"Wiener Blut": Deutsche Sportler unter Verdacht

Eurosport - Mi 16.Jan. 12:10:00 2008

30 Sportler sollen nach ARD-Informationen an einer Blutbank in Wien gedopt haben. Zwei Drittel der Athleten sollen Deutsche sein. Bei den Sportlern soll es sich um Biathleten und Skilangläufer handeln, die zum Teil zur Weltspitze gehören. Aber auch prominente Radprofis stehen unter Doping-Verdacht.

BIATHLON 2007-2008 Ruhpolding Feature - 0

Der TV-Sender nennt allerdings nur die Namen von Radprofis. So soll der von der Tour de France ausgeschlossene Michael Rasmussen (Dänemark) ebenso zum Kundenkreis der Wiener Blutbank gehören, wie der Niederländer Michael Boogerd und der zweifache Vuelta-Sieger Denis Mentschow aus Russland. Auch der Name von Georg Totschnig wird als Verdächtigter gehandelt. Der österreichische Ex-Gerolsteiner-Profi, der 2005 eine Tour-de-France-Etappe gewonnen hatte, bestreitet allerdings, in den Doping-Skandal verwickelt zu sein. "Ich war nie dort, und ich weiß auch nicht, woher solche Vorwürfe kommen", sagte Totschnig gegenüber der österreichischen Nachrichtenagentur APA.

Der ärztliche Leiter des verdächtigen Blutbank-Unternehmens "Human Plasma", Lothar Baumgartner meinte gegenüber der APA, er sei in der Causa noch nicht von offizieller Stelle befragt worden. "Ich zweifle an den Angaben. Ich kenne keinen dieser Herren", sagte Baumgartner über die genannten Sportler.

Zudem forderte Baumgartner die entsprechenden Verbreiter dazu auf, Namen der ärztlichen Mitarbeiter zu nennen. "Der Heilige Geist wird ihnen ja nicht das Blut abgenommen haben." Er selbst wisse von nichts. Sollten in seiner Filiale tatsächlich Doping-Praktiken durchgeführt worden sein, so sei dies unter "Missbrauch der Räumlichkeiten" hinter seinem Rücken geschehen.

DSV fordert Akteneinsicht

Der Deutsche Skiverband (DSV) hat in der Angelegenheit bereits Akteneinsicht gefordert. "Wir haben keinerlei Anhaltspunkte und keinerlei Namen oder sonstige Hinweise, denen wir nachgehen könnten", sagte DSV-Sprecher Stefan Schwarzbach.

Was den Biathlon-Sport betrifft, äußerte sich Frauen-Bundestrainer Uwe Müssiggang zu den Vorwürfen: "Das ist ein ähnlicher Stand, wie in der vergangenen Woche. Es war ja angekündigt worden, dass Ross und Reiter genannt werden. Solange das nicht der Fall ist, kann ich mich schlecht dazu äußern. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass von unserer Mannschaft jemand dabei ist." Auch Männer-Kollege Frank Ullrich kann sich "beim besten Willen nicht vorstellen", dass seine Schützlinge in den Doping-Fall verwickelt sein sollen. "Für meine Truppe", fügte er hinzu, "lege ich die Hand ins Feuer".

Weltklasse-Biathletin Martina Glagow hatte bereits am Wochenende beim Weltcup in Ruhpolding Verbindungen zu der Blutbank bestritten: "Ich kenne keine Blutbank in Wien und kann für mich die Hand ins Feuer legen, dass ich mit denen keinen Kontakt hatte."

Behle: "Unsere Erfolge sind sauber"

Langlauf-Trainer Jochen Behle hatte bereits am Rande der Tour de Ski jegliche Doping-Vorwürfe zurückgewiesen: "Unsere Erfolge sind sauber. Ich lege für meine Sportler die Hand ins Feuer."

Unabhängig von den ARD-Informationen hatte die Nationale-Anti-Doping-Agentur NADA Kontrolleure in das Mannschaftshotel der deutschen Biathleten in Antholz geschickt, um je vier deutsche Männer und Frauen zu testen. "Damit habe ich überhaupt kein Problem. Ganz im Gegenteil: Je öfter, desto besser", sagte der dreimalige Olympiasieger Michael Greis.

DOSB-Generalsekretär ist beunruhigt

Besorgt zeigte sich der Generalsekretär des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Michael Vesper: "Diese Meldung ist beunruhigend. Aber wir wissen nicht genau, ob sie zutrifft. Wir haben uns bei den österreichischen Behörden erkundigt, ob jemand und - wenn ja - wer aus Deutschland daran beteiligt ist und haben unsere Hilfe zur Aufklärung angeboten."

Birgit Riezinger / Eurosport