Karlsruhe (dpa) - Nachdem Fin Bartels dem Karlsruher SC in die Suppe gespuckt hatte, genoss der Matchwinner von Hansa Rostock seine Minestrone.
Als der Busfahrer zur Abfahrt hupte, da stand der zweifache Torschütze des 2:1 (1:0)-Sieges der Hanseaten im Aufsteigerduell beim Karlsruher SC noch mit einem vollen Plastikteller in der Hand in einem Pulk von Journalisten. «Ich bin froh, dass die Bälle reingegangen sind. Zwei Tore zu schießen ist sehr schön, aber wichtiger sind die drei Punkte», sagte der wieselflinke Angreifer nach seinem ersten Doppelpack in der Fußball- Bundesliga. Drei Tage nachdem Trainer Frank Pagelsdorf vom Verein eine Jobgarantie erhalten hatte, landete seine Mannschaft den ersten Sieg seit dem 1:0 gegen Eintracht Frankfurt am 16. Februar.
Während sich der nun seit sechs Spielen sieglose KSC vor 27 714 Zuschauern weitgehend vergeblich mühte und nur den zwischenzeitlichen Ausgleich durch Sebastian Freis (70.) zustande brachte, zeigte Bartels den Gastgebern wie es geht: Zwei Konter in der 30. und 84. Minute schloss der 21-Jährige mit präzisen Flachschüssen ab. «Der Kleine ackert und rackert. Solche Spieler sind im Abstiegskampf wichtig», lobte Torhüter Stefan Wächter.
Für den Ex-Kieler Bartels ist es «schon ein Traum», dass er überhaupt erstklassig spielt. Seinen Beitrag, dass Hansa nicht wieder in die Zweite Liga abstürzt, hat er erstmal geleistet. «Er war heute der überragende Spieler», meinte auch Pagelsdorf und staunte: «Kompliment an den Bengel. Normalerweise ist das ein ganz Ruhiger. Aber auf dem Platz explodiert er.» Mit dem zweiten Auswärtssieg haben die Rostocker die Abstiegsplätze wieder verlassen. «Extrem wichtig», so Wächter sei der Sieg gewesen: «Dadurch haben wir uns wieder ein kleines bisschen Luft verschafft. Mit der kämpferischen Einstellung können wir gegen Werder Bremen bestehen - und mit etwas Glück sogar einen Dreier holen.»
Während Rostock vor einem heiße Finale im Abstiegskampf steht, kann der KSC froh sein, dass er dank seiner furiosen Hinrunde damit nichts mehr zu tun hat. Die Badener kommen einfach nicht auf die vom Trainer anvisierten 40 Punkte und wurden erstmals in dieser Saison von den eigenen Fans ausgepfiffen. «Seitdem die Mannschaft als Ziel 50 Punkte ausgegeben hat, hat sie keinen Sieg mehr eingefahren», kritisierte Sportdirektor Rolf Dohmen. «Der letzte Tick in den Zweikämpfen war heute nicht da.» Nur eine halbe Stunde lang stürmte die Mannschaft so vehement wie 2007 nach vorne, dann wirkte sie nur noch blutleer. «Irgendwas muss anders werden», meinte Torwart Markus Miller etwas ratlos.
Trainer Edmund Becker bleibt in der Krise genauso gelassen wie in den vielen Jubeltagen der vergangenen eineinhalb Jahre. «Es ist schon Frust pur, wenn man in einem Heimspiel gegen Hansa Rostock nicht mal einen Punkt mitnimmt», meinte er. «Wir haben auch schon tolle Spiele Hier gesehen, Siege gefeiert. Und jetzt müssen wir auch mal eine schwierige Phase durchstehen.» Auch wenn die Karlsruher von Spieltag zu Spieltag mehr schwächeln, will Dohmen nichts davon wissen, dass der Gesamteindruck getrübt werden könne: «Wir haben trotzdem eine hervorragende Saison gespielt und werden in der ersten Liga bleiben.» Präsident Hubert Raase saß lange nach dem Abpfiff neben Ex-Boxprofi Sven Ottke auf der Tribüne im Wildparkstadion und sinnierte darüber nach, warum seine Mannschaft so in den Seilen hängt.


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