Masters Hamburg - Nadal und Federer mit Sorgenfalten

Eurosport - Di 13.Mai. 14:33:00 2008

Sie sind grundverschieden und doch haben sie zwei Dinge gemeinsam: Rafael Nadal und Roger Federer reisten beide mit kleinen Negativerlebnissen in Hamburg an und ärgern sich mächtig über den geänderten Turnierkalender.

TENNIS 2008 Federer Nadal - 0

Schon nach wenigen Minuten versteht Rafael Nadal keinen Spaß mehr. Er beschleunigt seine Vorhand dermaßen, dass der Passierball unerreichbar an Richard Gasquet vorbeizischt und mit voller Wucht gegen die Rückwand des Platzes prallt. Eine lockere Trainingseinheit ist es sicher nicht, die der spanische Weltranglistenzweite in der Nachmittagssonne am Hamburger Rothenbaum absolviert. Sein Blick ist entschlossen, immer wieder schaut er zu seinem Onkel und Coach Toni Nadal hinüber. Für Späßchen und Geflachse ist jetzt der falsche Moment, Nadal ist hochkonzentriert. Auch die unzähligen Fans, die sich am Zaun zum Trainingsplatz drängeln, um einen Blick auf den Spanier zu erhaschen, können ihn nicht ablenken.

Nadal weiß genau, worum es geht. Er ist als Favorit in die Hansestadt gekommen, als unbestrittener Beherrscher des Sandplatzes. Dreimal siegte der 21-Jährige bei den French Open, ebenso oft beim Masters in Rom, dazu jeweils viermal in Barcelona und beim Masters in Monte Carlo. Seit 2005 hat er in 117 Partien auf der roten Asche nur vier verloren. Eine Bilanz, die ihresgleichen sucht und wohl nur mit der Dominanz eines Roger Federer auf Rasen vergleichbar ist. Der Schweizer konnte Nadal vor einem Jahr im Finale von Hamburg erstmals auf Sand bezwingen und beendete dabei dessen Serie von 81 Siegen in Folge auf Asche. "Das wurmt mich schon, obwohl ich gegen den besten Spieler aller Zeiten verloren habe. Ich werde mich reinhängen, damit ich hier so gut wie möglich spiele", kündigte Nadal an.

"Wäre schade, wenn ich zum letzten Mal hier wäre"

Ob das höchste Level im Moment für ihn möglich ist, scheint jedoch fraglich. Drei Stunden wird er an diesem Tag trainieren, die Knie dabei mit dickem, weißem Tape umwickelt. Ein fast schon alltäglicher Anblick bei Nadal. Ein wenig müde wirkt er dennoch - es verwundert nicht, kommt er doch mit den Turniersiegen von Monte Carlo und Barcelona nach Hamburg. Ein Negativerlebnis hatte er allerdings zuletzt in Rom, wo er in Runde zwei seinem Landsmann Juan Carlos Ferrero unterlag. "Das war sehr enttäuschend für mich. Ich fühle mich sonst immer gut in Rom. Nicht umsonst habe ich da dreimal gewonnen. Aber mit der Blase konnte ich einfach nicht hundertprozentig spielen. Es ist besser geworden, aber noch nicht perfekt", sagte Nadal, der so zu einer unfreiwilligen Pause von ein paar Tagen kam - der einzigen in diesem Monat.

Die hohe körperliche Belastung der letzten Wochen ist Nadal anzusehen, der Grund dafür verärgert ihn: "Der Turnierkalender war immer hart, aber jetzt könnte es kaum noch schlimmer kommen. Drei Masters Turniere in vier Wochen sind unmöglich. Die ATP hat keinen Respekt vor der europäischen Sandplatzsaison. Das ist nicht fair", wettert Nadal. Dass der Hamburger Rothenbaum zudem in diesem Jahr wahrscheinlich letztmalig mit dem Masters-Status ausgestattet ist, verstimmt auch Federer: "Es wäre sehr schade, wenn ich zum letzten Mal hier wäre. Ich habe hier viermal gewonnen und dieses Turnier ist immer etwas Besonderes für mich gewesen, da ich hier meinen Durchbruch geschafft habe. Ich hoffe, dass sich eine gute Lösung findet. Aber noch ist alles unsicher."

Enger Turnierkalender verärgert auch Federer

Über den engen Terminplan in diesem Jahr ist der Weltranglistenerste ebenfalls nicht glücklich: "Der Kalender ist hart und es ist so wirklich schwer, bei allen Masters-Turnieren gut zu spielen. Ich spiele zwei Wochen und mache dann eine Woche Pause. Nadal hat der Sieg in Barcelona das Turnier in Rom gekostet. Wir dachten, dass uns die eine Woche während der Sandplatzsaison wegen Peking genommen wurde, aber dass wegen der TV-Rechte am College Basketball Miami verlegt wurde, kann eigentlich nicht sein."

Mehr noch als Nadal hat Federer in diesem Jahr noch nicht wie gewohnt dominieren können und gewann bisher nur das Turnier in Estoril. Dennoch will er seine Lage nicht dramatisieren: "Ich kann mit den sechs Niederlagen leben, es waren nicht alles schlechte Matches und meine Gegner hatten meist nichts zu verlieren. Das machte es für mich nicht leichter." Am Sonntag reiste er in Hamburg an und absolvierte seine ersten Trainingseinheiten, vornehmlich mit spanischen Spielern: "Ich fühle mich gut und hoffe, dass ich mich bis Mittwoch noch besser fühle. Und wenn es im Finale wieder gegen Rafael ginge - ich wäre dabei", sagte Federer mit einem Augenzwinkern.

Aus Hamburg berichtet Petra Philippsen / Eurosport