Tour de France - Wegmann: "Werde es jeden Tag probieren"

Eurosport - Di 13.Jul. 00:25:00 2010

Entspannt stellt sich der zweifache deutsche Meister Fabian Wegmann im Interview der Woche mit eurosport.yahoo.de den Fragen zur Tour. Im "Club Med" von Avoriaz blickt der Sieger des Frankfurter-Klassikers vom Milram-Team optimistisch auf den weiteren Rennverlauf und gewährt jede Menge Einblicke.

- 0

Es ist weiter richtig heiß in Frankreich, selbst in den Bergen: Wie kommen Sie im Rennen mit der Hitze klar?

Fabian Wegmann: Es ist schon extrem, wir fahren meistens durch die pralle Sonne - da hat es schnell auch mal 45 Grad. Wenigstens haben wir etwas Fahrtwind, aber der ist auch meistens eher wie ein Fön. Es gibt nur eine Lösung: trinken ohne Ende. Ich wechsle dabei zwischen Wasser und Mineraldrinks ab. Von kühlenden Eispacks halte ich nicht so viel - sobald sie weg sind, wird einem noch heißer. Aber vom Typ her komme ich mit Hitze gut klar, da haben andere Fahrer mehr Probleme mit diesen Bedingungen.

Fällt es nicht extrem schwer, jetzt während der Etappe genügend zu essen?

Wegmann: Und wie! Man hat weniger Hunger, kaum Appetit, der Mund ist trocken, alles klebt schnell am Gaumen - man muss sich wirklich zwingen.

Wie fällt die Tour-Zwischenbilanz nach acht Etappen aus?

Wegmann: Ganz gut. Ich habe die erste Woche gut gemeistert, bin sogar auf der Etappe nach Spa ohne Sturz durchgekommen - also insgesamt bisher nur einmal gestürzt. Als Team hatten wir immerhin schon einen zweiten Platz mit Gerald Ciolek - und das, obwohl wir jetzt nicht unbedingt das Team sind, das einen Sprintzug aufbaut. Und in den Sprints wäre sogar noch mehr drin gewesen. Pech hatten wir in der Gruppe mit Christian Knees, die hätte auch durchkommen können. Dann wäre vielleicht sogar Gelb drin gewesen für ihn. Aber leider hat das Feld sehr früh mit der Jagd begonnen. Mich wundern manche kritischen Stimmen zu unserer Leistung etwas, denn wir können nicht auf allen Hochzeiten tanzen: Auf Flachetappen für Gerald fahren, gleichzeitig in die Ausreißergruppen gehen und auch noch auf Gesamtwertung fahren. Wir haben zum Beispiel immer klar gesagt, dass uns das Klassement nicht interessiert, da kann man uns jetzt nicht unsere schlechten Platzierungen vorwerfen.

Wie ist die Zukunftsperspektive, für den Fortbestand des Teams sieht es ja eher düster aus: Gibt es bei Ihnen andere Interessenten?

Wegmann: Ja, es gibt Anfragen - aber um dieses Thema kümmert sich mein Manager. Ich bin aber sicher, dass ich auch im nächsten Jahr in der ProTour fahren werde. Und auch die anderen Fahrer von uns hier bei der Tour dürften für 2011 alle irgendwo unterkommen. Deshalb ist die Stimmung gut. Ich bin sowieso immer motiviert, egal ob es um einen Vertrag geht oder nicht - ich will immer gute Rennen fahren, deshalb mache ich ja diesen Sport. Aber wenn das Team nicht weiter bestehen würde, wäre das dramatisch für den deutschen Radsport.

Was sind die entscheidenden Punkte bei der möglichen Auswahl?

Wegmann: Das Umfeld muss passen, ich muss mich wohl fühlen. Außerdem muss das Rennprogramm stimmen: Ich will auf jeden Fall die Ardennen-Klassiker im April fahren können, das sind meine Rennen. Ein Team, das nur bei Paris-Roubaix startet, wäre eher nichts für mich. Alleiniger Kapitän muss ich gar nicht sein, Konkurrenz belebt durchaus das Geschäft.

Waren Sie als Etappen-Jäger überrascht, dass sich bisher in dieser Tour so oft die erste Gruppe auf einer Etappe auch gleich absetzen konnte?

Wegmann: Ja, das war schon eher untypisch. Oft ist es eher so wie auf dem Weg nach Morzine, dass eine ganze Weile bei Vollgas gekämpft wird, bis die gute Gruppe steht. Da hatte ich in dieser Tour schon etwas Pech: Mal habe ich beim ersten Angriff abgewartet - und das war dann erfolgreich, mal bin ich selbst angetreten und wir wurden nach einigen Kilometern wieder gestellt. Und man kann nicht pausenlos attackieren, sondern muss nach einem Antritt erst einmal kurz durchatmen.

Die Etappe nach Spa war perfektes Terrain für Sie, wurde dann aber vom Feld neutralisiert. Da wirkten Sie doch sehr genervt...

Wegmann: Logisch, denn so viele Etappen mit einem für mich idealen Profil gibt es nicht in dieser Tour! Ich war in der ersten Gruppe des Feldes, hatte die Stürze umschifft und wir waren auch schon bis auf 40 Sekunden an Ausreißer Chavanel dran. Aber es ist eben so: Wenn alle erst einmal abwarten, willst du nicht unbedingt der Typ sein, der in so einer Situation attackiert und sich unbeliebt macht...

Die Begeisterung am Startwochenende in den Niederlanden und Belgien war riesig, auch jetzt wieder in den Alpen stehen die Fans im dichten Spalier...

Wegmann: Auf der ersten Etappe war es wirklich extrem, da klingeln dir abends noch die Ohren - als wenn du aus der Disco kommst! Das ist einerseits schon heftig, denn da sind nicht mehr alle ganz nüchtern und standen dazu schon eine Weile in der Sonne... Andererseits ist es einfach geil, wenn einen eine Million Leute anfeuern, dafür macht man das Ganze ja auch. Und im Schlussanstieg nach Avoriaz wurden wir in unserer kleinen Gruppe bejubelt wie die Spitzenreiter, obwohl wir 20 Minuten Rückstand hatten.

Was rechnen Sie sich für die zwölf noch ausstehenden Etappen aus?

Wegmann: Einiges! Ich werde es jeden Tag probieren. Besonders eine Etappe wie die nach Mende sollte mir liegen, das ist ja kein Geheimnis. Den Schlussanstieg kenne ich noch vom letzten Mal bei der Tour, das ist eine echte Wand. Ich fühle mich noch recht frisch, besser als sonst zu diesem Zeitpunkt der Tour. Schließlich musste ich noch nicht an meine Reserven gehen, bin nur einmal gestürzt und hatte noch keinen richtig schlimmen Tag. Man muss aber manchmal eben auch etwas pokern und Glück haben, um die richtige Gruppe zu erwischen.

Wird das Team BMC von Cadel Evans das "maillot jaune" jetzt in den Alpen nicht gleich wieder an einen Ausreißer wie Sie abgeben wollen, um sich nicht zu früh aufzureiben?

Wegmann: Das wäre eigentlich die normale Logik. Aber im Fall von BMC vermute ich eher, dass es um das Trikot kämpfen wird. Denn das Team hat noch nicht so viele Erfolge vorzuweisen, und da rechne ich deshalb damit, dass sie Evans in Gelb halten wollen.

Sind Sie eigentlich nicht etwas neidisch auf Ihren Teamkollegen Christian Knees, der nun nach zwei Wegmann-Jahren bei der Tour im Meistertrikot fährt?

Wegmann: Nein, gar nicht. Gerade in diesem Jahr ist das nicht immer einfach: Der Straßenbelag wird bei der Hitze langsam flüssig und da muss man so ein weißes schon mal selbst per Hand vorwaschen - da kommt kein Neid auf!

TV-Tipp:

Verfolgen Sie die Tour de France hautnah: Alle Etappen LIVE im Eurosport-TV, im Eurosport Player (www.eurosportplayer.de) und natürlich auch im LIVE-Ticker auf eurosport.yahoo.de – und dazu die abendlichen Zusammenfassungen mit allen Highlights & Reaktionen!

Das Interview führte Andreas Schulz / Eurosport

Kommentare 1 - 12 of 12

Kommentare sortieren: Aktualität | Meist bewertet
  1. Hoffentlich schafft er es endlich mal, ich möchte ihn­ ganz vorne sehen. Ich wünsche ihn von Herzen einen­ Tour Etappensieg. Wir drücken dir die Daumen!!!

    Von sport_nrw_3, am Mi 14.Jul. 17:44
  2. Verstehe überhaupt nicht, was das Geschreibe um Lance­ und Ulle mit Team Milram und Fabian Wegmann zu tun­ haben.
    Team Milram, viel Glück bei der weiteren Tour.

    Von lancexx07, am Mi 14.Jul. 3:48
  3. An Sam.S!
    Jan Ulrich soll nach deiner Meinung nie wegen­ Dopings verurteilt worden sein!
    Und was war 2002?War da­ nicht eine Geschichte mit Doping durch Steroide?
    Und­ wurde er nicht Damals wegen Dopings für Sechsmonate­ gesperrt? Dann muss es ein anderer Jan Ulrich gewesen­ sein! Der zufällig auch ein Profiradrennfahrer war und­ denn gleichen Namen trug wie Jan Ulrich. Nur ist das­ Problem,ich Glaube nicht an Zufällen!
    Denn im­ Profiradsport hat es nie zwei Profis gegeben die Jan­ Ulrich hiessen. Es war nur Einer!

    Von Hermann, am Mi 14.Jul. 1:56
  4. Also eines ist doch klar: Lance Armstrong wurde 6 mal­ wegen Epo-Dopings 1999 bei der Tour überführt.­ Desweiteren wurde er positiv auf Cortison getestet ,­ ebenfalls Tour 1999. Hinzu kommen all die­ eidesstattlichen Aussagen vor Gericht, F. Andreu und B.­ Andreu, Anderson. Sein Trainer nannten sie im­ Fahrerfeld Dr.-Epo-Ferrari. Jetzt gibt es einen­ Untersuchungsausschuss gegen ihn. Vor seiner Erkrankung­ war er ein durchschnittlicher Fahrer. Erst mit 27 und­ viel Epo-Nachhilfe konnte er seine erste Tour gewinnen.­ Das alles deutet auf den größten Doping-Sportbetrug der­ Geschichte hin. Offenbar fährt er jetzt sauber und kann­ nicht mehr mithalten. Das sind die Fakten.
    Ganz anders­ bei Jan Ullrich: Nie konnte ihm Doping nachgewiesen­ werden. Seine Anklage beruhte im Gegensatz zu Armstrong­ nur auf Indizien. Auch wurde er nie verurteilt. Am Ende­ des Tages steht Armstrong als Doper da, das können auch­ seine ganzen sogenannten Fans nicht leugnen. Das sind­ die Fakten.

    Von Sam S, am Di 13.Jul. 19:22
  5. Wegmann ist ein wirklich symphatischer Zeitgenosse. Was­ ich nicht verstehe ist, dass es Team Milram nicht­ schafft, die eigenen Chancen realistisch einzuschätzen.­
    Durch Gerede von Etappensiegen, oder Top 10 bei der­ Gesamtwertung setzten sie selber sehr hohe Maßstäbe.­ Kein Wunder, dass da keiner als Sponsor in Frage kommt,­ weil Erwartungen nicht erfüllt werden können.

    Von akardi, am Di 13.Jul. 18:50
  6. Kommentar nicht angezeigt durch zu niedrige Bewertung. Zeigen

    Foxxy Brown
    Besser hätt ich es nicht ausdrücken­­ können. Die Behörden sind kräftig am untersuchen.­ Als­ erster fällt wohl Erik Zabel um. Dann bekommt­­ "unser" Epo-Wegmann seine lang erwartete­­ Strafe :-)

    Von Claus Zeller, am Di 13.Jul. 18:03
  7. Kommentar nicht angezeigt durch zu niedrige Bewertung. Zeigen

    Die Tour interessiert keinen mehr wirklich,lediglich­ die Pharmaindustrie, damit man rausfindet welches­ Dopingmittel unentdeckt bleibt! Das sind keine­ Sportler, sondern Probanden!

    Von TK, am Di 13.Jul. 17:45
  8. Interessantes Interview. Bin heute mal gespannt, denke­ dass es erste heftige Attacken auf Gelb geben wird.­ Wird jedenfalls spannend. Grüße an Andreas Schulz /­ Eurosport, mir gefallen Ihre TV-Kommentare immer sehr­ gut.

    Von amarschdiebergfee, am Di 13.Jul. 17:35
  9. Gutes Interview! Das der Schulz neben dem kommentieren­ auch noc interviews macht fin d ich shcon beachtlich.­ wie hat denn der diezeit dazu? daumen hoch!

    Von MonkishBuddha, am Di 13.Jul. 17:01
  10. Auf geht's Fabian, viel Glück - und verrat doch­ mal, wo du 2011 fahren wirst ;-)

    Deine alte & neue­ Heimat drückt dir die Daumen!

    Von Karl, am Di 13.Jul. 15:16
  11. guter typ, klare worte & humor: dem würde ich nen­ sieg gönnen!!!

    Von Else, am Di 13.Jul. 7:57
  12. Dann soll wegmann mal angreifen ich freue mich drauf­ ihn vorne zu sehen

    Von Marie Hester, am Di 13.Jul. 7:40
Kommentare sortieren: Aktualität | Meist bewertet

Kein Yahoo!-Nutzer? Kostenlos .