EM 2008 - Matthäus zu Gast bei Eurosport

Eurosport - Do 15.Mai. 18:44:00 2008

Lothar Matthäus als Gast-Redakteur bei Eurosport in München. Der Weltmeister von 1990 besuchte einen Tag vor Bekanntgabe des deutschen EM-Kaders die Redaktion von Eurosport Deutschland und plauderte locker und entspannt über die bevorstehende Euro und seine Aufgabe als Experte bei Eurosport.

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Der frischgebackene Fußball-Lehrer Matthäus absolvierte in den vergangenen Wochen ein hartes Programm - rund 300 Stunden im Einzelunterricht forderten vom 47-Jährigen höchste Konzentration. "Da kannst du nicht einfach mal so aus dem Fenster schauen oder deine Gedanken schweifen lassen, sondern musst immer voll auf der Höhe des Geschehens sein", gab Matthäus preis.

"Jetzt beginnt der angenehme Teil der Arbeit", sagte Matthäus bei seiner Ankunft im Eurosport-Büro in Anspielung auf seine kommende Tätigkeit als Experte für Eurosport während der EM.

Auf die leichte Schulter nimmt Matthäus diese Aufgabe allerdings nicht: "Ich versuche, so professionell wie möglich zu arbeiten und mit meiner Meinung nicht hinter dem Berg zu halten." Speziell der deutschen Elf will er bei der EM aber nicht auf die Finger schauen: "Die Europameisterschaft besteht nicht nur aus Deutschland. Ich freue mich auf attraktiven Fußball, auf attraktive Spiele. Ich möchte den Leuten rüberbringen, welche Tendenzen es gibt, welche Spieler sich in den Vordergrund spielen."

Erwartungsvoll blickt auch der zukünftige Vereinstrainer des israelischen Erstligisten Netanya auf die Bekanntgabe des deutschen Kaders durch Bundestrainer Jogi Löw (am Freitag, 16. Mai im Video-Livestream bei eurosport.yahoo.de und auf Eurosport TV). "Es ist kein leichter Job die richtigen Spieler auszuwählen, allerdings würde ich zunächst 26 nominieren und ins Trainingslager mitnehmen. Es sind noch einige Positionen offen und es kann noch eine Menge passieren. Ein Spieler muss es dann auch verkraften, wenn er erst kurz vor Schluss aus dem Kader fliegt."

Spanien Geheimfavorit und Italien als Wackelkandidat

Seine persönlichen Favoriten und Wackelkandidaten ließ sich Matthäus dann aber doch nicht entlocken. "Ich werde nicht schlau daher reden, denn der Bundestrainer weiß am besten was er tut, er braucht keine guten Ratschläge. Für sinnvoll hält es Matthäus allerdings einen jungen Torwart als Nummer drei zu nominieren: "1980 bin ich als 19-Jähriger zu meiner ersten EM gefahren. Das hat mir später sicher geholfen."

Angesprochen auf die Meldung des Tages zur Euro, der überraschenden Nichtberücksichtigung von Raul für die spanische Nationalmannschaft, zeigte sich der deutsche Rekordnationalspieler sichtlich überrascht: "Wenn Spanien auf einen Spieler wie Raul verzichten kann, dann müssen sie auch Europameister werden." Spanien ist für Matthäus der "Geheimfavorit auf den Europameistertitel" schlechthin, doch letztlich wird wohl "Frankreich die Nase vorn haben."

Christiano Ronaldo einer wie Maradona

Schwarz sieht er dagegen für Weltmeister Italien. "Ich habe kein so gutes Gefühl, denn ich glaube, dass die Jungs nach ihrem WM-Titel nicht mehr so motiviert sind und Spieler Cannavaro älter geworden sind. Und die Gruppe ist natürlich super schwer mit Frankreich und den Holländern, mal abgesehen davon, dass man auch die Rumänen nicht unterschätzen darf."

Bei der Frage welcher heute noch aktive Spieler ihm denn am nächsten komme, kam der Europameister von 1980 ins Grübeln. "Es ist schwer zu sagen, aber ich denke es ist am ehesten Frank Lampard." Mit wem er denn am liebsten heutzutage gerne auf dem Feld kicken würde, kam dann ohne Umschweife die Antwort: "Christiano Ronaldo, denn der macht Dinge, wie sie früher Maradona gemacht hat."

Und was können die deutschen Fans erwarten? "Deutschland ist immer Mitfavorit und aufgrund der leichten Gruppe werden sie auch die Vorrunde locker überstehen", so Matthäus zum Abschluss des Tages.

Karl Dzuba / Eurosport