Bundesliga - Brack: "Nationalteam muss Ziel sein"

Eurosport - Fr 14.Mrz. 13:44:00 2008

Daniel Brack gehört zu den torgefährlichsten Mitte-Spielern der Bundesliga. Der Spielmacher von HBW Balingen-Weilstetten äußert sich im Interview mit eurosport.yahoo.de über den Lauf des Aufsteigers, das Duell gegen den THW Kiel und seine Chancen auf eine Nominierung für die Nationalmannschaft.

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Daniel, Balingen-Weilstetten hat sich als "Underdog" in der Bundesliga schon verhältnismäßig früh von den Abstiegsplätzen entfernt. Mit dem Sieg gegen die Rhein-Neckar Löwen habt ihr sogar einen richtig "Großen" geschlagen. Was ist das Geheimnis?

Daniel Brack: Für den Erfolg gibt es mehrere Gründe. Zum einen wäre da die aggressive 3-2-1-Abwehr, die wir fast immer spielen. Zudem haben wir es geschafft, mit nur vier Rückraumspielern sehr gut durch die bisherige Saison zu kommen. Martin Strobel, Stefan Kneer, Chi-Hyo Cho und ich ergänzen uns sehr gut.

In Strobel und Kneer verliert ihr zwei wichtige Säulen im Team. Strobel wechselt zum TBV Lemgo, Kneer geht zum TV Großwallstadt. Kann Balingen-Weilstetten diese beiden Abgänge kompensieren?

Brack: Solche Verluste werden für den HBW immer schwer zu verkraften sein. In Balingen-Weilstetten wachsen die Bäume ja nicht gerade in den Himmel. Wir haben hier nicht die finanziellen Mittel, solche Spieler beliebig zu ersetzen. Martin Strobel kann auf allen drei Rückraumpositionen spielen und ist in der Abwehr bei uns gesetzt. Stefan Kneer übernimmt bei einer 5-1-Deckung die wichtige Position in der Mitte und ist im Angriff einer unserer "Shooter" - solche Spieler findet man nicht auf die Schnelle. Aber wir haben in Spyros Balomenos von der MT Melsungen und Philipp Müller vom TV Großwallstadt zwei ambitionierte Rückraum-Kräfte verpflichtet.

Jetzt geht es gegen ein richtiges Handball-Schwergewicht - den THW Kiel. Was erwartest du dir vom Duell gegen eine der besten Mannschaften der Welt?

Brack: Wir sind natürlich krasser Außenseiter. Kiel hat in der vergangenen Saison alle Titel geholt, die es zu holen gibt. Mal sehen, wie viel Kraft den THW das Champions-League-Spiel gegen Ademar Leon gekostet hat.

Wie kann man das Star-Ensemble des THW stoppen?

Brack: Entscheidend ist, die überragende Gegenstoß-Qualität der Kieler in den Griff zu bekommen. Der THW spielt mittlerweile ja fast ausschließlich mit erster und zweiter Welle und versucht damit, seine Gegner regelrecht zu überrollen. Wenn es uns gelingt, das einzudämmen, haben wir schon viel erreicht. Aber dann verfügen die Kieler natürlich immer noch über überragende Einzelspieler. Selbst wenn man die Konter unterbinden kann, wird es sehr schwer. Ich hoffe allerdings, dass wir mit den 6.500 Zuschauern im Rücken dem THW alles abverlangen können. Letztlich müssen wir aber auf einen schlechten Tag des THW hoffen, um ein ordentliches Ergebnis zu erzielen.

Ein Grund für die momentane gute Situation des HBW ist auch deine starke Form. Mit 127 Toren in 24 Spielen bist du der Top-Torschütze bei Balingen-Weilstetten. Ist das nicht fast schon ein schlechtes Zeichen, wenn der "Regisseur" mehr Tore erzielt als die Halbspieler?

Brack: Nein, das sehe ich nicht so. Ein moderner Mitte-Spieler muss torgefährlich sein. Wenn ich nur auf meine Mitspieler schaue und die Bälle verteile, kann ich keinen direkten Druck mehr auf die gegnerische Abwehr ausüben. Außerdem sind Cho und Kneer auch immer besser in Schwung gekommen und steuern viele Tore bei.

Statistisch gesehen befindest du dich in dieser Saison auf Augenhöhe mit Michael Kraus. Der bekam von Bundestrainer Heiner Brand nach der EM eine Denkpause verordnet. Hat sich Brand schon einmal bei dir gemeldet?

Brack: Nein, bisher nicht.

Noch kein Signal von Seiten des DHB?

Brack: Nicht, dass ich wüsste.

Du bist mit 27 Jahren im besten Handballer-Alter - gibt es keine Ambitionen Richtung Nationalmannschaft?

Brack: Doch, die Nationalmannschaft muss immer das Ziel eines Profi-Sportlers sein. Es wäre ein Traum für mich, denn jeder will einmal für sein Land spielen. Aber das liegt nicht in meiner Hand. Ich mache mir da momentan keine großen Gedanken. Wenn meine Leistungen weiter stimmen, könnte vielleicht schon ein Länderspiel dazukommen. Ich setze mich da nicht unter Druck.

Zum Schluss ein kleiner Ausblick Richtung Saisonende: Wo steht Balingen-Weilstetten nach dem 34. Spieltag?

Brack: Mit den 20 Punkten haben wir uns eine sehr gute Basis erarbeitet. Die richtig schweren Aufgaben kommen jetzt mit Kiel, Hamburg und Lemgo. Wenn am Ende eine Platzierung um Rang zehn oder elf herausspringen würde, wäre das ein Riesenerfolg.

Das Gespräch führte Stefan Zürn / Eurosport