Eurosport - Di 15.Jul. 17:12:00 2008
Auf dem Weg zur Olympia-Reife stecken die deutschen Handball-Teams mitten in der Experimentierphase. Die Weltmeister von Heiner Brand gewannen Trainingsspiele gegen eine Südtirol-Auswahl mit 53:34 und 47:18. Das Frauen-Team hingegen startete mit einer 29:31-Niederlage gegen Frankreich.
Dabei offenbarte die Mannschaft im ersten von zwei Vergleichen mit dem EM-Dritten zahlreiche Defizite. "Das Ergebnis war mir nicht recht, aber das muss ich in Kauf nehmen. Beide Seiten haben probiert und experimentiert, wir aber um ein vieles mehr", sagte Bundestrainer Armin Emrich.
Harsche Kritik von Brand
Auch bei den Männern lief nicht alles rund. In der Partie über 3 x 30 Minuten wussten in erster Linie Rückraum-Ass Holger Glandorf (Nordhorn), der nach der Geburt seines Sohnes Fynn und sechstägigem Sonderurlaub erst wenige Stunden vor Spielbeginn zur Mannschaft gestoßen war, und der Magdeburger Linksaußen Christian Sprenger mit jeweils acht Treffern zu gefallen. In der ausverkauften Karl-Wolf-Halle, in der wegen des Ausfalls der Klimaanlage tropische Verhältnisse herrschten, begeisterten die Weltmeister zwar die 1.200 Zuschauer, überzeugten aber den Bundestrainer in keiner Weise. Beim 47:18 am Sonntag waren Dominik Klein vom THW Kiel mit zehn Treffern sowie Sprenger mit neun Toren erfolgreichste deutsche Torschützen.
Mit dem Ziel Olympia-Medaille hat Brand die Messlatte für seine Asse trotz der harten Trainingseinheiten hoch gelegt. "Die Müdigkeit bei unseren Spielern war klar zu erkennen. Das allein darf aber keine Entschuldigung sein. Wir haben nicht einmal im Ansatz das erreicht, was wir schaffen wollten. Das gezeigte Spielniveau entsprach noch nicht einmal einem Viertel von dem, was wir brauchen, um bei Olympia bestehen zu können", kritisierte der Gummersbacher ungewohnt harsch.
Gedankenspiele bis zur Nominierungsfrist
Im Hinterkopf hat Brand, dass ihm ebenso wie Emrich nur noch eine Woche bleibt, um seinen endgültigen Olympia-Kader für die Nominierung durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zu benennen.
Beide erklärten jedoch, dass jeweils 80 Prozent ihres 14-köpfigen Olympia-Aufgebotes klar sind. "Sofern alle fit bleiben", sagte Emrich. Allerdings steht noch nicht einmal genau fest, wie viele Spieler beziehungsweise Spielerinnen beide Trainer mit nach China nehmen dürfen. Denn sollte sich ein Akteur vor dem Viertelfinale verletzen, darf er ausgetauscht werden. "Nun ist aber noch offen, ob jedes Team nur einen oder mehrere Austauschsspieler nominieren und somit mit nach Peking bringen darf", erläuterte Bredemeier. Eine endgültige Entscheidung zwischen Internationalem Olympischen Komitee (IOC) und Handball-Weltverband (IHF) soll in dieser Woche fallen.
Lob für Köhrmann
Bei den Männern wird der Mannschafts-Kern wohl aus den Spielern bestehen, die im Vorjahr Weltmeister geworden sind. Feste Größen sind dabei die beiden Rhein-Neckar Löwen Oliver Roggisch und Christian Schwarzer, die in Meran fehlten. Während Abwehrspezialist Roggisch wegen einer Oberschenkel-Verhärtung geschont wurde, stößt der 38 Jahre alte "Leitwolf" erst zu Wochenbeginn zum Team und wird bei den Länderspielen gegen Schweden am kommenden Wochenende in Mannheim und Stuttgart erstmals auflaufen.
Fehlen wird jedoch Markus Baur wegen seiner Trainertätigkeit beim TBV Lemgo. "Dadurch müssen wir auf der Spielmacherposition noch experimentieren", sagte Brand, der dem Neu-Großwallstädter Oliver Köhrmann eine gute Leistung auf dieser Position bescheinigte. Michael Kraus (Lemgo) ist als Nummer eins gesetzt. Auf Rechtsaußen spielte sich Christian Sprenger (Magdeburg) nach vorne.
Präzision fehlt
Bei den Frauen dürfte es hingegen nur noch vakante Plätze auf der rechten Außenbahn und hinter Welthandballerin Nadine Krause (Kopenhagen) im linken Rückraum geben.
Steigerungspotenzial hat das Team, dem Torfrau Clara Woltering (Leverkusen) am Wochenende wegen einer Rückenblessur gar nicht zur Verfügung stand, in jedem Fall. Beim WM-Dritten fehlt es noch an spielerischer Präzision, Feinabstimmung und technischer Sicherheit. In Halbzeit zwei im Test gegen Frankreich verzichtete Emrich gleich auf fünf Stammkräfte inklusive der Rückraum-Asse Grit Jurack (Viborg) und Nadine Krause (Kopenhagen). Dass die Partie dennoch bis zum 29:29 offen war, lag auch an der Treffsicherheit von Nina Wörz (Randers/6) und Sabrina Neukamp (Blomberg/6/2) sowie dem guten Auswahl-Debüt von Christina Rohde (Nürnberg) und Isabell Nagel (Buxtehude).
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