Bundesliga - Der Torwart macht den Unterschied

Eurosport - Mo 14.Apr. 20:08:00 2008

Während in Leverkusen die "Big Points" gegen Stuttgart vorsichtig gefeiert wurden, war der Sündenbock für VfB-Trainer Armin Veh schnell gefunden: Nachwuchs-Keeper Sven Ulreich, der die Schwaben mit kapitalen Schnitzern auf die Verliererstraße brachte.

FOOTBALL 2007-2008 Bundesliga Leverkusen-Stuttgart Kießling Ulreich - 0

Normalerweise ist Armin Veh in seiner Spielanalyse sehr bedacht und scheut öffentliche Einzelkritik wie ein echter Schwabe das Geldausgeben.

Doch nach der 0:3 (0:2)-Niederlage seines VfB Stuttgart beim direkten Konkurrenten um die internationalen Startplätze brach er mit diesem Grundsatz. "Da muss man nicht groß drum herum reden: Die zwei Torwartfehler entscheiden das Spiel", ärgerte sich Veh über seinen jungen Keeper, dem in der BayArena wahrlich ein "gebrauchter Tag" angedreht wurde. "Es bringt nichts, ihn zu schützen. Auch wenn er jung ist, muss er den Druck aushalten", lautete die klare Ansage des Trainers.

Zwei dicke Schnitzer des VfB-Torhüters

Ulreich hatte mit zwei völlig missglückten Faustparaden den Ball Simon Rolfes (40.) und Stefan Kießling (45.+1) bei den ersten beiden Gegentoren quasi auf dem Silbertablett präsentiert. Es passte ins Bild für den verpatzten Auftritt Ulreichs, dass sich Matthieu Delpierres Pressschlag mit Rolfes (70.) zur Bogenlampe geriet und sich hinter ihm zum 0:3 ins Tor senkte. Auch hier machte der 19-Jährige eine unglückliche Figur, auch wenn ihm dieser Treffer nicht wirklich anzukreiden ist.

Ulreich steht seit dem 19. Spieltag im Tor der Stuttgarter, nachdem Veh die Fehlgriffe von Stammkeeper Raphael Schäfer zu viel geworden waren. Eigentlich hatte Ulreich von Veh eine Stammplatzgarantie bis zum Saisonende bekommen.

Doch bislang konnte das Eigengewächs das Vertrauen nicht zu hundert Prozent rechtfertigen. Sein kapitaler Schnitzer gegen Jena kostete den VfB den Einzug ins Pokal-Halbfinale. Ulreich verriet in seinen elf Spielen oft Schwächen beim Herauslaufen und in der Strafraumbeherrschung. Auch seine Abschläge haben so große Streuung, dass der Ball zu selten beim Mitspieler ankommt.

Wer steht gegen Nürnberg im Stuttgarter Tor?

Veh jedenfalls wollte (noch) keine neue Torwart-Diskussion entfachen, machte aber die nachhakenden Medienvertreter darauf aufmerksam, dass es ihm zu überlassen sei, ob Ulreich gegen Nürnberg am Mittwoch im Tor steht. Pikanterweise ist der "Club" der ehemalige Verein von Schäfer, der bei einem etwaigen Comeback besonders motiviert sein dürfte. "Nachdem ich Raphael rausgenommen habe, trainiert er sensationell", berichtete Veh.

So oder so haben sie in Stuttgart im Vergleich zur Konkurrenz ein Torwartproblem, dass sie sich nach all den gemeisterten Krisen in dieser Saison gerne erspart hätten. Doch auch Veh hatte in Leverkusen gesehen, dass "solche Dinge Spiele in der Spitze entscheiden."

Starker Adler verhindert Rückstand

Wie wertvoll ein sicherer Rückhalt gerade im Bundesliga-Endspurt und notwenig für internationale Ansprüche ist, bekam Veh im gleichen Spiel auf der anderen Seite zu sehen, als Rene Adler sein außergewöhnliches Können einmal mehr unter Beweis stellte. Gegen Roberto Hilbert (29.) bewahrte der Bayer-Keeper die Werkself reaktionsschnell per Fußabwehr vor einem Rückstand, einen Cacau-Kopfball (75.) "hexte" er mit einem Handreflex von der Linie.

Da war das Spiel allerdings schon fast gelaufen, in der zweiten Halbzeit bot Bayer das, was in den letzten Wochen schmerzlich vermisst wurde: Mehr gewonnene Zweikämpfe im Mittelfeld und schönen Kombinationsfußball. "Ich bin froh, dass wir den Negativtrend stoppen und unsere Situation verbessern konnten. Wo wir jetzt sind, da wollen wir auch bleiben", bekräftige Trainer Michael Skibbe den Sprung auf UEFA-Cup-Platz vier.

Kießling will sich erst auf Kurskorrektur Richtung Champions League einlassen, "wenn wir die UEFA-Cup-Teilnahme sicher haben". Diese Marschroute hält auch Rolfes für klug und konterte die Frage nach aufkommender Euphorie mit einem Lächeln: "Wir sind, glaube ich, nicht Erster." Wie zuvor von Veh eine treffende Analyse.

Alexander Beisse / Eurosport