Eurosport - Do 14.Feb. 14:56:00 2008
Nach der Ausladung seines Astana-Teams von der Tour de France will sich Alberto Contador nun auf die Olympischen Spiele und die Spanien-Rundfahrt konzentrieren. Das erklärte der 25-jährige Spanier nach der 4. Etappe der Mallorca- Rundfahrt, auf der er seinen Frust in einer wilden Attacke entlud.
Die Rote Karte durch die Tour-Veranstalter der Tour de France hat Contador in Rage gebracht. Als er vom Tour-Aus erfuhr, startete er einen wütenden Ausreiß-Versuch, schrie trotzig in die Mikrofone des spanischen Fernsehens: "Astana bei der Tour!" und gab im Ziel unter Tränen die dramatische Änderung seiner Saisonpläne bekannt. Vuelta-Direktor Victor Cordero, der Astana im Vorjahr nicht starten ließ, folgt nicht dem aktuellen Giro- und Tour-Beispiel und erklärte: "Die Mannschaft ist willkommen."
Andreas Klöden, der am 20. Februar bei der Algarve-Rundfahrt in Portugal verspätet in die Saison starten wil, denkt derweil laut Manager Tony Rominger nicht an einen Wechsel. Klöden würde seinen fürstlich dotierten Vertrag verlieren, sollte er sich einem anderen Team anschließen. "Er hat einen laufenden Vertrag bis Ende des Jahres. Wir warten erst mal ab und erarbeiten einen alternativen Wettkampfplan. Ein Wechsel ist kein Thema", sagte Rominger
Ein Teamwechsel dürfte auch für Contador wohl kaum infrage kommen. Tour-Chef Christian Prudhomme hatte erklärt, in einem anderen Team stehe einem Contador-Start nichts im Wege. Auf Wechsel-Absichten angesprochen, die die Freigabe durch seinen kasachischen Sponsor voraussetzen würden, sagte der Spanier auf Mallorca nichts.
Bruyneel stinksauer
Schon nach dem Giro-Aus hatten die Astana-Geldgeber - potente Industrie-Unternehmen Kasachstans unter der Schirmherrschaft der Landesregierung - dem Team Rückhalt signalisiert. Ob sie auch eine zumindest einjährige Tour-Abstinenz schlucken werden, bleibt abzuwarten. Team-Manager Johan Bruyneel lamentierte nach der Schock- Nachricht aus Paris von himmelschreienden Ungerechtigkeiten und verwies auf seinen teaminternen, strikten Anti-Doping-Kurs unter dem dänischen Experten Rasmus Damsgaard, der seine zum ersten Mal bei CSC erprobten Test-Methoden inzwischen zum Export-Schlager machte. "Wir geben 460 000 Euro dafür aus", meinte Bruyneel. Der Belgier, der hinter der Siegesserie des siebenfachen Tour-Rekordsiegers Lance Armstrong stand, musste aber einsehen, dass diese Mittel für seine Image-Politur und die des Teams offensichtlich nicht reichten.
Die Problematik der Astana-Vergangenheit sei ihm klar, aber die gesamte Team-Struktur und die Führungs-Ebene habe sich total geändert, gab der neue Astana-Lenker Bruyneel zu bedenken. "Teams mit ähnlich verdächtiger Vergangenheit" dürften laut Bruyneel dagegen ungerechterweise starten. "Ich bin geschockt und sehr enttäuscht. Zusammen mit meinen Freunden, der Familie und Fans können wir absolut nicht verstehen, warum wir Albertos Titel nicht mit zwei aussichtsreichen Fahrern, mich inklusive, verteidigen können", sagte Astana-Co-Kapitän Levi Leipheimer (USA), der bis 2006 das Team Gerolsteiner anführte. Leipheimer will nun erst einmal seinen Sieg vom Vorjahr bei der Kalifornien-Rundfahrt verteidigen.
dpa / Eurosport