Eurosport - Di 15.Apr. 20:03:00 2008
Dicke Luft beim HSV. Nach der peinlichen Heimpleite gegen Duisburg hagelte es in der Presse und vom Vorstand jede Menge Kritik. Die sicher geglaubte CL-Qualifikation ist akut in Gefahr - vor der Auswärtspartie in Berlin (Dienstag, 20:00 Uhr im Live-Ticker) stehen die Hanseaten mächtig unter Druck.
"Fußball zum Abgewöhnen", titelte das Hamburger Abendblatt. "Stillstand unter Stevens - spielerische Stagnation", lautete die Kritik der Hamburger Mopo. Selbst die Verantwortlichen des HSV versuchten nicht das Spiel gegen Duisburg auf der vereinseigenen Webseite schön zu reden.
Entschuldigung bei den Fans
"Nach diesem Spiel muss man sich ja fast bei unseren Fans entschuldigen. Mir fehlen immer noch ein bisschen die Worte, wenn ich ehrlich bin", brachte der HSV-Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann das Desaster auf den Punkt.
Die Norddeutschen stecken vor einem Haufen Probleme. Seit feststeht, dass Trainer Huub Stevens den Verein zum Saisonende verlassen wird, läuft so gut wie nichts mehr zusammen - lediglich vier Siege gab es in 15 Spielen - nur noch Platz fünf in der Tabelle. Stevens wird beim Auswärtsspiel seiner Hamburger in Berlin auf der Bank sitzen. Der Niederländer war am Samstag nach der Niederlage gegen den MSV Duisburg nach Eindhoven zu seiner kranken Frau gefahren, weil diese sich einer weiteren Operation unterziehen musste. Nach erfolgreich verlaufenem Eingriff und Rücksprache mit seiner Gattin entschied sich Stevens, nach Berlin zu reisen.
Zu allem Überfluss fehlen Spielmacher Rafael van der Vaart und Atouba (beide Gelbsperre), Jarolim (Rotsperre) sowie Vincent Kompany. Der zuletzt formschwache Belgier ist für eine Woche beurlaubt worden. "Wir haben das Gefühl, dass es ihm im Moment sehr schwer fällt, sich nur auf den Fußball zu konzentrieren", sagte Co-Trainer Markus Schupp. Dagegen kehrt zumindest Joris Mathijsen nach Ablauf seiner Rot-Sperre in die Mannschaft zurück. Auch Stürmer Ivica Olic steht wieder zur Verfügung.
Und dann gibt es da noch die ständigen Spekulationen über die Stevens-Nachfolge. Neuester Name des zum Saisonende scheidenden Stevens ist Gerard Houllier. Nach Medienberichten vom Montag soll der HSV den 60-jährigen Franzosen bereits kontaktiert haben.
Hertha gehen die Stürmer aus
Mit acht Punkten Vorsprung auf den 16. Tabellenplatz ist die Hertha noch nicht aller Abstiegssorgen ledig. Gewinnt Nürnberg das Nachholspiel gegen Wolfsburg, sind es nur noch sieben Zähler. Trainer Lucien Favre gehen zudem die Stümer aus. Top-Torjäger Marko Pantelic (11 Treffer) wird wegen Wadenproblemen das dritte Spiel in Folge fehlen. Neuzugang Raffael fällt ebenso wie Solomon Okoronkwo (Leistenprobleme) gegen die Hamburger aus.
Bleibt Stürmer Nummer vier, Andre Lima. Der Brasilianer verdrehte sich in Bochum am Samstag das Knie, verzichtete auf das Auslaufen. Sein Einsatz ist aber nicht gefährdet. Allerdings ist Lima alles andere als ein erfolgreicher Torjäger. Zu Saisonbeginn verpflichtet, erziehlte er zwei magere Treffer in dieser Saison, nahm zumeist auf der Ersatzbank Platz. In der Abwehr fehlt weiterhin der Schweizer Steve von Bergen.
Die Bilanz der beiden krisengeschüttelten Teams spricht für die Hertha - 17 Mal gewannen die Berliner daheim gegen den HSV, demgegenüber standen sechs Niederlagen und drei Unentschieden.
Karl Dzuba / Eurosport