Eurosport - Mo 14.Apr. 19:56:00 2008
Bayern München becirct die Liga. Nach dem 5:0 (4:0)-Heimsieg gegen Borussia Dortmund schwärmen die Vereinsbosse in höchsten Tönen. Für Manager Uli Hoeneß war es "Fußball zum Verlieben", für Präsident Franz Beckenbauer "zum Genießen". Die Generalprobe für das DFB-Pokalfinale wurde zur Gala.
Nach dem Abpfiff ließen sich die Bayern auf Knien von den Fans schon wie die Meister feiern und auch Hoeneß zweifelte kaum noch am 21. Titel. "Das war ein wichtiger Schritt in Richtung Meisterschaft. Ich glaube nicht, dass da noch viel passieren kann", sagte der "Macher" des Rekordmeisters und hat damit wohl Recht. Der Tabellenführer aus München hat seinen Vorsprung in der Bundesliga auf satte zehn Punkte vor dem neuen Tabellen-Zweiten Werder Bremen ausgebaut. Der Traum vom "Titel-Triple" lebt nach einer turbulenten Woche mit dem "Dusel-Remis" in Getafe stärker denn je.
Für Hoeneß war der Kantersieg gegen einen bei so viel Fußball-Ästethik völlig irritierten BVB vor allem deshalb so schön, weil das Vorurteil, Bayern sei nur mit Franck Ribery stark, "brillant widerlegt" wurde. Der angeschlagene Franzose bekam von Trainer Ottmar Hitzfeld eine Verschnaufpause verordnet und verfolgte die Partie strahlend von der Tribüne aus. Ebenso wie Miroslav Klose und Lucio übrigens. Wichtige Erkenntnis: Auch ohne diese tragenden Säulen war die Vorstellung der Münchner von Grund auf solide.
Den Treffern des endlich wieder mutig agierenden Lukas Podolski (3.), dem überragenden Ze Roberto (8.) und "Tor-Charmeur" Luca Toni (18./22.) vor der Pause waren wunderbar herausgespielt. Sauber und klar kamen die Spielzüge daher. Das blitzend-breite Lächeln Tonis, der in dieser Saison jetzt sagenhafte 31 (!) Pflichtspieltreffer aufweist, passte ins Bild. "Der späte Ausgleich in Getafe hat uns geholfen. Das war ein riesiger Adrenalinstoß, den wir bis heute konservieren konnten. Wir hatten eine optimale Chancenauswertung in der ersten halben Stunde", frohlockte Hitzfeld und freute sich nur noch mehr, als Andreas Ottl mit seinem ersten Treffer in der Allianz Arena noch eines drauflegte (67.).
Bereits nach dem 28. Spieltag hat der FC Bayern mit 60 Zählern so viele erreicht wie in der kompletten vergangenen Saison. Dass Kapitän Oliver Kahn in seinem 554. Bundesligaspiel in der Pause auf Grund einer Halswirbelverletzung für Michael Rensing ausgewechselt werden musste, wurde billigend in Kauf genommen. Auch am Mittwoch bei Eintracht Frankfurt (20:00 Uhr im Live-Ticker) darf der "Titan" seine Blessur ausheilen lassen, um im DFB-Pokalfinale vollkommen fit sein zu können.
Doll: "Das war eine Hinrichtung!"
In dieser Form können sich die Bayern am Samstag aber ohnehin nur selbst schlagen, obgleich Hitzfeld warnende Töne anschlägt. "Das wird ein ganz anderes Spiel. Da müssen wir höllisch aufpassen, dürfen nicht überheblich sein. Dortmund kommt mit Wut im Bauch, will sich rehabilitieren", warnte er. Das erscheint aus BVB-Sicht auch bitter nötig.
"Das 0:5 kam einer Hinrichtung gleich. Keiner meiner Spieler hatte Normalform. So möchte ich meine Mannschaft nie wieder sehen", wetterte Borussen-Trainer Thomas Doll. Auch Florian Kringe war konsterniert. "Wir haben Einladungen verteilt. Die erste halbe Stunde von uns hatte mit Fußball nichts zu tun. Wir sind überhaupt nicht in die Zweikämpfe gekommen, da hätten wir auch gleich im Bett bleiben können", moserte der Mittelfeldspieler. Und im Hintergrund feierten die Bayern.