Eurosport - Di 13.Mai. 18:33:00 2008
Dem Tennis-Zirkus droht eine Zerreißprobe. Während der Chef der Spielerorganisation ATP Etienne de Villiers weiter fest davon ausgeht dass das Turnier am Hambruger Rothenbaum in die Drittrangigkeit verpflanzt wird, machen sich diverse Topspieler für den Erhalt des Masters-Status stark.
"Wir kämpfen für den Rothenbaum, das ist doch klar. Ich hoffe, dass alles so bleibt", sagte stellvertretend für die deutschen Profis Nicolas Kiefer. Nach seinem sicheren Auftaktsieg bei der mit 2,27 Millionen Euro dotierten Sandplatz-Veranstaltung machte der am Dienstag spielfreie Hannoveraner aber auch die ganze Hilflosigkeit derer deutlich, um die es im Kern eigentlich geht. "Wir Spieler sind nicht gefragt worden, aber wir werden machen, was möglich ist." Im August soll ein amerikanisches Gericht über die Situation Klarheit schaffen.
Harte Kritik von Rafael Nadal
Der Druck auf die Führung der ATP hat in den vergangenen Wochen merklich zugenommen. Angeführt von Branchenprimus Roger Federer und seinem Freund und ärgsten Konkurrenten Rafael Nadal hat sich im Hintergrund eine mächtige Front gegen Präsident Etienne de Villiers formiert, die eine Vertragsverlängerung für den einstigen Disney-Manager aus Südafrika verhindern will. De Villiers steht für allerhand zweifelhafte Reformen, die wie die Anfang 2007 eingeführten Gruppenspiele scheiterten und schon wieder Geschichte sind. "Er hat Fehler an Fehler gereiht", kritisiert nicht nur Nadal.
Nach den Vorstellungen de Villiers soll das Turnier am Rothenbaum von 2009 an nicht mehr dem erlauchten Kreis der Turniere angehören, die den höchsten Status nach den Grand Slams genießen. Stattdessen soll in Madrid ein kombiniertes Damen- und Herren-Turnier auf Sand stattfinden, für das der einflussreiche Tennis-Impressario Ion Tiriac die Werbetrommel schlägt. "Ich weiß auch nicht, was mit Hamburg passiert", sagte der einstige Manager von Boris Becker. "Ich glaube, im Moment weiß das niemand." Der Deutsche Tennis Bund pocht auf gültige Verträge und hat die ATP verklagt. "Wir wollen das Turnier so wie es ist erhalten", sagt DTB-Chef Georg von Waldenfels.
Federer: "Wir verteidigen dieses Turnier"
Auch der Weltranglisten-Erste Federer schwört auf den Rothenbaum, wo seine beispielhafte Karriere mit dem ersten von bislang vier Siegen 2002 begann und den Schweizer erstmals unter die Top-Ten der Tennis-Welt brachte. "Wir Spieler verteidigen dieses Turnier", sagte der Eidgenosse, der zwar ein ausgewiesener Gegner de Villiers ist, sich öffentlich aber bedeckt hält. "Wir melden uns schon zu Wort. Aber erst einmal müssen wir abwarten, was das Gericht sagt."
Darin liegt ein weiteres Problem, das die Turnierveranstalter betrifft und zunehmend ärgerlich macht. Da noch immer kein Terminplan für 2009 vorliegt, sind jegliche Planungen und Verhandlungen mit Sponsoren schwierig. Den am Rande der US Open 2007 vorgestellten Plan hat die ATP wieder eingezogen, nachdem das Gericht in Vermont dies als "ziemlichen Affront" gewertet hatte.
Ausgerechnet Wimbledonsieger und Lokalmatador Michael Stich, der am Rothenbaum 1993 triumphierte, fällt dem DTB wortreich in den Rücken. "Man sollte nicht krampfhaft versuchen, am Masters-Status festzuhalten. Die Fans würden auch kommen, wenn das Turnier eine Nummer kleiner wäre. Dann müsste man eben Stars einkaufen", sagte Stich der "Bild"-Zeitung.
dpa / Eurosport