nicht fest. "Kein Kommentar", lautet seine Antwort derzeit, wenn er mit den Spekulationen konfrontiert wird.

Daniel Rathjen / Eurosport