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DEB-Team Zehnter nach Kraftakt gegen Lettland

Di 13 Mai, 17:01 Uhr


Halifax (dpa) - Auch ein starker Abschluss hat im deutschen Team die Enttäuschung über eine schwache Eishockey-Weltmeisterschaft nur wenig gemildert.

«Das war eine beinharte WM», sagte Bundestrainer Uwe Krupp, dem am Atlantik erstmals in seiner Amtszeit der Wind heftig um die Ohren pfiff. Immerhin erkämpfte sich die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes in Halifax bei ihrem letzten Auftritt noch einen 5:3 (1:1, 1:2, 3:0)-Erfolg über Lettland - vor allem dank eines Schlussspurts im letzten Drittel. Nach dem zweiten Sieg beim Turnier in Kanada nahm das deutsche Team Rang zehn ein - ein Platz schlechter als vor einem Jahr in Moskau.

Auf dem Weg zur WM 2010 im eigenen Land wird Krupp weiter die Auswahl führen. «Ich werde mein Versprechen halten», sagte Krupp. Es gebe zwar Angebote, aber ein Wechsel sei nicht akut. Sportdirektor Franz Reindl vom Deutschen Eishockey-Bund (DEB), der selbst viel mehr in die Schusslinie geraten war, nickte zustimmend. Reindl räumte aber ein: «Es war keine berauschende WM.» Immerhin sei auch in schlechter Zeit ein direkter Rivale wie die Letten besiegt worden, die den erhofften und von den Deutschen verpassten Viertelfinal-Platz sensationell den Norwegern überlassen mussten.

In der neuen Weltrangliste zogen die bisher auf Rang elf stehenden Deutschen nach vorläufiger Berechnung an Lettland vorbei auf Platz zehn. Falls es bei der WM keine Überraschungen mehr gibt, würde das DEB-Team bei der WM 2009 in der Schweiz eine höchst attraktive Vorrundengruppe mit zwei Nachbarschaftsduellen erhalten: Gegner wären neben den Gastgebern noch die Österreicher sowie die künftige Nummer zwei der Welt. Dies könnte dann Kanada sein.

Im Februar 2009 geht es aber zuerst um die Olympia-Qualifikation. Wie Reindl mitteilte, wird das Vierer-Turnier in der SAP-Arena in Mannheim stattfinden. Nur der Sieger bucht das Ticket für die Winterspiele 2010 in Vancouver. Gegner könnten nach inoffiziellen Weltranglisten-Berechnungen wiederum Österreich sowie WM-Absteiger Slowenien sein. Dazu kommt als Qualifikant möglicherweise Polen. Reindl warnte bereits: «Das wird eine ganz heiße Kiste.»

Nach der weitgehend verkorksten WM wurde erstmals öffentlich klar, dass der Ärger um die verweigerte Dopingprobe von Florian Busch und die fehlende Spielberechtigung für Jason Holland ihren Tribut gefordert hatten. «Natürlich hing es in der Luft», sagte Reindl. Die Spieler wollen die Vorfälle nicht als Ausrede geltenlassen, freimachen konnten sie davon jedoch nicht ganz. «Natürlich ist das immer eine kleine Belastung», sagte Christoph Schubert, dem in seinem 50. Länderspiel nach dreimaligem deutschen Rückstand der Treffer zum 3:3 (48.) gelang. Busch hatte die Vorarbeit geleistet. Der Stürmer von Meister Eisbären Berlin bedankte sich in der Kabine für die Unterstützung in den vergangenen Wochen und sprach - zumindest in diesem Zusammenhang - von großem Sport.

Abschalten konnte er selbst am besten auf dem Eis, wo er mit zwei Toren und drei Vorlagen zweitbester deutscher Scorer hinter Verteidiger Chris Schmidt war, der das 1:1 (19.) schoss. «Das ist der beste Weg, zu antworten», sagte Busch, der seine Sturheit gegenüber dem Dopingkontrolleur am 6. März längst schwer bereut. «Er hat unter den Umständen hervorragend gespielt», meinte Krupp über Busch.

Der 23-Jährige, ansonsten ein unbeschwerter Freund lockerer Sprüche, wirkte verbittert und mochte nicht von einem Fall Florian Busch sprechen, bei dem sich alles auf seine Person kapriziert. «Ich bin nicht Paris Hilton, deswegen kotzt es mich an», sagte er. Was beim Treffen zwischen DEB und Nationaler Anti-Doping-Agentur am 17. Mai in Frankfurt/Main herauskommt, will er eigentlich nicht wissen. Internet und Telefon würden erst einmal abgeschaltet. «Sollen sie eine Brieftaube schicken», sagte der gebürtige Bayer, den wie die Kollegen auch das verpasste WM-Viertelfinale noch frustrierte. Schubert meinte: «Wir haben uns dumm angestellt. Das Spiel gegen Norwegen und die Blamage gegen Kanada - das stinkt uns gewaltig.» Das 2:3 in der Vorrunde gegen Norwegen kostete das Viertelfinale.

Zwei Tage nach dem peinlichen 1:10 gegen Kanada glich neben Schmidt und Schubert auch der letztjährige WM-Torjäger Michael Wolf (28.) mit seinem ersten Treffer in Halifax einmal aus, Yannic Seidenberg (51.) und Christoph Ullmann (53.) besorgten den Sieg. «Der Sommer ist lang, jeder ist froh, sich mit einem Sieg zu verabschieden», sagte Krupp nach einer kurzen, aber ruhigen Nacht, in der niemand zum Feiern zumute war.