Eurosport - Do 13.Mrz. 14:38:00 2008
Diegos erst jetzt öffentlich gewordene handgreifliche Rangelei mit seinem Teamkollegen Aaron Hunt nach dem Hinspiel hat die Vorbereitung und bei Werder Bremen auf das Rückspiel gegen die Glasgow Rangers (20:30 Uhr im Live-Ticker) empfindlich gestört - der Haussegen hängt schief.
Diego stand am Mittwoch gleich doppelt im Fokus - und dabei ging es nicht bloß darum, dass Werders gesperrter Spielmacher gegen die Glasgow Rangers wieder eingreifen darf. Der kleine Brasilianer hatte sich im Hinspiel am letzten Donnerstag auf dem Platz heftig mit seinem Kollegen Aaron Hunt gestritten, der Disput eskalierte in der Kabine schließlich in Handgreiflichkeiten.
"Diego hat mich geschlagen"
"Es war eine ganz normale Diskussion. Nichts, was ungewöhnlich wäre im Fußball. Ich verstehe nicht, dass da so ein großer Wirbel drum gemacht wurde. Wir haben uns nicht geprügelt", erklärte Diego jedoch nach dem Abschlusstraining. Offenbar wusste er nicht, dass Geschäftsführer Klaus Allofs die Rangelei längst offiziell bestätigt hatte, ebenso wie die Geldstrafe für beide Akteure.
Hunt wurde da schon deutlicher: "Mir ist wichtig, dass die Mannschaft weiß, dass die Handgreiflichkeiten von Diego ausgingen. Er hat mich geschlagen. Und es ist nicht gerecht, dass derjenige die gleiche Geldstrafe erhält, der nicht geschlagen hat."
Trainer Thomas Schaaf bemühte sich gewohnt nüchtern, die Prügelei herunterzuspielen: "Emotionen sind im Spiel sehr wichtig. Aber das Ding ist vom Tisch, vorbei. Wir haben mit beiden gesprochen und schauen jetzt nach vorne."
Werder will es ohne Wunder schaffen
Nach vorne, das heißt in diesem Fall auf die schwere Aufgabe gegen Glasgow, und Schaaf hätte sich wohl eine etwas ruhigere Vorbereitung gewünscht. Zu allem Überfluss vermeldete die englische Presse am Mittwoch auch noch, dass Diego beim FC Chelsea auf dem Wunschzettel ganz oben stünde. "Ich sage dazu nichts mehr", wiegelte der Brasilianer ab, "Beim letzten Mal sind meine Worte auch verdreht worden." Irgendwie "verdreht" scheint auch die Werder-Welt momentan zu sein und offenbar hat die 0:2-Niederlage gegen Glasgow und das 3:6-Debakel gegen Stuttgart doch Spuren im Mannschaftsgefüge hinterlassen. So wie ihnen die Ordnung auf dem Platz völlig abhanden gekommen war, so scheinen sie derzeit auch keine schlagkräftige Einheit mehr zu sein.
"Wir können das am Donnerstag schaffen", glaubt aber Defensivkraft Clemens Fritz. "Wir müssen uns nur gegenseitig helfen. Dazu braucht es nicht mal ein Wunder." Das oft beschworene Bild des "Werder-Wunders" im Europapokal wollte auch Schaaf nicht nutzen, der beim ein oder anderen selbst noch als Spieler dabei gewesen ist: "Das waren doch Spiele, bei denen wir schon abgeschrieben waren. Wir liegen aber nur 0:2 hinten. Es ist noch alles möglich für uns." So wollte es auch Fritz sehen: "Dass die Ausgangslage nicht optimal ist, haben wir uns selber eingebrockt. Aber wir haben schon oft gezeigt, dass wir mehr als drei Tore schießen können. Wichtig ist nur, dass die Null steht."
Vollstes Vertrauen in Wiese
Damit das passiert, muss auch Torhüter Tim Wiese einen besseren Tag als am letzten Donnerstag erwischen, der mit seinen beiden Patzern Werder überhaupt erst in die prekäre Lage manövriert hatte. "Ich habe keine Sekunde daran gedacht, Tim morgen nicht spielen zu lassen, betonte Schaaf: "Er hat unser Vertrauen." Vertrauen können die Bremer auch darauf, dass die schottischen Gäste mit geballter Defensivkraft im Weserstadion auftreten werden und ein frühes Gegentor mit aller Kraft vermeiden wollen. "Wir sind gewarnt", erklärte Rangers-Coach Walter Smith. "Wir haben das Spiel gegen Stuttgart im Fernsehen gesehen, da war Werder eigentlich besser. Und unser Vorsprung ist gar nicht so groß." 1982 war Smith selbst als Spieler im Weserstadion zu Gast - mit Schaaf als Gegner - und erlebte mit Dundee United ein kurioses "Wunder", das damals 1:1 und damit gut für seine Mannschaft ausging.
"Werder hat bestimmt sechsmal die Latte und dreimal den Pfosten getroffen. Das war unglaublich, erinnerte sich Smith und auch Schaaf erzählte: Ein völlig verrücktes Spiel. Da hätten wir acht Tore machen können. Aber die haben es trotzdem geschafft. Wir müssen das morgen besser machen." Besser als im Hinspiel muss vor allem Werders Chancenausbeute werden und auch Diego sollte sich wieder besser im Griff haben. Rangers-Verteidiger Kirk Broadfoot hat da verständlicherweise ein anderes Ansinnen: "Wir hoffen, dass Diego wieder ein schlechtes Spiel machen wird."
Die voraussichtlichen Aufstellungen:
Werder Bremen: Wiese - Fritz, Mertesacker, Naldo, Boenisch - Jensen - Borowski, Hunt - Diego - Rosenberg, Hugo Almeida
Glasgow Rangers: McGregor - Broadfoot, Weir, Cuellar, Papac - Dailly - Davis, Hemdani, Ferguson, Adam - McCulloch
Schiedsrichter: Martin Hansson (Schweden)
Aus Bremen berichtet Petra Philippsen / Eurosport