Hamburg (dpa) - IOC-Präsident Jacques Rogge kann im nächsten Jahr im Fall seiner Kandidatur für eine zweite Amtsperiode mit der Stimme seines Vizepräsidenten Thomas Bach rechnen.
«Ich werde 2009 die Wiederwahl von Jacques Rogge mit voller Kraft unterstützen. Ich gehe davon aus, dass Rogge in jedem Fall noch einmal kandidiert. Und was im Jahr 2013 ist, weiß nur der liebe Gott», sagte Deutschlands höchster Sportfunktionär in einem Interview mit der Tageszeitung «Die Welt». Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) wich der Frage aus, ob er künftig als Präsident des Internationalen Olympische Komitees (IOC) bereit stünde.
Knapp vier Wochen vor der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking (8. bis 24. August) sieht Bach die Öffnung Chinas «auf einem anderen Niveau als noch vor sieben, acht Jahren». Als Beispiele nannte er Fortschritte in der Außenpolitik. «Aber wie wir im Mai 2007 bereits für den DOSB moniert haben, ist die Achtung der Menschenrechte in China noch nicht ausreichend», erklärte der IOC- Vizepräsident. Dies sei das Kernproblem.
«Ich bedaure, dass die Diskussion, die so wichtig und richtig ist, weitgehend untergegangen ist in der Tibet-Diskussion. Im Westen wurde oft zu Unrecht die Tibet- mit der Menschenrechts-Diskussion gleichgesetzt», meinte der Wirtschaftsanwalt aus Tauberbischofsheim. Dies habe «sogar noch zu Verhärtungen» geführt.
Die Wahrnehmung von Sicherheitsinteressen während der Sommerspiele müsse man von jedem Ausrichter erwarten, räumte der 54-Jährige ein, «sie dürfen nur nicht die gesamte Organisation überlagern. Jedes Organisationskomitee muss die Balance finden zwischen Gewährleistung der Sicherheit und unbeschwerter olympischer Atmosphäre», sagte Bach.
Das IOC stehe dafür, «dass ein Athlet frei und klar seine Meinung sagen kann. Wir glauben, dass er mit einer fundierten Meinungsäußerung auch mehr bewirkt, als wenn er ein Bändchen trägt.» Die Regularien des IOC seien klar. «In der Mixed Zone, auf Pressekonferenzen, auch im Deutschen Haus, gibt es vollkommene Freiheit der Meinungsäußerung», so der Fecht-Olympiasieger von 1976.
Das große Problem in Peking sei der Smog. «Derzeit ist die Situation offensichtlich nicht besonders erfrischend», sagte Bach. Nach Meinung von Experten werde die Luftverschmutzung allerdings bis zum Beginn der Spiele deutlich dezimiert. «Ab dem 20. Juli werden Fabriken abgeschaltet, die Hälfte der Privatautos stillgelegt, und dann braucht man noch etwas günstigen Wind.»


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