Eurosport - Do 15.Jan. 13:29:00 2009
Terra X: Das unbekannte Gebiet. Für alle ist die Dakar in Südamerika Neuland - für die Teilnehmer, die Organisation, die Zuschauer zuhause in Europa und auch die Bevölkerung vor Ort. Die Idee der ASO die Rallye auf diesen Kontinent zu bringen war mutig und richtig. Afrika ist derzeit zu gefährlich.
Streckenführung:
Die gewählte Route ist eine tolle Alternative zu Afrika. Landschaftlich muss sich die Ausgabe von 2009 nicht hinter Afrika verstecken. Es ist abwechslungsreicher, herausfordernder, technischer als auf dem Schwarzen Kontinent. Mit den Dünen und Bergen, den Schotterpisten und offenen Ebenen sind die klassischen Dakar-Elemente vorhanden. Die Verbindungsetappen sind schöner, angenehmer und von der Infrastruktur her besser als bisher. Das Biwak in Copiapo, da ist man sich einig, war das Non-Plus-Ultra aller bisherigen Dakar-Biwaks.
Die Route ist hart, vielleicht zu hart. Nicht unbedingt wegen des Terrains. Aber neben den gewählten Pisten kann man kaum fahren. Nani Roma erklärt: "Es gibt einfach zu viele Steine abseits der Routen. Überholen ist schwieriger, und auf den ersten Etappen war der Staub schon gewaltig." Da das Gelände nicht ganz so offen ist, muss die Zustimmung von vielen Landeignern eingeholt werden, eine detailreiche Arbeit für die Organisation. Einige zogen Ihre Zustimmung in der ersten Woche wieder zurück...
Hinzu kommt die Höhe, ein Parameter der bisher unbekannt war. Aufgrund der Absage der Etappe nach Fiambala kommt dieses Element noch nicht zum Tragen, bedarf aber einer genaueren Untersuchung im Hinblick auf die kommenden Jahre.
Änderung vieler Etappen
Viele Privatiers klagen über zu häufige Änderungen des Roadbooks. Auch über die Absage der Etappe diskutieren viele. Die ASO hat mit Sicherheit bei der Auswahl der Strecke darauf geachtet, eine schwere Dakar zu gestalten. Die Schwierigkeit, die sich vor allem für die Privatiers ergibt, ist das permanente im Staub fahren. Einige der uns zugespielten Onboard-Kameras sind wirklich grenzwertig. Die Autos fahren zu schnell auf die vor Ihnen startenden Motorrad-Piloten auf. Dabei entstehen gefährliche Situationen.
Heftig diskutiert wurde die Absage der 11. Etappe. Etienne Lavigne, der Rallye-Chef, begründete sie im Briefing mit der Wetter-Situation, aufgrund derer die Sicherheit der Teilnehmer nicht gewährleistest werden konnte. Bei zuviel Wind oder Nebel können die Helikopter nicht fliegen. Schobn die Schleife um Copiapo wurde um mehr als 200 Kilometer gekürzt und mit fast drei Stunden Verspätung gestartet. Dennoch wurde sie für viele zum Desaster.
Insofern ist verständlich, dass abgesagt wurde. Logistisch ist es nicht zu bewerkstelligen, den ganzen Tross auf zwei Etappen, der gestrigen und der heutigen, fahren zu lassen. Die Ermüdung der Piloten ist zu groß, das Unfall-Risiko steigt. Zudem will die ASO so wohl sicherstellen, dass die Ausfallrate nicht zu hoch wird. Nur zufriedene Kunden kommen zurück.
Unmut bei den Werks-Teams
Das stinkt natürlich einigen der Werksfahrern. Cyril Despres diskutierte heftig mit den Verantwortlichen. Da es eine Marathon-Etappe gewesen wäre, bei der die Piloten selbst Hand anlegen müssen an ihre Bikes, hätte jeder Fehler doppelt gezählt. Seine Chancen, David Fretigne von Platz zwei oder sogar Marc Coma vom Thron zu stoßen, sind bei den verbleibenden Etappen auf ein Minimum geschrumpft.
Auch Robby Gordon zeigte sich unwirsch: "Je härter die Rallye, desto besser für mich. Mir fehlen jetzt Kilometer und damit Chancen anzugreifen." Für die nächste Ausgabe muss auf alle Fälle nachgebessert werden, es hakt doch bei einigen Details. Es ist und bleibt die Creme de la Creme der Rallyes und Giniel de Villiers bringt es auf den Punkt: "Man braucht auch das nötige Glück, um hier durchzukommen. Das war in Afrika nicht anders. Das gleiche gilt, wenn man gewinnen will. Unterm Strich kann aber eben sagen, dass nur die Härtesten hier durchkommen werden."
Kommentare 1 - 7 of 7
Die Änderungen gehen für mich auf das Konto der Unerfahrenheit der Verantwortlichen mit den beiden Ländern. In Afrika war das aufgrund der vielen Dakars nicht mehr der Fall. Ansonsten gehen mir die ewigen Superlative auf die Nerven. Ich bin mir sicher, dass wir auch nächstes Jahr die "härteste" Dakar aller Zeiten erleben werden. Sowieso haben wir medial nur noch die tiefste Rezession, den kältesten Winter, die höchste Flut, die grösste Inflation, die schlimmste Katastrophe an allen Fronten und den gewaltigsten Weltuntergang aller Zeiten. Auf Eurosport findet gerade auch die längste Berichterstattung mit dem kürzesten Anteil an Rally-Einstellungen und den längsten Interviews statt.
Die Verkürzungen, Absagen oder neutralisationen haben doch bis jetzt alle Sinn gemacht!
Es macht doch keinen Sinn, irgendwann nur noch mit 15 Autos durch die Gegend zu fahren. Das würde den Privatfahrern nicht gerecht werden, die für mich eh die wahren Helden der Rallye sind (und waren).
Wie wärs mit Südafrika, Australien oder Zentralasien! Oder man bleibt in Süsamerika. Nicht mehr in die Sahara zurück, Vorbei ist vorbei.
Die Dakar ist stärker als die Politik der Saharastaaten.
Sicher geht die Absage der heutigen Etappe in anbetracht der Witterungsbedingungen in Ordnung, die Sicherheit der Fahrer steht absolut an erster Stelle.
Jedoch habe ich die bisherigen Verkürzungen, insbesondere von schweren Etappen, nicht ganz verstanden. Die Dakar war immer, und sollte auch immer eine selektive Rallye bleiben, wenn der Untergrund kaum tragfähig ist, werden sich eben nur die durchsetzen, die mit den Verhältnissen am besten zurechtkommen. Auch wenn eine Menge Privatiers dabei ausscheiden würden, das Unmögliche möglich zu machen, sollte auch weiter ein Bestandteil der Dakar bleiben.
Trotz allem hatte ich bislang viel Spaß beim Verfolgen der Etappen, ob nun Sahara oder Atacama, die diesjährige Austragung muss nicht weiter beweisen, dass die Dakar lebt und weiter leben wird!
Gruß
Mir fehlt Afrika. Die Stimmung und das Bild der Landschaft ist anders und es gefällt mir besser. Allerdings spricht hier nur ein Fernsehzuschauer! Wie es vor Ort wirkt und anfühlt: Kann sicher ganz anders sein. Der Anfang waren enge Wege, eingezäunt, viel zuviel Staub mit einem Haufen Geröll drumrum. Interessant war der Abschnitt in der Atacamba Wüste. Leider viel zuwenig Bilder! In Afrika gab es unendliche Weiten der Dünen und den superschönen Elefantenfelsen. Wirklich Schade für Afrika, dieser traurige Terror! Sicherheit geht vor. Diesmal hat die ASO Ihre liebe Not die Sicherheit der Teilnehmer unter Kontrolle zu halten. Sowas, wie mit den beiden Motorradfahrern darf mit der heutigen Technologie nicht mehr vorkommen. Dieses Rennen ist gefährlich, daß wissen alle Teilnehmer. Trotzdem muß ein Veranstalter das Mögliche zur Rettung auch leisten können. Billig ist die Teilnahme schließlich nicht und Tote sind keine Werbung, auch nicht für VW und Mitsubishi, etc. Bei deren Einsatzstärke und Aufwand stellt sich bald, wie in der Formel 1 gerade, die Frage nach Beschränkung und Sparsamkeit. Mal sehen wie´s kommt...
Hallo,
diese ganze Situation ist natürlich ein zweischneidiges Schwert. Die Werksfahrer leiden natürlicg viel weniger unter den Schwierigkeiten wie die Privatfahrer, aber ich denke, dass die Absage in Ordnung geht. Vielleicht lässt sich das ganz gut mit Skispringen vergleichen. Die Organisatoren sind für das Wohl der Fahrer in gewisser Weise verantwortlich, und die Sicherheit der Sportler muss an oberster Stelle stehen. Im Skispringen lässt man die Springer auch nur bis zu einer gewissen Windstärke runter. Wenn die Sicherheit nicht mehr gegeben ist, muss man eingreifen.
Man muss natürlich auch sehen, dass es die erste Dakar in Südamerika ist, und was sie in der ersten Auflage auf die Beine gestellt haben, ist grandion. Nun hat man Erfahrungswerte fürs nächste Jahr, mit denen man die Rally optimieren kann.
Ein Punkt der mich an der diesjährigen Dakar auch wirklich stört, die angesprochenen Verkürzungen der Etappen und die Absage der heutigen. Auf diese Weise kann man wirklich schon von Vorentscheidungen für die Gesamtklassements sprechen.
Hätte es wirklich gern gesehen, wenn Carlos Sainz oder Marc Coma noch einmal unter Druck geraten würden. Sicher kann man die kommenden Tage auch nicht vorhersagen aber für mich ist der Dampf aus dem Kessel.
Alles in allem aber, klasse Dakar, spektakuläre Bilder ... schade, dass es bald vorbei ist.
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