Eurosport - Mi 14.Mai. 14:10:00 2008
Bei der Auslosung von zwei zusätzlichen Startplätzen im UEFA-Cup auf Grundlage der Fairplay-Wertung, war den Bundesligisten auch im diesem Jahr das Glück treu. Neben den Deutschen wurde Dänemark mit einem zusätzlichen Platz in der ersten Qualifikationsrunde des UEFA-Cups belohnt.
Die Fairplay-Wertung wird auf Grundlage von Gelben und Roten Karten, dem Verhalten von Offziellen und Fans sowie dem Respekt für Schiedsrichter und Fans erstellt. Den Spitzenplatz hatte England belegt und war unabhängig von der Verlosung mit einem Startplatz ausgezeichnet worden. Die Ziehung hatte ausgerechnet der UEFA-Cup-Torschützenkönig Pawel Pogrebnjak durchgeführt, der mit seinem Doppelpack im Halbfinale den FC Bayern aus dem internationalen Wettbewerb geschossen hatte.
Unklar ist derzeit noch, welches Team die Bundesliga in Europa vertreten wird. Usus ist es jedoch, dem Gewinner der Fairplay-Wertung auf nationaler Ebene diese Ehre zuteil werden zu lassen. "Wir werden nach Ende der Saison, wenn alle Spiele in die Wertung eingegangen sind, den Sieger bekannt geben.", erklärte DFL-Sprecher Christian Pfennig. In der Winterpause hatte noch der VfL Wolfsburg die Nase vorn, aber auch Hertha BSC liegt aussichtsreich in der Wertung. Der einzige deutsche Vertreter, der in der Vergangenheit auf diese Weise in den Europapokal eingezogen war, war der FSV Mainz 05 im Jahr 2005.
Die Berliner führen mit null Roten Karten, null Gelb-Roten Karten und 54 Gelben Karten die Karten-Statistik der Bundesliga vor Eintracht Frankfurt und Bayern München an. "Das wäre eine schöne Überraschung", erklärte Hertha-Manager Dieter Hoeneß, verwies aber auf die weiteren Auswahl-Kriterien. Denn nicht nur die Verwarnungen und Platzverweise entscheiden über das Ranking, sondern auch weitere Kriterien wie Umgang mit Gegner und Schiedsrichter, Verhalten der Fans und Offiziellen sowie "positives Spiel".
Hoeneß sieht für Hertha viele der Kriterien erfüllt und damit seinen Club im Rennen. Nur einmal fiel Hertha in der laufenden Spielzeit negativ auf, als Trainer Lucien Favre in Dortmund wegen Schiedsrichter-Beleidigung - er signalisierte die sogenannte Brille - auf die Tribüne musste und 20 000 Euro Strafe zahlen musste. Für den Berliner Club wäre die UEFA-Cup-Teilnahme nach einer durchwachsenen Saison ein Geschenk. "Wir nehmen das sicher gern mit. Die Spieler könnten dann schon ein Jahr früher international Erfahrungen sammeln", sagte Michael Preetz, Leiter der Lizenzspieler-Abteilung. Für die kommende Saison hat sich Hertha bereits die Qualifikation für den UEFA-Pokal als Ziel gesteckt. "Es wäre natürlich klasse, wenn es schon jetzt klappt", bemerkte Trainer Favre.
Auch bei der Frankfurter Eintracht hat man die Nachricht vom zusätzlichen UEFA-Cup-Platz mit Interesse zur Kenntnis genommen. "Wir machen uns natürlich Hoffnungen", sagte der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen. Allerdings wollte der Eintracht-Macher nicht weiter spekulieren. "Mehr will ich dazu nicht sagen, weil uns die Kriterien nicht bekannt sind." Die unverhoffte Chance auf Europa könnte in Frankfurt die Stimmung nach zuletzt nur einem Punkt aus sieben Begegnungen wieder aufhellen. Eintracht-Coach Friedhelm Funkel sieht sich allerdings auch so bestätigt. "Es zeigt, dass wir weniger Foul spielen und damit umsetzen, was Bundestrainer Löw gefordert hat", sagte Funkel der "Bild" (Mittwoch).
Der Weg in die interessante Gruppen- und spätere K.o.-Phase wäre für Hertha oder die Eintracht allerdings lang. Der Start liegt schon in der ersten Qualifikations-Runde Mitte Juli. In der zweiten Qualifikations-Runde werden dann die Gruppen-Teilnehmer ermittelt. Die Deutsche Fußball Liga (DFL), die den zusätzlichen Platz nach Abschluss der Saison in der kommenden Woche vergeben wird, gibt derzeit über den Stand der Wertung keine Auskunft.
Jonas Steldinger/dpa / Eurosport