US Open - Mouratoglou: "Nadal ohne Überzeugung"
Mi 14.Sep. 07:20:00 2011
Patrick Mouratoglou hat als Profi-Coach unter anderem Aravane Rezai, Anastasia Pawliutschenkowa und Marcos Baghdatis betreut. Derzeit trainiert er Jérémy Chardy. Nach den US Open hat sich der Franzose den Fragen der Eurosport-Tennisfans gestellt. Hier Mouratoglous Meinung zu...
... der famosen Saison von Novak Djokovic mit drei Grand-Slam-Titeln und sechs Final-Erfolgen gegen Rafael Nadal:
"Diese Leistung ist unglaublich, keine Frage. Novak hat dies dank seiner spielerischen Qualitäten und seines Selbstvertrauens geschafft. Nimmt man seine Fähigkeiten zusammen, kommt ein Spieler heraus, der eigentlich nicht verlieren kann. Die sechs Siege gegen Nadal waren möglich, weil Rafael irgendwann eine Art Unterlegenheits-Komplex ihm gegenüber entwickelt hat. Es ist das erste Mal, dass ich Nadal ohne Überzeugung spielen gesehen habe."
... den Chancen von Djokovic, in der Saison 2012 den Grand Slam zu schaffen:
"Sportlich gesehen hat er das drauf, da er auf den Belägen von Melbourne, Paris, Wimbledon und New York stark genug ist. Novak war ja schon in diesem Jahr knapp dran am Grand Slam, da haben nur zwei Siege bei den French Open gefehlt. Ich würde sagen, je mehr Zeit vergeht, desto größer wird seine Überlegenheit auf der Tour. Nur, seine Dynamik wird nicht immer so hoch bleiben. Wenn er es aber schafft, seine mentale Stärke zu bewahren, dann ist alles möglich. Djokovic war jetzt das ganze Jahr über siegfähig, und das liegt auch daran, dass er täglich mental an sich gearbeitet hat. Das ist einer der Hauptgründe, warum er so viel erreicht hat."
... Djokovic' Aussichten, den Rekord von Roger Federer (16 Grand-Slam-Titel) zu knacken:
"Bis dahin hat er noch einen langen Weg vor sich. Es fehlen ihm ja noch 13 Titel, wenn er an Roger vorbeiziehen will. Wenn wir mal im Schnitt von zwei Titeln pro Saison ausgehen, dann benötigt er noch fast sieben Jahre auf diesem Spitzen-Niveau. Es werden junge Spieler in die Weltspitze nachrücken, nicht jetzt, aber vielleicht in drei Jahren. Dann weiß man nicht, ob Djokovic mit Verletzungen zu kämpfen haben wird. Also, für so eine Prognose ist es noch viel zu früh."
... der Wahrscheinlichkeit, dass Federer noch ein Grand-Slam-Turnier gewinnt:
"Die große Frage für mich ist: Gelingt es Federer, aus den vergangenen Monaten die richtigen Lehren zu ziehen, um sein bestes Niveau noch einmal zu erreichen? Was seine Physis und sein Spiel angeht, ist er aus meiner Sicht durchaus in der Lage, noch einmal ein Major-Turnier zu gewinnen."
... den Misstönen zwischen Nadal/Federer auf der einen und Djokovic auf der anderen Seite:
"Das stimmt. Novak ist ein Spieler, der immer den Glauben an die eigene Stärke in den Vordergrund gestellt hat. Er hat, um es mal positiv auszudrücken, Federer und Nadal nie so recht anerkannt. Er hat sich immer als den besseren Spieler gesehen und hat diese Ansicht auch nicht für sich behalten. Das hat Roger und Rafael gestört."
... dem spielerischen Niveau der US Open bei den Frauen und Männern:
"Ich war überrascht über das insgesamt enttäuschende Niveau des Turniers. Bei den Frauen erklärt sich das aus der Tatsache, dass viele Topspielerinnen früh ausgeschieden sind. Es gab trotzdem sehr gute Partien, aber das Finale war natürlich schlecht. Bei den Männern tue ich mich mit einer Erklärung schon schwerer. Man muss eben konstatieren, dass es zwischen den Top 4 der Welt und dem Rest eine große Lücke gibt. Immerhin haben wir im Finale einen grandiosen dritten Satz gesehen, das war der beste der bisherigen Saison, vielleicht sogar der vergangenen zehn Jahre. Die selben Preisgelder, die Frauen und Männer bekommen, sind übrigens auch ein Verdienst der WTA, die sehr große Sponsoren mitbringt und TV-Gelder generiert. Dass die Frauen nur zwei Gewinnsätze spielen, muss man respektieren. Das ist Tennis-Tradition, das muss man nicht in Frage stellen."
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