Athen (dpa) - Chris Kaman darf endlich für Deutschland auf dem Feld stehen und spielen, doch ob der zweite NBA- Basketballstar neben Dirk Nowitzki zu Beginn der Olympia-Qualifikation auch in der Startformation stehen wird, ist weiter offen.
«Das haben wir noch nicht entschieden», sagte Bundestrainer Dirk Bauermann vor der Auftaktbegegnung am 15. Juli in Athen gegen die Kapverdischen Inseln. «Es gibt noch eine Menge Fragezeichen.» Bauermann kündigte im Mannschaftshotel jedoch an: «Wenn wir etwas im Viertelfinale von ihm haben wollen, muss er in den ersten Spielen viel spielen.»
Kaman, der am 2. Juli eingebürgerte Center-Spieler der Los Angeles Clippers mit dem deutschen Urgroßvater, fühlt sich pudelwohl in seinem neuen Team. «Die Jungs sind großartig. Sie unterstützen mich prima. Es macht einen Riesenspaß», sagte der 2,13-Meter-Riese. «Wenn ich Fragen habe, helfen sie mir.» Sogar seine Eltern hat der Basketball-Hüne aus Grand Rapids in Michigan nach Athen bestellt, damit sie dabei sind, wenn er erstmals für Deutschland spielt. «Es ist ein große Ehre für mich, in dieser Mannschaft zu spielen.»
Seinen Fitnesszustand stuft der 26-Jährige im Moment auf «85 bis 90 Prozent» ein. Kaman, einer der fünf besten Center der Welt, hat in der NBA zuletzt wegen einer Fußverletzung nicht spielen können. Daher zog sich die Versicherungsfreigabe seines Clubs auch so lange hin. «Ich hoffe, dass ich nach den ersten Spielen voll da bin und der Mannschaft helfen kann», sagte er.
Bester Laune war Nowitzki, der Kamans Einbürgerung eingefädelt hatte, nach dem ersten Training der deutschen Korbjäger in der Athener Olympia-Halle. «Wir sind froh und glücklich, dass er hier ist und auch spielen darf», sagte der Superstar der Dallas Mavericks. «Unser großes Ziel sind die Olympischen Spiele. Und ich hoffe, dass der Traum nun wahr wird.»
Für den 30 Jahre alten Würzburger an der Spitze einer ganzen Generation deutscher Korbjäger, die mit WM-Bronze und EM-Silber für Furore auf der internationalen Basketball-Bühne gesorgt haben, dürfte Athen schon fast die letzte Chance auf die Olympia-Teilnahme sein. «Es geht für die Spieler um die Krönung der gemeinsamen Karriere in der Nationalmannschaft. Ich bin sicher, sie werden alle noch einmal alles geben und über sich hinauswachsen», stellte Bauermann fest, der allerdings mit Ademola Okulaja und Mithat Demirel auf zwei Stützen der Vergangenheit verzichten muss.
Nachdem die Clippers nach dem 84:74-Testspielerfolg der deutschen Auswahl gegen Kanada in Mannheim die Freigabe für Kaman erteilt hatten, strich Bauermann den jungen Aufbauspieler Gordon Geib aus dem Kader. Der Ex-Leverkusener verzichtete daraufhin ganz auf die Reise nach Athen - eigentlich hatte der Bundestrainer mit 13 Spielern nach Griechenland fliegen wollen.
Nach dem Wirbel der letzten Tage soll vor den Gruppenspielen gegen die Kapverden und gegen Neuseeland die Normalität zurückkehren. «Es bringt nichts, wenn man sich verrückt macht und mit Herzrasen aufwacht», so Bauermann. Der Gruppensieg ist Pflicht, denn im Viertelfinale wollen die Deutschen möglichst den heimstarken Griechen aus dem Weg gehen, auch wenn der mögliche Alternativ-Gegner Brasilien nicht viel schwächer sein dürfte. Im Falle einer Halbfinal- Teilnahme hätte das Team dann zwei Chancen auf das Olympia-Ticket.
Durch Kaman, der von den Clippers ein Jahresgehalt von rund zehn Millionen Dollar erhält, haben sich die Chancen der DBB-Auswahl gewaltig erhöht, eine der letzten drei Fahrkarten nach Peking zu ergattern. «Nun geht es darum, ihn so schnell wie möglich zu integrieren», sagte Bauermann. Diesem Prozess sieht Nowitzki gelassen entgegen. «Sicherlich wird Chris sich auf das europäische Spiel umstellen müssen, doch er ist ein guter Junge und wird das schaffen», sagte Nowitzki, der im letzten Test gegen Kanada mit 25 Punkten einmal mehr überragte.
Nun bekommt er Hilfe von Kaman, der in der abgelaufenen NBA-Saison im Schnitt auf 15,7 Punkte und 12,7 Rebounds pro Spiel gekommen war. «Er ist ein lustiger Bursche. Er wird sich schnell an unser Spiel gewöhnen, schließlich ist er ein NBA-Star», sagte der Neu-Frankfurter Konrad Wysocki, neben dem Bamberger Tim Ohlbrecht und dem Berliner Philip Zwiener einer der Neulinge im Team.



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