Halle/Westfalen (dpa) - Siegen oder nicht nach Peking fliegen: Die deutschen Volleyball-Frauen stehen bei der europäischen Olympia-Qualifikation im westfälischen Halle unter enormem Erfolgsdruck.
Kapitän Angelina Grün und Co. müssen es im Gerry-Weber-Stadion besser machen als die Männer beim Aus in Izmir, denn ihnen bleibt nur diese eine Chance. Mit Ausnahme von Europameister Italien, der sich als Sieger beim World Cup Ende des Vorjahres in Japan die Olympia-Teilnahme sicherte, kämpfen alle anderen Frauen-Top-Teams um ein Ticket.
«Das Turnier ist im Prinzip eine Europameisterschaft, und es wird enorm schwer, am Ende die Nase vorn zu haben. Es wäre toll, mal wieder einen Erfolg in Deutschland feiern zu können», sagte Grün, die im Vorjahr zum achten Mal hintereinander seit 2000 zur deutschen Volleyballerin des Jahres gewählt wurde. «Ich hoffe, dass wir einen guten Auftakt erwischen und uns das Publikum helfen kann, über uns hinaus zu wachsen», fügte Italien-Profi Grün hinzu. Ihr Traum ist es, zusammen mit ihrem Lebensgefährten Stefan Hübner aus dem Männer-Team nach Peking fahren zu können.
Schon dreimal haben die deutschen Frauen für ein Wunder im Kampf um das Olympia-Ticket gesorgt: 1996 und 2000 jeweils in Bremen sowie 2004 in Baku/Aserbaidschan. Zunächst muss in Gruppe B gegen die Türkei, Ex-Europameister Polen und Grand-Prix-Gewinner Niederlande das Halbfinale erreicht werden. In Gruppe A sind Weltmeister Russland und der WM-Dritte Serbien gegen Rumänien und Kroatien favorisiert.
«Unsere Gruppe ist sehr interessant, es gibt kein leichtes Spiel», urteilte Bundestrainer Giovanni Guidetti und glaubt an eine Chance seines Teams: «Es wird für alle schwer. Wir probieren es zu gewinnen.» Werner von Moltke, Präsident des Deutschen Volleyball- Verbandes (DVV), möchte möglichst beide deutschen Mannschaften in Peking am Start haben und hat dazu für die Voraussetzungen gesorgt: «Ich hoffe, dass uns der Heimvorteil hilft.» Die DVV-Männer dürfen es vom 23. bis 25. Mai in Düsseldorf erneut probieren.
Guidetti konnte mit Zuspielerin Tanja Hart (Wiesbaden), die seit der WM Ende 2006 nicht mehr in der Nationalmannschaft stand, und Italien-Profi Hanka Pachale (Perugia), die im Dezember 2001 ihr letztes Auswahlspiel bestritt, zwei erfahrene Akteure zur Rückkehr überzeugen. Dafür fehlt Libero Kerstin Tzscherlich (Dresden), die nach einer Knieoperation am 27. Dezember passen muss und von ihrer Vereinskameradin Heike Beier, einer gelernten Außenangreiferin, ersetzt werden soll.
Auftaktgegner Türkei muss auf die schwangere Demir Neslihan verzichten, die bei der WM 2006 in Japan punktbeste Spielerin war. Im Vorjahr gab es gegen diesen Rivalen fünf Siege. Auch gegen Polen konnte zweimal gewonnen werden, zudem gab es Selbstvertrauen bei Turniersiegen in Italien sowie bei der europäischen Grand-Prix-Qualifikation in Ankara. Dass solche Siege aber nicht zählen, zeigte die EM in September des Vorjahres, wo nach 0:3-Niederlagen gegen Italien und Russland nur Rang sechs blieb.


