Eurosport - Do 15.Okt. 09:37:00 2009
Ruth Frith ist 100 Jahre alt - und ein wahrer Star. Bei den World Masters Games ist Frith Rekord-Garantin. 28.000 Teilnehmer zwischen 25 und 101 machen in Sydney Sport mit Spaß. Besonders die älteren Semester sind Publikumsmagneten und lassen viele Jüngere oft alt aussehen.
Ruth Frith aus Brisbane schaffte im Kugelstoßen einen neuen Weltrekord mit 4,07 Metern in ihrer Altersgruppe. Sie feierte den Sieg vergnügt - auch wenn ihr die Goldmedaille mangels Konkurrenz schon vorher sicher war. "Ich genieße jeden Tag und lass die Jahre vorbeiziehen", meinte sie. Dann machte sich die Urgroßmutter mit einem Rat vor allem beim ganz jungen Publikum beliebt: "Nie Gemüse essen", so ihr Geheimnis für ein langes Leben. "Ich habe nie in meinem Leben Gemüse gegessen." Frith trainiert regelmäßig im Fitnessstudio mit Gewichten und hat ihr Ziel fest vor Augen: die World Masters Games 2013.
Den Schalk im Nacken hat auch Margot Bates (99), die über 100 Meter Rücken zwar mit drei Minuten Rückstand auf die Siegerin Noel Morrow (90) ins Ziel kam. Aber erstens war Morrow Leistungssportlerin mit Olympia-Erfahrung (Berlin 1936) und zweitens im Vergleich zu Bates ein junger Spunt. So heimste Bates unangefochten die Goldmedaille in ihrer Altersgruppe ein. "Ich bin fit wie ein Turnschuh", meinte sie. "Noch fitter und es würde gefährlich."
"Bis zuletzt voll durchs Leben rauschen"
Eine feste Größe bei den Masters ist Kurt Rosenberger (81), der in Wuppertal als ein Mann der ersten Stunde des Gewichthebersports gefeiert wird. Seit Jahrzehnten ist er im KSV Wuppertal aktiv. In Sydney holte er wieder eine Goldmedaille. Der Elektroingenieur ist seit Jahren bei den Masters dabei. Die Krone wollte ihm eigentlich Bill Chapman (85) streitig machen. Doch verpasste der Australier das Wiegen, weil er mit ein paar Griechen ins Gespräch kam und beim Plaudern die Zeit vergaß.
Dabeisein ist eben alles. Bei den seit 1985 abgehaltenen Masters Games wird körperliche Ertüchtigung jenseits des Leistungssport- Alters gefeiert. Teilnehmen kann jeder, der das Mindestalter erreicht, je nach Sportart zwischen 25 und 35 Jahren. Dieses Mal sind Sportler aus 95 Ländern dabei. "Hier geht es darum, neue Freunde zu treffen und alte Freundschaften aufzufrischen", meinte Olga Kotelko (90). Die Kanadierin hat sich in neun Disziplinen gemeldet - Kugelstoßen und 100-Meter-Lauf sind ihre Spezialität. "Ich mag den Wettkampf. Ich bin fit, gesund und stark. Rücktritt? Das kommt für mich auf absehbare Zeit nicht in Frage."
Rob Barclay ist Stabhochspringer und hat sich mit 71 Jahren den Traum erfüllt, der ihm in früheren Jahren verwehrt geblieben war. Er schaffte es nie in das australische Olympia-Team. Bei den Masters holte er diese Woche Gold. "Wir wollen nicht mit Nadeln und Schläuchen in den Armen im Krankenhaus vor uns hinsiechen und sterben", meinte er. "Wir wollen bis zuletzt voll durchs Leben rauschen - und in der nächsten Sekunde tot im Sessel sitzen."
Kommentare 1 - 1 of 1
Als Vegetarier wundere ich mich, dass Ruth Frith nicht nur so alt geworden, sondern auch sportlich immer noch so auf Zack ist und nie Gemuese gegessen haben soll. Dann ist sie wohl die ruehmliche Ausnahme, die die Regel bestaetigt.
Bis zuletzt voll durchs Leben zu rauschen ist die Devise der Senioren, die nicht alt und gebrechlich werden wollen, um dann in der naechsten Sekunde tot im Sessel zu sitzen, da kann ich mir ein genuesslicheren Tod vorstellen.
Als fitter 68-Jaehriger komme ich mir da wie ein junder Spunt vor. Vielleicht sollte ich mein Training dann so ausbauen, dass ich mit 90 eine Goldmedaille im ... Daumendrehen bekomme. Friedrich Welke, Florianopolis, Brasilien
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