Eurosport - Mo 14.Apr. 21:16:00 2008
Das bittere Viertelfinal-Aus im Davis Cup wurde von den störenden Nebengeräuschen um das deutsche Team fast noch überschattet. Der in die Kritik geratenen Philipp Kohlschreiber sucht nun den "Maulwurf", der Interna preisgab - doch der Beschuldigte Alexander Waske wehrt sich gegen die Vorwürfe.
An der Niederlage gegen die Spanier ließ sich nicht mehr rütteln, doch zumindest Nicolas Kiefer sorgte am Sonntag mit seinem 6:4, 7:6-Sieg gegen Feliciano Lopez noch für den Ehrenpunkt des deutschen Teams. Für den 30-Jährigen kam gar nicht in Frage, auf das nicht mehr ergebnisrelevante Einzel zu verzichten: "Es ist doch ganz egal, wie es steht, die Fans haben schließlich bezahlt, um uns zu sehen. Die haben uns so toll unterstützt, da ist es doch selbstverständlich, dass man noch mal rausgeht und alles gibt."
Offenbar sah Philipp Kohlschreiber das anders, die deutsche Nummer eins verzichtete auf ihren Einsatz am Sonntag. Die ersten beiden Tage seien zu anstrengend gewesen. "Mir tut auch alles weh, aber deshalb kämpfe ich trotzdem noch mal. Nächste Woche ist noch genug Zeit zum Erholen", betonte Kiefer. Nicht zum ersten Mal in den Tagen von Bremen hatte Kohlschreiber für Irritationen gesorgt und immer wieder waren Interna aus dem erweiterten Umfeld der Mannschaft nach außen gedrungen.
Kohlschreiber im Fokus der Kritik
Kohlschreiber wolle sich nicht wirklich in die Zweckgemeinschaft einfügen, hieß es, die Kritik zielte dabei auf gewisse Sonderrechte, die dem 24-Jährigen offenbar zugestanden wurden. Doch Teamchef Patrik Kühnen betonte kontinuierlich, dass Dinge wie die verspätete Anreise oder die Betreuung durch seinen persönlichen Trainer abgesprochen gewesen seien.
Dennoch schaffte es die deutsche Mannschaft nicht, den Konflikt intern zu lösen, stattdessen wurde auch bekannt, dass die Regelung der Prämienvergabe weiterhin leistungsbezogen bleibt. Beim Erstrundenduell in Braunschweig hatte Kohlschreiber für Verstimmung gesorgt, da er die bisherige Vereinbarung des Gleichheitsprinzips änderte und sich seinen neuen Status im Team nun auch finanziell vergüten ließ. In Bremen wurde nicht neu verhandelt, da offenbar keiner der Beteiligten einen weiteren Streit vom Zaun brechen wollte.
Kiefer: "Mir geht es nicht um Geld"
Gerade Kiefer ist beim Thema Streitigkeiten ein gebranntes Kind und hat zum Thema Prämie ohnehin seine eigene Meinung. "Mir geht es hier überhaupt nicht um Geld. Für mich ist es eine Ehre für Deutschland zu spielen. So sollte das doch eigentlich jeder sehen", erklärte der Hannoveraner. Kohlschreiber wehrte sich gegen die Vorwürfe: "Wer mehr leistet, soll mehr verdienen. Das heißt aber nicht, dass ich geldgeil bin. Was mich stört, ist, dass die Sache nach draußen gedrungen ist. Wir haben da eine Lücke. Diese Person sollte man sich zur Brust nehmen." Für Kohlschreiber stand schnell fest, wer dieser "Maulwurf" sei, der immer wieder Informationen durchsickern ließ: Alexander Waske, der aufgrund seiner Verletzung während des Davis Cups als Experte bei einem Fernsehsender in Bremen vor Ort war.
Waske wehrt sich gegen Vorwürfe
Dieser weist die Beschuldigungen jedoch zurück: "Ich bin nicht der Maulwurf und ich habe keine Interna weitergeben. Offenbar hat Philipp ein Problem mit mir, ich weiß auch nicht warum. Wir werden das im direkten Gespräch klären, denn ich habe keine Lust, noch länger der Buhmann zu sein." Zur Aussprache in Bremen ließ es Kohlschreiber jedoch nicht kommen, stattdessen verweigerte er Waske den Zutritt zur Kabine und wollte im Fernsehen auch nur dann für ein Interview zur Verfügung stehen, wenn Waske nicht mit im Bild sei.
Auch machte Kohlschreiber ihn dafür verantwortlich, dass Waske im Fernsehen seinen Aufenthalt in einem Bremer Krankenhaus am Freitagabend öffentlich gemacht hatte. Die Information war jedoch vom Teamarzt Dr. Rembeck an Mitarbeiter des Senders herangetragen worden. Der "routinemäßige Bluttest", wie es dann in einer kurzfristig herausgegebenen Pressemitteilung des DTB hieß, sorgte ebenfalls für Verwirrung. Denn zur Routine passte nicht, dass die Ergebnisse dem Teamarzt nachts um zwei Uhr mitgeteilt wurden.
Waske von Kohlschreiber beim World Team Cup übergangen
Kohlschreiber soll auf den Test bestanden haben, da er sich nicht gut fühlte und ebenso beharrte er dann auf seinen Einsatz am Samstag im Doppel. Rein sportlich gesehen wäre Kiefer wohl die bessere Wahl gewesen, da er über den wesentlich besseren Volleyschlag verfügt. Diese Schwäche Kohlschreibers war nicht zu übersehen, ebenso wie die Tatsache, dass sich Philipp Petzschner in seiner Spielweise davon zunehmend verunsichern ließ. Kiefer und Kohlschreiber werden in den nächsten Wochen immer mal wieder gemeinsam antreten, um sich auf ein mögliches gemeinsames Doppel bei den Olympischen Spielen in Peking vorzubereiten.
Auch beim World Team Cup in Düsseldorf sind beide als Einzelspieler im deutschen Team wieder dabei und Kohlschreiber, der als Nummer-eins-Spieler sowohl Teamchef als auch Mannschaft nominiert, hat sich bereits festgelegt: Waske gehört dort nicht zur Mannschaft. Stattdessen spielen Petzschner und Christopher Kas im Doppel.
Eines steht nach der Woche in Bremen fest: Es herrscht dringender Gesprächsbedarf im deutschen Team.
Aus Bremen berichtet Petra Philippsen / Eurosport