Bundesliga - Röber: "Der nächste Schuss muss sitzen"

Di 14.Feb. 16:10:00 2012

Ihm blutet das Herz, wenn er an die Hertha-Krise denkt. eurosport.yahoo.de sprach mit Ex-Trainer Jürgen Röber, der den Hauptstadtklub 1997 in die Bundesliga führte. Der 58-Jährige legt den Finger in die Wunde. Röber analysiert die angespannte Lage und spricht über einen Nacholger für Michael Skibbe.

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Das Interview führte Dirk Adam

Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation nach der Skibbe-Entlassung?

Jürgen Röber: Die aktuelle Situation ist grundsätzlich negativ für den Verein. Ich will die momentane Situation nicht auf Skibbe ummünzen, das steht mir nicht zu. Da sind vor allem auch die Spieler gefordert, die sich einfach anders präsentieren müssen. Aber für Skibbe persönlich ist es natürlich schlecht, dass er nach fünf Spielen entlassen wurde.

Der Verein ist auf der Suche nach einem Nachfolger. Namen wie Stanislawski, Doll und Balakov machen die Runde. Wen präsentiert die Hertha als neuen Trainer?

Röber: (lacht...) Das ist schwer zu sagen. Ich habe zu meiner damaligen Zeit in Stuttgart Krassimir Balakov geholt und weiß, dass er ein überragender Fußballer ist. Wie er als Trainer arbeitet, kann ich nicht beurteilen. Aber ich weiß, dass er natürlich ein Fußball-Fachmann vor dem Herrn ist. Holger Stanislawski kann man so beurteilen, wie man ihn kennt. Er war auf St. Pauli ein Typ, der da hin gepasst hat. Warum das in Hoffenheim nicht geklappt hat, weiß ich nicht. Stanislawski ist ein Trainer, der eine Mannschaft begeistern kann. Thomas Doll hatte beim HSV eine erfolgreiche Zeit und war zuletzt im Ausland. Wir haben uns mal in Ankara getroffen. Letztendlich ist es aber Sache des Vereins, zu entscheiden wer kommt. Und da kann ich nur hoffen, dass im Sinne des Vereins, der Stadt und der Fans die richtige Entscheidung getroffen wird.

Sie haben die "Alte Dame" vor 15 Jahren in die Bundesliga geführt. Würden Sie den Verein noch einmal trainieren, wenn sich Manager Michael Preetz bei Ihnen meldet?

Röber: Nein, denn ich habe nach über 40 Jahren für mich beschlossen, nicht mehr als Trainer in der Bundesliga zu arbeiten. Vielleicht werde ich auf Grund meiner Qualifikationen noch einmal im Ausland in einer Art Zwischenposition von Manager und Trainer tätig, da ist der Stress nicht so groß. Ansonsten nicht, denn ich möchte diesen Stress und diesen Druck einfach nicht mehr haben.

In der Hinrunde holten die Berliner mit Ex-Trainer Markus Babbel immerhin 20 Punkte. War's ein Fehler, ihn zu entlassen?

Röber: Die Art und Weise, wie die Entlassung in der Öffentlichkeit rüber gekommen ist, war nicht in Ordnung. Zudem wirkte diese Aktion etwas unglücklich für den Verein und die Stadt. Warum, weshalb und wieso? Das wissen nur Markus Babbel, Michael Preetz oder Präsident Werner Gegenbauer. Man hätte diese Entlassung aber klüger regeln müssen. Wie es rüber gekommen ist, war es leider für alle Seiten schlecht.

Warum kühlt das Betriebsklima in der Hauptstadt immer so schnell ab? Waren Babbel und Skibbe die falschen Trainer?

Röber: Ich glaube nicht, dass Markus Babbel der verkehrte Trainer war. Soweit ich weiß, hat er gut gearbeitet. Und wenn man die Spieler hört, war das in Ordnung. Bei Michael Skibbe kann ich nicht beurteilen, was da in der Kürze abgelaufen ist. Ich weiß nur, dass es in der ersten Woche gleich das Theater mit Christian Lell gab, was für den Rückhalt des Trainers und die gesamte Kommunikation natürlich nicht förderlich war. Da ist Skibbe voll in den Fettnapf getreten.

In der Kritik steht vor allem Manager Preetz, der in den vergangenen zweieinhalb Jahren vier Trainer vor die Tür setzte. Wie bewerten Sie seine Arbeit?

Röber: Das ist schwer zu sagen, darüber möchte ich mir kein Urteil erlauben. Aber der nächste Schuss muss sitzen, wenn er den neuen Trainer präsentiert. Das wissen die Berliner Verantwortlichen aber sicherlich selber. An dieser Entscheidung wird Preetz gemessen. Wenn es wirklich noch einmal runtergehen sollte, was ich um Gottes Willen nicht hoffe, dürfte es schwer werden. Dann sprechen nur noch die Fakten. Jetzt kann man nur hoffen, dass er den richtigen Griff tätigt und den passenden Trainer aus dem Hut zaubert.

Hertha ist ein Verein, der sich die Steine selbst in den Weg legt. Welches Potenzial hat die Mannschaft wirklich?

Röber: Im Prinzip hat das Team mehr Potenzial, als es die aktuelle Tabellenposition aussagt. Aber wenn sich die Spieler die momentane Situation genau anschauen, dann müssten sie eigentlich wissen, dass sie gefordert sind. Wenn ich mir einige Herren anschaue und sehe, wie die herumlaufen, dann muss ich ganz ehrlich sagen, dass sich diese Profis einmal hinterfragen müssen, warum das alles gerade passiert. Ich habe das eine oder andere Spiel gesehen. In Nürnberg hat sich Berlin den Schneid abkaufen lassen. Danach kommt der HSV völlig verunsichert nach der 1:5-Klatsche gegen den BVB nach Berlin und entführt drei Punkte aus dem Olympiastadion. Da kann man nicht sagen, das ist nicht mein Problem. Da müssen sich die Spieler mal an die eigene Nase fassen.

Gibt es überhaupt noch Spieler, die sich trotzdem voll reinhängen?

Röber: Natürlich. Ich denke da vor allem an Pierre-Michel Lasogga, der sich in jedem Spiel voll reinhängt und alles für seinen Verein gibt. Von seinem Beispiel können sich einige andere Mannschaftskollegen in Zukunft mal eine Scheibe abschneiden.

Ihm blutet das Herz, wenn er an die Hertha-Krise denkt. eurosport.yahoo.de sprach mit Ex-Trainer Jürgen Röber. - 2 Zieht das Team mit seinen unglücklichen Auftritten das Pech magisch an?

Röber: Beim Spiel gegen Borussia Mönchengladbach war Berlin die klar bessere Mannschaft, allerdings waren die "Fohlen" auch nicht so gut. Aber wenn das Team meint, man kann alles so in Ruhe weitermachen, dann wird man irgendwann einmal dafür bestraft. Dann will man zurückrudern und dann passiert das, was gegen Mönchengladbach passiert ist. Man bekommt einen unberechtigten Elfmeter und scheidet im DFB-Pokal aus. Und dann kommt so ein Spiel wie Stuttgart, wo Andreas Ottl die Rote Karte bekommt, der normalerweise überhaupt nicht der Typ dafür ist. Aber da kommt eben alles zusammen. Ich sage immer, da oben ist einer und der passt auf. Wenn man als Spieler schludert und denkt, jetzt ich bin oben und brauche mich nicht mehr bewegen, dann geht das nicht. Entweder ich gehe immer an die Grenzen und bringe meine Leistung oder man lässt es besser sein.

Viele Hertha-Fans denken bereits an das Horror-Szenario. Bleibt den Berlinern ein bitterer Abstieg wie 2010 erspart?

Röber: Ich hoffe, dass dieses Szenario ausbleibt. Ich gehe in Berlin lieber in der ersten Liga ins Stadion. Auf gar keinen Fall in der zweiten. Diese Gurkerei, die teilweise in der Zweiten Liga war, die möchte ich hier nicht haben. Deshalb drücke ich die Daumen, dass Hertha noch die Kurve kriegt. Und man muss auch die Fans bewundern, dass sie trotz der Negativ-Serie immer wieder zu den Spielen gehen und die Mannschaft unterstützen. Wenn ich an meine Zeit denke, wo ich nach zwei Niederlagen schon geglaubt habe, ich werde gleich entlassen, ist das schon beachtenswert und sollte dem Verein Hoffnung machen.

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