Eurosport - Di 15.Apr. 12:42:00 2008
Geht da noch was? Jens Lehmann schien beim FC Arsenal schon längst weg vom Fenster. Doch nach seinem ebenso überraschenden wie starken Comeback in Manchester könnten die Chancen auf eine dauerhafte Rückkehr gestiegen sein. Sogar die berüchtigte englische Presse fand lobende Worte.
Denn nach seiner Generalabrechung mit Trainer Arsene Wenger ("Was soll ich noch hoffen? Wenn ich nicht spiele, obwohl der andere Torwart nicht gerade glücklich spielt, wird es schwierig") und Konkurrent Manuel Almunia ("Wenn man erst mit 30 anfängt zu spielen, ist es nicht so leicht, Weltklasse zu werden") bot Lehmann bei der Niederlage gegen ManU eine starke Vorstellung.
Die ganze englische Presse liebt den Deutschen wieder - die ganze Presse? Nein, denn die renommierte "Times" steht immer noch auf Kriegsfuß mit dem 38-Jährigen: "Jens Lehmann sah die Gelbe Karte dafür, dass er sich aufführte wie, nun ja, Jens Lehmann. Wir kennen seine dummen Eskapaden mittlerweile", nörgelte das Blatt, das sich außerdem an der offensiven Kritik Lehmanns an Almunia und Wenger störte. Die "Times" befand, dass sich Lehmann "nach all seiner Großsspurigkeit" als "fehlbar" erwies.
"The Sun" lässt sich zu Lob hinreißen
Damit kann der Nationaltorhüter aber gut leben. Denn der Rest der britischen Journallie stellte Lehmann ein gutes bis ausgezeichnetes Zeugnis aus. "Der 38-Jährige machte das Beste aus zahlreichen Möglichkeiten, um seinem Trainer und seinem Rivalen für das Torwart-Jersey zu zeigen, dass er wirklich nicht zum alten Eisen zählt", meinte "The Guardian" und ernannte Lehmann ebenso wie der "Daily Mail" zum "Man of the match".
Wie stark der Ex-Dortmunder in der Partie gegen die "Red Devils" auftrumpfte, wird bei einem Blick auf die Schlagzeilen der Boulevard-Presse deutlich. Selbst "The Sun" ließ sich zu einem Lob hinreißen. "Lehmann, der zuletzt mit seiner Geringschätzung für seinen Rivalen Almunia nicht hinter dem Berg hielt, machte diese Saison seine Fehler, aber bei diesem Spiel konnte er seinen Kopf hochhalten."
Wird Wenger schwach?
Ob das aber reicht, Wenger schwach werden zu lassen? Der Coach der "Gunners" hielt sich bereits nach dem Lehmann'schen Rundumschlag zurück und zeigte sich erstaunlich gelassen - möglicherweise lässt den 58-Jährigen die Leistung der deutschen Nummer eins gegen Manchester United jetzt ebenso kalt.
Stefan Zürn / Eurosport