dpasport

Griechen-Tragödie in Salzburg gegen Russland

So 15 Jun, 13:24 Uhr


Salzburg (dpa) - In sich gekehrt schlenderte der gestürzte «König Otto» Rehhagel über den Rasen und winkte kurz ins Publikum, seine Spieler bedankten sich bei ihren treuen Fans und warfen ihnen ihre weißen Trikots zu:

Vier Jahre nach dem Triumphmarsch durch Portugal führte Griechenland mit der Fußball-Tragödie vom früh gefallenen Europameister nur noch Salzburger Trauerspiele auf. Mit dem Hinweis auf die letzte, für den EM-Verlauf bedeutungslose Partie gegen Gruppensieger Spanien wischte Rehhagel die Frage nach Konsequenzen aus dem 0:1 (0:1) gegen Russland vom Tisch.

«Wir haben noch die Pflicht, eine saubere Arbeit nach 90 Minuten abzuliefern. Alles andere kommt später», sagte der bald 70-Jährige, dessen Vertrag längst bis 2010 verlängert ist. Rehhagel wollte sich nicht infrage stellen lassen - ohne, dass die Rede direkt darauf kam. «Alles, was Sie im Kopf haben, weiß ich, bevor Sie es ausgesprochen haben. Ich bin zu lange dabei», bemerkte er am späten Abend in der ihm eigenen Art: «Die Akropolis steht seit 3000 Jahren, und wenn wir in 200 Jahren alle nicht mehr da sind, steht die immer noch.»

Das Vorrunden-Aus des Titelverteidigers nach nur zwei Partien schien «Rehakles» da schon verdaut zu haben. «Ich bin nicht so enttäuscht, ich weiß ja, wozu wir in der Lage sind. Einmal hat es 2004 ein Wunder gegeben. Das geschieht einmal in 30 Jahren und nicht alle 14 Tage, sonst wäre es ja kein Wunder», sagte der Macher des Triumphes von 2004, der an der Seitenlinie kurz von seinem Kollegen Guus Hiddink getröstet wurde, dessen Mannschaft und Fans für einen Festabend in Rot sorgten.

Der niederländische Trainer und Russlands Spieler können mit einem Sieg über Schweden erstmals seit dem Zerfall der Sowjetunion die letzten Acht bei der EM erreichen. «Ich bin sehr stolz, dass diese junge Mannschaft reagiert hat. Sie haben gezeigt, was hochklassiger internationaler Fußball ist», sagte Hiddink. An ein mögliches Viertelfinale gegen das «Oranje»-Team aus seiner Heimat mochte der 61-jährige Erfolgstrainer noch nicht denken.

Hiddink sieht seine Mannschaft gegen die «Tre Kronors» erneut als Außenseiter und forderte für die Partie in Innsbruck: «Wir müssen uns weiter steigern, weil Schweden noch stärker ist. Das sind noch zwei Klassen mehr.» Immerhin kehrt dann der bislang gesperrte Stürmerstar Andrej Arschawin zurück und kann Roman Pawljutschenko unterstützen, dem nur ein Tor zur Krönung seiner überragenden Leistung fehlte. So überwand nur Konstantin Syrjanow nach 33 Minuten den schwer patzenden Torwart-Routinier Antonios Nikopolidis.

Der 37-Jährige kündigte wie erwartet seinen Rücktritt aus der Auswahl nach der EM an und wird sich gegen Spanien mit seinem 90. Länderspiel verabschieden. Auch Abwehrspieler Paraskevas Antzas wird aufhören. «Ich habe diese Entscheidung schon vor langer Zeit getroffen», sagte Nikopolidis. «Die jungen Spieler sollen nicht die Last von 2004 tragen und sich zu Siegen verpflichtet fühlen.»

Die griechische Zeitung «Goalnews» bescheinigte ihm ein sportliches Verbrechen. Doch insgesamt reagierten griechische Medien und Fans mild. «Raus aus der EM - drinnen in unseren Herzen», schrieb «Goalnews» und befand wie die Zeitung «Kathimerini»: «Diesmal mehr Leidenschaft, aber die Fehler sind geblieben.» Schon auf die Qualifikation für die WM 2010 blickte die Zeitung «Sportday» und forderte: «Jungs, aufstehen! Bringt uns jetzt zur WM in Südafrika. Den Kopf runter - das brauchen wir jetzt überhaupt nicht.»

Auch Rehhagels Schützlinge wollen gegen Spanien unbedingt einen anständigen Abschied. «Es kann nicht sein, dass wir mit null Punkten und null Toren abreisen», sagte Konstantinos Katsouranis. Wie das der weiterhin einzigen Mannschaft ohne EM-Tor gegen die abwehrstarken und schnellen Iberer gelingen soll, bleibt ebenso rätselhaft wie die Frage, was Rehhagel ändern wird.

Stattdessen beklagten die Spieler fehlendes Glück und den Abseitspfiff vor dem vermeintlichen 1:1 durch Angelos Charisteas, der im Angriff ebenso wie die Bundesliga-Kollegen Ioannis Amanatidis und Theofanis Gekas harmlos blieb. Gekas verbrachte die Nacht wegen einer Jochbeinverletzung in einem Salzburger Krankenhaus, kehrte nach Teamangaben am Sonntag aber zur Mannschaft zurück. Auch am Tag nach dem Aus waren Kameras beim Training nicht erwünscht.

 

Kein Yahoo! User? Kostenlos .